Grenzöffnung

Parteien: Regel mit sechs Übernachtungen soll fallen

Parteien: Regel mit sechs Übernachtungen soll fallen

Parteien: Regel mit sechs Übernachtungen soll fallen

Ritzau/Walter Turnowsky
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Venstre-Vorsitzender Ellemann-Jensen möchte die Übernachtungs-Regel abschaffen. Foto: Martin Sylvest/Ritzau Scanpix

„Endlich!“ So lautet die Reaktion mehrerer Parteien zur Öffnung der Grenzen in Richtung EU.

Auf Christiansborg zeigt man sich grundsätzlich zufrieden damit, dass man ab 27. Juni wieder in fast die gesamte EU, das Schengen-Gebiet und Großbritannien reisen kann. Wie es zurzeit aussieht, bleiben nur Portugal und Schweden ausgeschlossen.

Venstre meint jedoch, dass die Öffnung schon vor geraumer Zeit hätte geschehen sollen.

„Wir haben einen Tourismus-Sektor, der in die Knie gezwungen worden ist. Dies (die Öffnung, Anm. d. Red.) hätte viel früher kommen sollen. Vor mehreren Wochen schon forderte eine Mehrheit, die Regierung solle objektive Kriterien aufstellen, und jetzt kommt sie dann damit angekrochen, wo es drei vor zwölf für die Tourismus- und Reisebranche ist“, sagt Michael Aastrup Jensen (Venstre).

Hier sind die Reisebestimmungen

  • Die geltenden Begrenzungen werden nun, ab 27. Juni, durch ein Modell ersetzt, bei dem die gesundheitliche Situation des Landes über eine Öffnung entscheidet. Dies gilt für Länder im Schengenraum sowie Großbritannien.
  • Um als „offen“ zu gelten, muss ein Land weniger als 20 Infizierte pro 100.000 Einwohner pro Woche haben.
  • Steigen die Infektionszahlen nach einer Öffnung auf 30 Infizierte pro 100.000 Einwohner pro Woche, bekommt das Land Status als „Quarantäneland“. Der größere Zahlensprung soll verhindern, dass Länder zwischen „offen“ und „Quarantäne“ hin und her pendeln.
  • Es soll auch ein Testkriterium gelten, das derzeit von den Behörden ausgearbeitet wird. Für „offene“ Länder werden wieder individuelle Reiseempfehlungen erarbeitet.
  • Es werden auch Forderungen an das Test-System der Reiseländer gestellt.
  • Eine Liste der „offenen“ beziehungsweise Quarantäneländer wird am 25. Juni vorgelegt. Das neue Modell gilt ab 27. Juni.
  • Das Serum Institut erarbeitet danach wöchentlich eine Liste der Länder, die als „offen“ beziehungsweise „Quarantäneland“ eingestuft werden.
  • Sofern „offene“ Länder keine Einreiserestriktionen gegenüber dänischen Reisenden haben, werden sie in den Reiseempfehlungen als „gelb“ eingestuft.
  • Gelb bedeutet, dass nicht mehr von Reisen in diese Länder abgeraten wird. Es wird jedoch weiter geraten, Vorsicht walten zu lassen.
  • Für dänische Bürger die aus „gelben“ Ländern zurückkehren gilt, dass die Empfehlung zu einer zweiwöchigen Quarantäne entfällt.
  • Bürger aus „offenen“ Ländern können mit dem Nachweis von sechs Übernachtungen einreisen.
  • Bürger aus den südschwedischen Regionen Halland, Skåne (Schonen) und Blekinge können ab 27. Juni frei einreisen. Gleiches gilt seit Montag bereits für Bürger aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Außenministerium

Von Orange auf Gelb

Nach den neuen Kriterien werden Länder mit weniger als 20 Infizierten pro 100.000 Einwohner pro Woche als „offen“ eingestuft. Und dies erfüllen zurzeit bis auf Schweden und Portugal sämtliche Länder.

„Wir sind jetzt in einer wesentlich besseren Situation, als wir es vor nur kurzer Zeit zu hoffen wagten“, sagt dazu Außenminister Jeppe Kofoed (Soz).

„Daher können wir nun die Reiseempfehlungen lockern, sodass wir Dänemark für den größten Teil von Europa öffnen und wir von Orange auf Gelb in den Empfehlungen gehen.“

„Gelb“ bedeutet, dass man vorsichtig sein soll, dass aber von Reisen nicht mehr abgeraten wird.

Kritik an Übernachtungsregel

Weiterhin gilt jedoch, dass man mindestens sechs Übernachtungen nachweisen muss, wenn man nach Dänemark einreisen möchte. Ausgenommen sind hier nur Schleswig-Holsteiner und ab 27. Juni auch Einwohner von Skåne (Schonen), Halland und Blekinge. Hier fordert Venstre Nachbesserungen.

„Ich bin jetzt ein äußerst zufriedener Mann. Dies ist ein entscheidender Schritt, aber er ist absolut nicht ausreichend, denn wir haben weiterhin die Regel, dass man sechs Nächte in Dänemark verbringen muss“, meint Vorsitzender Jakob Ellemann-Jensen.

Er weist darauf hin, dass dies dem Hotelgewerbe vor allem in Kopenhagen schade, da Wochenendbesuche somit ausgeschlossen sind. Die Konservativen und Radikale Venstre unterstützen die Forderung, die Regel mit den sechs Übernachtungen zu streichen.

Radikale: Kriterien sollen weltweit gelten

Radikale Venstre zeigt sich ebenfalls mit der Öffnung zufrieden, fordert jedoch, die Kriterien für Ein- und Ausreise sollten auch weltweit gelten.

„Es ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Man öffnet zu allen Ländern, wenn es gesundheitlich vertretbar ist“, meint der Vorsitzende Morten Østergaard.

„Jetzt müssen wir noch den Rest der Welt hinzufügen, sodass man frei reisen kann, wenn die Gesundheitssituation dort sicher ist.“

Hier spielt die Regierung doch noch nicht mit.

„Bei Drittländern außerhalb Europas, sprechen wir von 160 Ländern, in denen die Pandemie weiterhin zum Teil noch wütet. Soweit ich weiß, hat kein europäisches Land ein Modell zur Öffnung zu Drittländern vorgestellt“, sagt Außenminister Kofoed.

Eine genaue Liste der europäischen Länder, in die eine Einreise bzw. aus denen eine Ausreise ab 27. Juni möglich wird, wird am 25. Juni veröffentlicht. Die Liste wird wöchentlich vom Serum Institut aktualisiert.

Mehr lesen