Landwirtschaft und Gesundheit

Kinderleukämie durch Pestizide: Ministerium will handeln

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Jakob Ellemann-Jensen Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Nachdem eine Studie einen Zusammenhang zwischen Kinderleukämie und Pflanzenschutzmitteln hergestellt hat, will Dänemarks Landwirtschaftsminister eine Arbeitsgruppe einberufen. Viel zu wenig, sagen unter anderem die Sozialdemokraten, die sofortiges Eingreifen fordern.

Vorläufige Ergebnisse einer internationalen Studie zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Pestiziden und dem Entstehen von Leukämie bei Kindern geben könnte. Der für die Landwirtschaft zuständige Umwelt- und Nahrungsmittelminister Jakob Ellemann-Jensen (Venstre) will deshalb nun eine Arbeitsgruppe einrichten, die die Untersuchung verfolgen soll.

„Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, über eine Untersuchung zu informieren, die noch nicht fertig ist“, schreibt der Minister in einer Pressemitteilung. Er werde das Folketing informieren, da die Untersuchung die erste ihrer Art ist und auf dänischen Daten fußt. „Ich betrachte die Indikationen mit großem Ernst und will, dass die Behörden handlungsbereit sind“, so Ellemann-Jensen.

Die Forscher haben das Ministerium darüber informiert, dass die vorläufigen Ergebnisse noch mit Unsicherheit behaftet sind. Für den Minister reichen sie jedoch aus, zu reagieren. „Wenn es nachweisbar ist, dass diese Stoffe Krebs bei Kindern verursachen, werde ich keine Sekunde zögern, Notmaßnahmen einzuleiten und sie zu verbieten“, schreibt der Minister.

Sozialdemokraten wollen Sofortverbot

Christian Rabjerg Madsen, umweltpolitischer Sprecher der Sozialdemokraten, nennt die vorläufigen Ergebnisse derweil äußerst beunruhigend. Eine Arbeitsgruppe sei nötig, doch es brauche mehr. „Angesichts der vorläufigen Ergebnisse empfehlen wir, dass man ein Sofortverbot der betreffenden Pestizide erlässt, bis der Bericht fertig ist“, sagt er.

Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Risiko für Kinder, an Leukämie zu erkranken, steigt, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft in der Nähe von Feldern gelebt haben, die mit bestimmten Pestiziden gespritzt wurden. Vorgenommen hat die Untersuchung das us-amerikanische National Cancer Institute in Zusammenarbeit mit der Uni Aarhus, dem dänischen Statens Serum Institut und dem National Institue of Health.

Die Ergebnisse basieren auf Daten dänischer Frauen und Kinder einer dänischen Untersuchung. Vier Pestizide wurden untersucht. Darunter das bereits verbotene Ioxynil. Bromoxynil steht unter Verdacht, hormonschädigend zu sein, auch Pendimethalin und Flouxypyr wurden untersucht. Drei dieser Stoffe werden in der Landwirtschaft eingesetzt.

Laut Per Kudsk, Professor am Institut für Agrarökologie an der Uni Aarhus sind zwei davon in Dänemark zum Herbst zugelassen. Dann sollen auch die Untersuchungen abgeschlossen sein.

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