Geschichte

Stolpersteine in Kolding: Angehörige fühlen sich geehrt

Stolpersteine in Kolding: Angehörige fühlen sich geehrt

Stolpersteine in Kolding: Angehörige fühlen sich geehrt

Julie Elze, jv.dk/kj
Kolding
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Birgit Lund und Jørn Ibsen, rechts, sind Kinder von Kai Ibsen, der vor und während des Zweiten Weltkriegs in Kolding gegen die Nazis aktiv war. Am Dienstag nahmen sie an der Einweihung eines Stolpersteins zu Ehren ihres Vaters teil. Foto: Søren Gylling

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Viele Bürgerinnen und Bürger und einige Angehörige waren gekommen, als im Zentrum von Kolding Stolpersteine verlegt wurden, um an den Nationalsozialismus in Dänemark zu erinnern.

Jetzt kann man in den Straßen von Kolding über die Vergangenheit stolpern, denn am 7. September wurden fünf sogenannte Stolpersteine zur Erinnerung an Menschen verlegt, die während des Nationalsozialismus in Dänemark von den Deutschen verfolgt wurden.

Die Stolpersteine wurden an einem sonnigen Nachmittag verlegt, als Angehörige, Schulkinder und andere Geschichtsinteressierte die Strecke gemeinsam abliefen und die Stolpersteine nacheinander in den Straßen von Kolding verlegten.
 

Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing (10 mal 10 Zentimeter) ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1.265 Kommunen Deutschlands und in 26 Ländern Europas.

Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: „Hier wohnte ... “

In Dänemark wurden 2019 in Kopenhagen die ersten zwölf snublesten gelegt.

www.stolpersteine.eu www.snublesten.org

Die goldbeschichteten Steine in der Größe eines Pflastersteins erinnern daran, wie schrecklich die Zeit während der Besatzung in Kolding war.

Eine der Angehörigen, die zur Verlegung der Steine gekommen war, ist die Tochter des Widerstandskämpfers Kai Ibsen, Birgit Lund. Sie selbst wohnte während des Krieges mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder Jørn Ibsen in der Clemensgade 3 in Kolding. Auch Jørn Ibsen war zu diesem Anlass anwesend.

„Ich erinnere mich an vieles, denn ich habe während des Krieges hier gewohnt“, sagte Birgit Lund, als sie vor dem Haus ihrer Kindheit in der Clemensgade 3 steht.

In Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Rund 50 Personen versammelten sich am Dienstagnachmittag, um fünf Menschen zu gedenken. Unter ihnen waren auch Verwandte dritten Grades von zwei Widerstandskämpfern, Jørgen Kelsted und Karinus Felsted.

Schüler der Sdr. Vang-Schule legten nach jeder Platzierung weiße Rosen nieder, und die Menschen bewunderten die glänzend vergoldeten Oberflächen der Stolpersteine, auf denen das Geburtsdatum, das Datum der Verhaftung, der Name des Konzentrationslagers und das Todesdatum eingraviert sind. Auf den Steinen der vier Widerstandskämpfer steht nicht „tot“, sondern bezeichnenderweise „ermordet“.

Der Stolperstein für Alice Henriette Dinesen ist anders als die anderen. Denn sie ist nicht durch den Nationalsozialismus gestorben, sondern sie war ein Opfer in dem Sinne, dass sie ein Leben führte, in dem sie ständig vor den Nazis fliehen musste. Foto: Søren Gylling

„Wir fühlen uns sehr geehrt und möchten uns bei der Stolpersteingruppe für die Ehre bedanken, einen solchen Stein zu erhalten“, sagte Jørn Ibsen, als er vor dem Stolperstein seines Vaters stand.

Sowohl Jørn Ibsen als auch Birgit Lund sind froh darüber, dass die Leistungen ihres Vaters im Nationalsozialismus nun mit einem Stolperstein gewürdigt wurde.

„Ich möchte meine Urenkel hierher mitnehmen, damit sie die Geschichte ihrer Vorfahren kennenlernen können“, sagte Birgit Lund.

Stein mit Bedeutung

Die fünf Steine sind rund um das Stadtzentrum von Kolding verteilt, und zwar nicht weit voneinander entfernt.

In den Häusern, in denen die vier Widerstandskämpfer und die verfolgte Jüdin während des Nationalsozialismus in Dänemark wohnten, leben noch immer Menschen. Und jeden Tag können sie aus dem Fenster schauen und sich vor Augen führen, was einst in ihren Häusern und in ihrer Stadt geschah.

Henriette Harris, die Vorsitzende der dänischen Stolpersteingruppe, sagte zu Beginn des Rundgangs, dass die fünf Steine auch alle anderen Opfer des Nationalsozialismus in Kolding symbolisieren, denn es gab viele. Einige flohen ihr ganzes Leben lang vor den Nazis, während andere in einem Konzentrationslager starben.

Nach Ansicht von Henriette Harris ist es wichtig, dass wir in der Gegenwart und in der Zukunft an all diejenigen erinnert werden, die unter dem Nationalsozialismus in Dänemark gelitten haben, damit wir uns daran erinnern, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.
 

Ein Straßenarbeiter der Stadtverwaltung war die ganze Zeit dabei, um die Vergangenheit in die Straßen von Kolding zu verewigen. Foto: Søren Gylling

Zweifellos ist es ein großer Gewinn für Kolding, die erste Stadt in Jütland zu sein, die ihre Straßen mit Stolpersteinen versehen hat.

„Es war selbstverständlich, dass der Kulturausschuss und die Stadtverwaltung von Kolding das Projekt unterstützten. Denn es ist wichtig, sich an unsere lokale Geschichte zu erinnern – und sie zu kennen –, aber auch zu verstehen, wie dieser Teil der Weltgeschichte uns geprägt hat“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Søren Rasmussen, der ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm.

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