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Carsten Dethlefsen über das Wunder von Madrid: „Einzigartig“

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Carsten Dethlefsen an seinem Arbeitsplatz in Odense

Mit Stolz blickt der Haderslebener Carsten Dethlefsen auf den denkwürdigen 2:0-Sieg mit OB bei Real Madrid zurück. Der 55-Jährige, der 1994 auch zum Nationalspieler wurde, räumt aber ein, dass er in seiner Profi-Karriere eines bereut.

Der 6. Dezember 1994 hat einen ganz besonderen Platz in der Vereinsgeschichte von OB und auch in der Geschichte des dänischen Fußballs. Auf den Tag genau vor 30 Jahren schockte die Odenseer die Fußball-Welt, als sie nach einer 2:3-Heimniederlage im Achtelfinalhinspiel des UEFA-Pokals gegen Real Madrid im legendären Bernabéu-Stadion durch zwei späte Tore 2:0 gewannen und die erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt aus dem Wettbewerb warfen.

90 Minuten auf dem Platz stand auch der Haderslebener Carsten Dethlefsen, der im Sommer 1992 vom HFK nach Odense wechselte und sechs Jahre lang für den Traditionsklub OB kickte.

Unaufgeregt in die Spiele

„Das war ein einzigartiges Resultat, das größte im dänischen Vereinsfußball. Im Alltag denke ich nicht oft darüber nach, nur im Dezember, wenn die Lokalzeitungen mich daran erinnern. Einen 2:0-Sieg im Bernabéu gibt es nicht alle Tage, und es erfüllt mich mit Stolz, dass die Leute 30 Jahre danach immer noch darüber reden“, sagt Carsten Dethlefsen zum „Nordschleswiger“.

Die Bedeutung des denkwürdigen Spiels wurde ihm erst viele Jahre später klar. Während seiner aktiven Karriere ging er ganz unaufgeregt in die Begegnungen.

„Ich habe mir damals kaum Fußball im Fernsehen angeschaut. Das hat mich nicht interessiert, ich wollte einfach nur Fußball spielen. Da machte es für mich nicht den großen Unterschied, ob ich im Haderslebener Stadion oder im Bernabéu gespielt habe. Und um die Namen der Gegenspieler habe ich mich auch selten gekümmert. Ich kannte Michael Laudrup und Butragueno, die anderen nicht“, erzählt der Haderslebener.

Carsten Dethlefsen im Zweikampf mit Paul Gascoigne 1994 im Londoner Wembley-Stadion

In der Madrider Mannschaft, die ein halbes Jahr später spanischer Meister wurde, standen nicht nur Michael Laudrup und Emilio Butragueno, sondern auch Klassespieler wie Fernando Redondo, José Amavisca, Luis Enrique oder Rafael Alkorta. Doch die Königlichen mussten sich nach den späten Toren von Ulrik Pedersen und Morten Bisgaard beugen.

Alleine in der Umkleidekabine

„Für mich war es damals nur ein Fußballspiel, das wir gewonnen hatten. Ich bin direkt in die Umkleidekabine gegangen, doch dort war keiner. Ich bin dann wieder raus auf den Platz gegangen, wo alle jubelnd herumgelaufen sind“, erzählt Carsten Dethlefsen, der sich auf Nachfrage an viele Details vom Wunder in Madrid erinnert.

„Kim Brink (damaliger OB-Trainer, d. Red.) sagte uns bei der taktischen Besprechung, dass es zwei verschiedene Real-Aufstellungen geben könnte. Er war überzeugt, dass wir gegen die, die es dann auch wurde, 2:0 gewinnen würden. Er sollte Recht behalten. Und mitten im Spiel sagte mir Michael Hemmingsen, dass Real an diesem Abend kein Tor erzielen würde, egal, was wir machten, denn Lars Høgh hat einfach alles gehalten“, so der Verteidiger, der 1994 das größte Jahr seiner Karriere hatte.

Carsten Dethlefsen und seine Mannschaftskameraden von 1994 wurden vor ein paar Jahren im Odenseer Stadion für das Wunder von Madrid geehrt.

In der Runde zuvor hatte er mit OB den deutschen Vizemeister 1. FC Kaiserslautern ausgeschaltet, im März 1994 gab er sein Debüt in der dänischen Fußball-Nationalmannschaft, die knapp zwei Jahre zuvor Europameister geworden war.

Debüt im Wembley-Stadion

„Das war ein ganz gutes Jahr für mich“, lacht der 55-Jährige, der im legendären Wembley-Stadion bei einer 0:1-Niederlage gegen England zu seinem Debüt kam: „Mein Gedanke war damals, dass es nur das erste von vielen Länderspielen sein würde. Tatsächlich war es aber nicht nur mein erstes, sondern auch mein letztes Länderspiel. Ich verschwende keine Zeit damit, mich darüber zu ärgern, denn ich denke, das war, wozu mein Talent gereicht hat. Und wenn nur ein Länderspiel, dann ist Wembley nicht das schlechteste Stadion, das ich mir ausgesucht habe. Mein alter Mannschaftskamerad Heine Fernandez hat auch nur ein Länderspiel, und das war auf Island.“

Carsten Dethlefsen war als Raubein bekannt, der weder sich noch seine Gegenspieler schonte. Bereits vor dem Länderspiel-Debüt gegen England hatte er sich seine erste Achillessehnen-Verletzung zugezogen, und die Probleme wurden im Laufe seiner Karriere immer größer. Bis er 1999 nach einer Saison bei Viborg FF im Alter von nur 30 Jahren seine Karriere beenden musste.

Carsten Dethlefsen (rechts) im Zweikampf mit David Nielsen vom FCK

„Der Körper machte nicht mehr mit. Ich bin vor ein paar Jahren erneut am Knöchel operiert worden. Den Knöcheln und den Knien geht es nicht gut, aber ich wusste, dass dies der Preis sein würde, den ich zahlen musste – und ich würde es noch einmal tun“, sagt der 55-Jährige.

Einstellung nicht seriös genug

Einiges hat er allerdings schon bereut.

„Im Rückspiegel betrachtet, würde ich schon etwas ändern. Meine Einstellung war einfach nicht seriös genug. Ich wollte meinen Spaß und war gerne im Nachtleben unterwegs. Die fehlende Seriosität hat mir vielleicht ein paar Jahre in England gekostet. Der englische Fußball hätte gut zu mir gepasst“, meint Carsten Dethlefsen.

Der dreifache Familienvater lebt seit mehr als 30 Jahren in Odense. Nach 15 Jahren als Lagerchef bei Bilka in Odense ist er seit drei Jahren Logistikleiter („Kørselsleder“) bei FKS Slamson A/S.