Camping in Nordschleswig

Hängengeblieben: Von der Stippvisite zur kleinen Auszeit

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Geertje Jacobs und Imre Jansen aus Deventer machen mit Sohn Loek Urlaub in Nordschleswig und genießen ihre Auszeit.

Nur ein Pitstop sollte es sein – und dann bleiben sie doch ein wenig länger: Zwischen hausgemachter Pizza, Spülbecken-Smalltalk und nordschleswigscher Abendsonne entdecken Campinggäste auf dem flachen Land unweit der Schlossstadt Gramm die „Hygge“ für sich.

Die Stellplätze vom Campingplatz „Hyggelake“ bei Fohl, wenige Kilometer vom Kulturhotspot Gramm (Gram) entfernt, sind belegt. Es ist Hochsaison.

Betreiberin Nadine Zappe ist nahezu rund um die Uhr im Organisationsmodus. Auf ihrem Campingplatz mit seinen beiden Seen herrscht zufriedene Geschäftigkeit – und Andrang. Sei es im Bistro oder am Eingang.

Spontan abgebogen, geblieben, ausgebucht

Chiara und Florian Hartmann kommen aus Deutschland und suchen bei Fohl Entspannung vom hektischen Alltag.

„Seit Wochen sind wir ausgebucht“, sagt Nadine Zappe an diesem Tag im August.

Das kommt nicht von ungefähr. Im Frühjahr hat der niederländische Campingverband der gebürtigen Münchnerin den Preis des „Besten kleinen Campingplatzes in Dänemark“ verliehen. Wenig überraschend legen daher vor allem Gäste aus den Niederlanden bei ihr einen Pitstop ein, aus dem dann oft eine längere Auszeit wird.

Basecamp statt Roadtrip

Nadina Zappe in dem Bistro des Platzes. Binnen drei Jahren hat sie aus einem verwaisten Angelgrundstück einen Campingplatz in der Natur geschaffen, der sich an Familien wendet.

So wie bei Dennis und Laura Lassouw aus den Niederlanden. Eigentlich wollte das Paar nur eine Nacht bleiben. Plötzlich steht hausgemachte Pizza auf dem Tisch.

„Danach sind wir in die Verlängerung gegangen – und jetzt schon fast eine Woche hier“, sagt Laura. Der See, die gute Gesellschaft – die Lassouws genießen die Ruhe und machen Basecamp statt Roadtrip.

Campingplatz der kleinen Dinge

Dennis und Laura Lassouw aus den Niederlanden wollte eigentlich nur eine Nacht bleiben. „Jetzt sind wir schon fast eine Woche hier“, sagt Laura.

Es gibt keine Animation, dafür Abendsonne am See mit Panoramasauna, Marshmallows am Lagerfeuer und morgens frische Brötchen. Für die Kinder ist der Platz ein Eldorado. Christa aus den Niederlanden sticht mit ihren Kindern gerade auf einem Stand-up-Paddel „in See“.

„Wem hier langweilig wird, der ist selbst schuld“, findet Dennis Lassouw und lacht. Wer mag, wechselt ein paar Sätze mit der Chefin, holt sich Tipps für den nächsten Ausflug oder genießt die Stille am Seeufer mit einem Buch in der Hand.

Christa verbringt mit ihren Kindern viel Zeit auf dem See.

Mit dem Hund auf Tour

Gäste lassen sich mit einem Buch auf dem weitläufigen Gelände nieder.

Oder mit einem Hund an der Leine. So wie Michael Ries und seine Frau Birgit aus Schleswig-Holstein. Zum zweiten Mal geht die Familie mit ihren Hunden auf dem einstigen Angelgrundstück mit seinen idyllisch gelegenen Seen „vor Anker“.

Selbstverwirklichung am Spülbecken

Birgit Ries und ihr Mann Michael machen mit ihren Vierbeinern auf dem Campingplatz Urlaub – nicht zum ersten Mal.

„Hier kann ein Mann seine Hobbys ausleben – etwa beim Spülen!“, witzelt Michael Ries. Zum Beweis schwingt er das Geschirrtuch in der rustikalen Outdoor-Küche.

Gespräche am Spülbecken mit anderen Gästen machen den Tapetenwechsel für ihn perfekt. In der Küche trifft Ries auch Landsleute: das junge Paar Chiara und Florian Hartmann. Beide sind bereits zum zweiten Mal auf dem Campingplatz.

Entspannt auf dem flachen Land

Michael Ries lebt sein Hobby am Spülbecken der Outdoor-Küche aus, wie er scherzhaft sagt.

Die eigentliche Attraktion sei die Unaufgeregtheit hier, finden Geertje Jacobs und Imre Jansen aus Deventer. Sie lassen dort mit ihrem kleinen Sohn Loek die Seele baumeln: „Wir entspannen uns, essen, trinken, springen in den See. Das ist Urlaub.“

Die passionierten Zeltcamper sind erstmals mit einem gemieteten Camper auf Tour und haben es nicht bereut: Geertje kommt endlich mal zum Lesen, während Papa Imre sich um den Kleinen kümmert. Die Unternehmungslust der jungen Eltern hält sich in Grenzen. Ein Spaziergang, vielleicht ein Ausflug in die nächste Stadt. Doch am schönsten, sagen sie, ist es auf dem Campingplatz „Hyggelake“, dessen Name Programm ist.

Einige der Gäste sind nicht zum ersten Mal zu Gast auf dem Platz.

Vielleicht kommen sie im nächsten Jahr wieder.