Deutsche Minderheit

Kapazitätsgrenze der deutschen Schulen erreicht und teilweise überschritten

Kapazitätsgrenze der deutschen Schulen erreicht und teilweise überschritten

Kapazitätsgrenze der deutschen Schulen erreicht

Apenrade/Aabenraa
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Viele Zuzüglerinnen und Zuzügler aus Deutschland haben Nordschleswig als neue Heimat gewählt. Das Interesse an den Bildungseinrichtungen der deutschen Minderheit ist groß. Das freut den DSSV, stellt ihn aber auch vor Probleme, wie auf den DSSV-Vertretertagungen am Dienstag deutlich wurde. Foto: Karin Riggelsen

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Auf den Vertretertagungen des Deutschen Schul- und Sprachvereins sprachen die Vorsitzenden besonders das Thema der deutlich gestiegenen Zahl der Schülerinnen und Schüler an den Bildungseinrichtungen der Minderheit an. Einerseits ein Grund zur Freude, andererseits auch problembehaftet.

Ergebnisse DSSV-Wahlen

Kindergärten: Ausschussvorsitzende bleibt Maria Harbo

Schulen: Ausschussvorsitzender bleibt Thilo Schlechter

DGN: Gabriele Domy gibt den Vorsitz ab an Kerstin Jürgensen

Hauptvorsitz: Welm Friedrichsen ist alter und neuer Vorsitzender

Das Wort Corona war bei den diesjährigen Vertretertagungen des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) out, das Thema abgehakt. Schulrätin Anke Tästensen sagte es nur einmal und das ganz bewusst am Anfang ihrer Rede.

Dafür nahm ein anderes Thema sowohl bei der Generalversammlung am Dienstag ab 20 Uhr als auch in den beiden Vertretertagungen der Schulen und des Gymnasiums ab 18 Uhr viel Raum ein: die wachsende Zahl an Kindergartenkindern beziehungsweise an Schülerinnen und Schülern in den deutschen Institutionen. Sie sorgen einerseits für Freude, führen aber auch zu Problemen.

„Aufsehenerregende“ Steigerung der Schülerzahlen

Welm Friedrichsen, alter und neuer Vorsitzender des Hauptvorstandes des DSSV, und Thilo Schlechter, Vorsitzender des Schulausschusses (ebenfalls wiedergewählt), wiesen in ihren Berichten darauf hin, dass es mehr Zuschüsse gebe, je mehr Kinder eine Schule der Minderheit besuchten. Als „markant“ und „aufsehenerregend“ bezeichnete Thilo Schlechter die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Jahr 2022. Sie liegt bei 1.569. Im Vorjahr waren es 1.359.  Schlechter zufolge ist in einigen Schulen die genannte Kapazitätsgrenze nicht nur erreicht, sondern überschritten.

Doch die wachsende Zahl der Kinder und Jugendlichen führt auch zu Problemen. Um sie zu unterrichten, müssen an einigen Orten Pavillons aufgestellt werden. Die Schulen, so kam es im Laufe des Abends des Öfteren zu Gehör, kommen an ihr Limit. Ein weiteres Problem: Der DSSV sieht es als seine Pflicht an, die Kinder schnell in Dänemark zu integrieren. Das heißt, die dänische Sprache muss erlernt werden. Da viele Kinder aus Familien stammen, die aus Deutschland nach Nordschleswig gezogen sind, gibt es, was die dänische Sprache angeht, großen Nachholbedarf. Anke Tästensen gab sich zuversichtlich, diese Herausforderung zu meistern. 

Die Schulrätin stellte dem Publikum einige Fragen in ihrem Bericht. „Wollen wir weiter wachsen? Können wir das überhaupt? Wollen wir Gebäude erweitern?“ Und auch: „Welcher Wertegrundlage folgen wir? Wie sichern wir die fachliche und pädagogische Arbeit?“

Kein Diskussionsbedarf

Das Thema haben die Teilnehmenden im weiteren Verlauf unter dem Punkt Aussprache nicht wieder aufgegriffen. Da es keinen Diskussionsbedarf gab, konnte Uwe Jessen, der alle drei genannten Versammlungen leitete, schnell fortfahren.

Welm Friedrichsen und Anke Tästensen sagten nach der Hauptvertretertagung dem „Nordschleswiger“, einige der Fragen habe der DSSV bereits beantwortet, die anderen würden noch diskutiert. „Klar ist, wir können nicht überall Pavillons aufstellen. Es gibt keine Expansion um jeden Preis“, so Welm Friedrichsen, der in seinem mündlichen Bericht unterstrich, der DSSV setze auf Qualität, nicht auf Quantität. Auf die Arbeit in den deutschen Bildungsinstitutionen blickend, sagte er, der Umgang müsse familiär bleiben.

 

Es tut weh.

Welm Friedrichsen, Vorsitzender des Hauptvorstandes des DSSV

Der Andrang auf die deutschen Institutionen und die begrenzten Plätze hat allerdings auch zur Folge, dass eine Auswahl unter den Schülerinnen und Schülern erfolgt. Welm Friedrichsen bedauerte am Dienstagabend, das endgültige Papier zu den übergeordneten Aufnahmeregeln noch nicht präsentieren zu können. Er sagte aber auch, dass Aufnahmekriterien in den einzelnen Schulen kein neues Thema seien. Dass der DSSV auswählen muss, ist für ihn keine behagliche Situation. „Es tut weh", so Friedrichsen.

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