GASTKOMMENTAR

„Die Kartoffel hat ein Imageproblem“

Claudia Knauer wirbt als Kandidatin für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger für verbindliche Parität.

Die Kartoffel verschwindet vom Teller – besonders bei jungen Menschen. Büchereidirektorin Claudia Knauer warnt in ihrem Gastkommentar vor einem stillen Kulturverlust und fordert eine neue Wertschätzung für die Knolle.

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Gastkommentar

Dieses ist ein Gastkommentar von einer Person, die nicht Teil der Redaktion des „Nordschleswigers” ist. Dieser Text gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Dänemark und Kartoffel, Deutschland und Kartoffel – das bedeutet doch eigentlich eine enge Verbindung. Was wäre der Schweinebraten mit Soße ohne die Kartoffel? Aber um das Image der Erdfrucht ist es nicht gut bestellt. 

Eine druckfrische nationale Untersuchung unserer Ernährungsgewohnheiten, vorgenommen vom DTU-Lebensmittelinstitut, zeigt einen dramatischen Rückgang beim Verzehr von Kartoffeln. Je nach Altersgruppe ist der Verbrauch um 28 bis 55 Prozent zurückgegangen. Während bei den Älteren die Kartoffel – im Deutschen auch Erdapfel und im Schwäbischen sogar Erdbirne genannt – noch regelmäßig auf den Teller kommt, wählen jüngere Menschen und vor allem Mädchen eher Reis, Pasta oder Bulgur.

Das macht weder die Kartoffelbauern noch die Ernährungswissenschaftler froh, denn die Kartoffel ist kalorienarm, sättigt gut pro Kalorie, enthält Vitamin C, Eisen, Kalium und Ballaststoffe. Sie ist praktisch: heute als Salzkartoffel, die Reste dann als Bratkartoffeln und schließlich zerdrückt und gebraten als Snack. Geht es noch besser? Allenfalls als „Kartoffelmad“ – also geschnitten auf Schwarzbrot mit Zwiebel und Radieschen.

Da wir ja eine gewisse, zumindest sprachliche, wenn auch sehr lose Beziehung zu den „Kartoffeldeutschen“ haben, sollten wir uns ganz besonders um die Rettung dieses Nachtschattengewächses bemühen. Die Kartoffeldeutschen kamen um 1760 aus der Pfalz und Hessen nach Dänemark und bauten in der jütländischen Heide Kartoffeln an – ein hartes Geschäft. Viele blieben nicht lange. Aber die Kartoffel wurde bald von der dänischen Bevölkerung, die die Kartoffel bis dahin als Unkraut betrachtete, geschätzt. Womit sollte man sonst die braune Sauce aufnehmen, wenn nicht mit der Kartoffel? Reis taugt da nur bedingt. Ohne Kartoffel würde ganz entschieden etwas fehlen. Es wäre ein nachhaltiger (ess-)kultureller Verlust.

Wir müssen das Image der Kartoffel unbedingt aufpolieren. Vor Jahren wurde Siegfried Lenz, dessen 100. Geburtstag wir in diesem März ausgiebig feiern, dank der Initiative von Nis-Edwin List-Petersen, zum Ehrenmitglied der nordschleswigschen Bäckerinnung ernannt. Denn er hatte sich um die südjütländische Kaffeetafel mit seinem Büchlein verdient gemacht.

Wir sollten jetzt eine Kartoffelbotschafterin oder einen -botschafter ernennen. Da müsste sich in der Minderheit doch eine prominente Persönlichkeit finden. Damit die Kartoffel eine Zukunft hat.