Online-Ausrichtung ab 2021

BDN schafft die Tageszeitung ab

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Hinrich Jürgensen (Archivbild) Foto: Cornelius von Tiedemann

Spätestens im Februar 2021 wird aus der Minderheitenzeitung Der Nordschleswiger ein Online-Portal plus Monatsmagazin. „Uns war es wichtig, in Leck einen Beschluss zu treffen, auch damit betroffene Mitarbeiter wissen, wie es weitergeht“, sagt BDN-Chef Jürgensen.

Die Entscheidung ist gefallen: Die Papierausgabe des Nordschleswigers wird als Tageszeitung eingestellt. Mit dem Jubiläum der Zeitung im Februar 2021 ist Schluss mit dem täglichen Zeitungsvertrieb, und zwar spätestens. In Zukunft wird Der Nordschleswiger zum Online-Portal, zudem erscheint zwölfmal im Jahr ein Monatsmagazin. Das hat der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) im Rahmen seines Haushaltsseminars am Wochenende in Leck beschlossen.

Im besten Fall für alle Freunde der Tageszeitung erfolgt die Umstellung erst im Februar 2021, aber auch ein früherer Zeitpunkt sei nicht ausgeschlossen, sagt Chefredakteur Gwyn Nissen, ohne sich auf ein „Frühestens“ festlegen zu wollen. „Fakt ist, dass wir Zeit brauchen, um unseren Internetauftritt zu optimieren. Theoretisch könnten wir morgen die Papierzeitung einstellen, aber wir wollen so viele Leser wie möglich online mitnehmen. Daran müssen wir jetzt mit Hochdruck arbeiten, dafür wollen wir die zweieinhalb Jahre nutzen“, so Nissen.

Das E-Abo wird es mit dem Ende der Tageszeitung nicht mehr geben. Jetzige Abonnenten der Online-Ausgabe dürfen sich in absehbarer Zeit und bis zur finalen Einstellung des E-Abos aber über einen kostenlosen Zugang freuen.

Künftig ein Monatsmagazin neben dem erweiterten Online-Auftritt

Als Grund für die Wahl eines Monatsmagazins nennt der Chefredakteur die hohen Produktionskosten, die mit einem Wochenmagazin verbunden gewesen wären. Die Tageszeitung hätte sich im Laufe der kommenden Jahre auch ohne Beschluss selbst abgeschafft, so der Chefredakteur mit Verweis auf die jährlich sinkenden Abonnenten, aktuell 1.500.

Durch die Umstrukturierung des Nordschleswigers fallen mehrere Arbeitsplätze in der Anzeigen- und Personalabteilung, im Vertrieb sowie in der Technik weg. Aktuell arbeiten in diesen Bereichen neun Personen. Davon werden einige weiterhin im Betrieb beschäftigt sein. Die Geschäftsführung hat mit Mitarbeitern bereits erste Gespräche geführt. In der Hauptredaktion des Nordschleswigers stehen größere Umstrukturierungen an. Haupt- und Onlineredaktion werden vereint, sodass ab dem Spätsommer das Arbeitsmotto „Web first“ auch strukturell verankert wird.

Die Auflage des Monatsmagazins wird auf 4.000 bis 5.000 veranschlagt. Über Inhalt und Umfang soll noch geredet werden.

Jürgensen: Entscheidung „komplett einig“ im Hauptvorstand getroffen

Die Entscheidung im Hauptvorstand sei nach einer richtungsweisenden Abstimmung unter den Teilnehmern des Seminars „eine komplett einige“ gewesen, so Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender. Die Papierzeitung werde es „so lange wie nötig“ geben“. „Aber wenn jetzt die Abonnenten innerhalb kurzer Zeit und in Massen auf das E-Abo übergehen, haben wir natürlich eine andere Situation, auf die wir dann regieren müssen.“

Er selbst werde sein Zeitungsabo aber „bis zuletzt behalten“. „Wir wollen jenen Lesern, für die das Papier derzeit die einzige Wahl ist, so lange wie möglich Zeit geben, sich an das Online-Angebot zu gewöhnen.“
Im September soll zur BDN-Hauptvorstandssitzung ein detaillierter Fahrplan zur Umstellung auf das neue Medienmodell der Minderheit vorliegen.

„Uns war es wichtig, in Leck einen Beschluss zu treffen, auch damit betroffene Mitarbeiter wissen, wie es weitergeht. Jetzt, da die Entscheidung gefallen ist, können wir konkret werden.“

Das gelte auch für Gespräche über die finanzielle Zukunft der Zeitung, die mit den Geldgebern in Berlin und Kopenhagen geführt werden müssen. Im Herbst soll geklärt werden, ob und inwieweit sich die Zuschüsse für den BDN nach der Abschaffung der Papiertageszeitung verändern.

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