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Mit dem Nano-Zug zur Krebstherapie

Mit dem Nano-Zug zur Krebstherapie

Mit dem Nano-Zug zur Krebstherapie

Sonderburg/Sønderborg
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Jacek Fiutowski blickt hinein in eine Laser-Laufbahn, in der Nano-Partikel gezielt mit Licht reagieren. Foto: Sara Wasmund

Der 39-jährige Jacek Fiutowski hat für sein Forschungsprojekt am Nanotechnoligie-Center NanoSYD des Mads Clausen Instituts zwei Millionen Kronen von einer Stiftung erhalten. Wofür verwendet er das Geld, und wie kann die Krebstherapie der Zukunft davon profitieren? „Der Nordschleswiger“ hat den Forscher besucht und nachgefragt.

„Ich bin 39, noch bin ich also Junior-Forscher“, lacht Lektor Jacek Fiutowski, als er nach seinem Alter gefragt wird. In seinem Büro mit Blick auf das Hotel Alsik am gegenüberliegenden Ufer erforscht er die Nano-Technologie.

Die Stiftung „Villum Fonden“ hat dem Forscher vor Kurzem zwei Millionen Kronen zukommen lassen. Wie wird er das Geld verwenden, und was macht ein Nano-Forscher eigentlich? Beim Besuch in den Laboren des Mads Clausens Instituts im Sonderburger Alsion gibt Jacek Fiutowski dem „Nordschleswiger“ Einblicke in eine Welt, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist, die jedoch Pharmaindustrie und Krebstherapie revolutionieren könnte.

Partikel können programmiert werden

„Im Grunde baue ich Nano-Züge“, beschreibt Jacek Fiutowski seine Arbeit. Züge, die aus Nanopartikeln hergestellt werden. Winzige, für normale Augen und optische Mikroskope unsichtbare Partikel, die aus Rohmaterialien wie Silber, Gold oder anderen Kristallen stammen. Diese Partikel reagieren auf Licht und folgen einfachen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, sodass ihr Verhalten „programmiert“ werden kann.

Im Keller des Instituts befindet sich ein außerordentliches Helium-Mikroskop. Foto: Sara Wasmund

„Wir untersuchen, wie die Partikel mit Licht reagieren und wie die Wechselwirkung zwischen den Partikeln gesteuert werden kann“, so der Forscher. „Es ist ein sehr herausforderndes Projekt und sehr einzigartig. Die Ergebnisse könnten Aspekte der Nano-Technologie revolutionieren.“

Mit seinen „Nano-Zügen“ könnten beispielsweise Krebs-Medikamente gezielt im Körper des Patienten ausgeschüttet werden. „Man könnte dem Nano-Zug quasi genau ,sagen’ – durch Lasermaipulation – ,dass er genau an eine bestimmte Stelle im Körper fährt und seine Ladung dort abgibt.

Wirkstoffe direkt zu Krebszellen transportieren

Ein Beispiel: Nano-Partikel reagieren auf Wärme, und Krebszellen sind wärmer als normale Zellen. So könnte man die Nano-Partikel auf Wärme programmieren, sodass sie direkt an der Krebszelle den Wirkstoff ausbringen könnten.“

Licht, Magnetik, Wärme – die Forscher untersuchen, wie genau die Nano-Partikel reagieren und machen aus den Ergebnissen quasi eine „Programmiersprache“.

Jacek Fiutowski in seinem Büro mit Blick auf den Alsensund Foto: Sara Wasmund

Das Team von Jacek Fiutowski arbeitet eng mit der Universität von Cambridge zusammen. Wann könnte es zu ersten konkreten Forschungsergebnissen kommen? Wann werden die ersten Nano-Züge fahren? „Ich denke, in zwei Jahren könnten wir belastbare Ergebnisse haben“, schätzt Jacek Fiutowski vorsichtig. Das Geld der Stiftung wird hauptsächlich in die Stelle eines zusätzlichen Forschers investiert.

Einzigartige Rahmenbedingungen am MCI

Am Mads Clausen Institut im Nanotechnologie-Center Nano SYD findet das Team nicht nur sehr gute, sondern einzigartige Rahmenbedingungen. Es gibt einen „Reinraum", der temperaturbeständig und keimfrei ist, mehrere nanotechnologische Labors und ein mit Helium betriebenes, anderthalb Meter großes Super-Mikroskop im Keller des Alsion, das in Nordeuropa außer in Sonderburg nur in Finnland zu finden ist.

Gerätschaften, um Nano-Partikel zu erforschen Foto: Sara Wasmund

Jacek Fiutowski kam 2008 als Doktorand an die Süddänische Universität SDU und hat sich seitdem nach oben gearbeitet. Doktortitel, Assistents-Professur, Lektor und eigenes Forschungsteam – Jacek Fiutowski hat am Alsensund Karriere gemacht. Er gibt Kurse in Mechatronik und Mikrotechnik und erforscht nebenbei, wie man unsichtbare Partikel so steuern kann, dass sie auf Befehl Medikamente im menschlichen Körper transportieren und aussondern.

Arbeiten im Grenzland hat seine Vorteile

Das Arbeiten im deutsch-dänischen Grenzland hat viele Vorteile, sagt Jacek Fiutowski. „Wir arbeiten sehr viel und eng mit Forschern aus Kiel, Lübeck oder Flensburg zusammen, und diese Zusammenarbeit ist von sehr großem Nutzen.“

Und so wird er auch in den kommenden Jahren mit Blick auf den Alsensund sowie auf unsichtbare Teilchen seine Forschung vorantreiben. Auf dass sie baldmöglichst rollen, die Nano-Züge von Jacek Fiutowski.

Jacek Fiutowski vor dem Reinraum des Instituts, in dem viele seiner Forschungsversuche unternommen werden. Foto: Sara Wasmund
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