Deutsche Minderheit

„Synnejysk ist eine bedrohte Sprache“

„Synnejysk ist eine bedrohte Sprache“

„Synnejysk ist eine bedrohte Sprache“

Paul Sehstedt
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Ulla Weinreich, Michael Bach Ipsen
Ulla Weinreich und Michael Bach Ipsen von Modersmål-Selskabet präsentieren die Anthologie „Grenzsprachen“. Der Buchumschlag wurde von Gesche Stabenow Nordmann gezeichnet. Foto: Paul Sehstedt

Verein lässt in 15 Aufsätzen auf Deutsch und Dänisch die Geschichte und die Situation der Mundarten sowie Hauptsprachen im Landesteil analysieren.

„Synnejysk ist eine bedrohte Sprache, die von Gegend zu Gegend unterschiedlich häufig gesprochen wird, und ich meine, dass die deutsche Minderheit mehr für den Erhalt des Dialektes unternehmen kann“, erklärte Elin Fredsted, promovierte Sprachforscherin mit Wohnsitz in Flensburg, während einer Buchvorstellung im Multikulturhaus am Sonnabend in Sonderburg.

Die dänische „Muttersprachengesellschaft“ (Modersmål-Selskabet) leistet mit der Herausgabe der Aufsatzsammlung „Grenzsprachen/Sprog på grænsen“ einen ihren Beitrag zum deutsch-dänischen Freundschaftsjahr 2020.

Die Anthologie fasst die Vorträge einer Sprachenkonferenz der Gesellschaft im Oktober 2019 zusammen. Neunzehn Verfasser haben selbst oder in Kooperation über verschiedene Themen, die die fünf unterschiedlichen Sprachen und Dialekte im Grenzraum berühren, geschrieben.

„Wenn die Mitglieder der deutschen Minderheit aufstehen, um zu reden, dann sprechen sie Deutsch, aber wenn sie sitzen, wird Synnejysk geschnackt“, sagte die Forscherin, die bisher vergeblich versucht hat, für die Mundarterhaltung südlich der Grenze Fördermittel von der schleswig-holsteinischen Landesregierung zu bekommen.

Sie hat jedoch den Eindruck, dass Johannes Callsen, der jetzige Minderheitenbeauftragte des Ministerpräsidenten, ihrem Anliegen offener gegenübersteht als dessen Vorgängerin, so Fredsted. Die Professorin prangerte die Leitung der Bregnbjergschule in Woyens/Vojens an, dem Lehrkörper verboten zu haben, Synnejysk mit den Schülern zu sprechen. Dies würde den Erhalt des Dialektes nicht fördern.

Schwerwiegender Eingriff

„Wer Dialekte verbietet, übt einen schwerwiegenden Eingriff in die Identität von Menschen aus“, unterstrich Michael Ejstrup, Redaktionssekretär des Folketings in seinem Vortrag „In Sonderburg spricht man Synnejysk".Er erläuterte, wie er in seinen Forschungsprojekten Mundarten analysiert hat und dass auch lokale Unterschiede in einer regionalen Sprache vorkommen, die die Bevölkerung schnell identifizieren kann. „Jeder Nordschleswiger hört sofort, ab jemand aus Sonderburg oder Apenrade kommt“, dokumentierte er anhand von abgespielten Tonaufnahmen.

Quiz im Augustiana Park in Augustenburg. Dort können Gäste ihr Wissen über den Dialekt „Synnejysk“ herausfordern. Foto: Paul Sehstedt


Quiz im Augustiana Park

Nach dem Treffen in Sonderburg begaben sich die Teilnehmer in den Augustiana Kunstpark in Augustenburg, wo eine besondere Schnitzeljagd mit Wörtern und Begriffen aus dem Synnejysk zusammengestellt worden ist. Die Wörter stehen auf Hölzern, die in Blumenbeete gesteckt wurden, und jeder Besucher kann sich die richtige von drei möglichen Antworten heraussuchen.

Stimmen der Minderheiten

In dem vorgestellten Buch haben auch Anke Tästensen, Harro Hallmann und Jens A. Christiansen Beiträge geliefert.

Christiansen, Generalsekretär des südschleswigschen Minderheitenverbandes Sydslesvisk Forening, beleuchtet die dänische Minderheit und die Stellung des Dänischen in Südschleswig. Er kommt zu dem Schluss, dass Dänisch ein lebendiger Teil der Sprachenvielfalt im Landesteil darstellt, wenn auch stark von Germanismen beeinflusst.

Tästensen, Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins in Nordschleswig und Hallmann, Leiter des BDN-Sekretariats in Kopenhagen sowie Kommunikationschef des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), geben einen Überblick über die Verwendung des Deutschen als Minderheitensprache in Nordschleswig und als Fremdsprache in Dänemark. Die eigenen Kindergärten und Schulen sind nach deren Auffassung die Existenzgrundlage für die deutsche Minderheit, deren Kultur und Sprache sowie Identität.

In der Region Schleswig werden neben Deutsch und Dänisch die Mundarten Niederdeutsch, Friesisch, „Südschleswigdänisch“ und Synnejysk gesprochen. Alle fünf Sprachen und Mundarten fördern nach Ansicht der Autorinnen und Autoren die kulturelle Eigenart der Bevölkerung. Das beidseitig auf Deutsch bzw. Dänisch lesbare Buch unterstreicht die Bedeutung der Sprache in der Identitätsfindung von kulturellen Volksgruppen.

Infos:

Grenzsprachen/Sprog på grænsen
Ulla Weinreich und Michael Bach Ipsen
201 Seiten auf Deutsch, 187 Seiten auf Dänisch
Erschienen bei Modersmål-Selskabet
ISBN (DE) 978-3-942409-96-4
ISBN (DK) 978-87-994137-8-2

Preis: 150 Kronen für Nichtmitglieder.

Ulla Weinreich, Michael Bach Ipsen
Ulla Weinreich und Michael Bach Ipsen von Modersmål-Selskabet präsentieren die Anthologie „Grenzsprachen“. Der Buchumschlag wurde von Gesche Stabenow Nordmann gezeichnet. Foto: Paul Sehstedt
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