Geschichte

Dänische Volkspartei möchte deutschen Kaiser in Hadersleben aufstellen

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Peter Kofod hofft darauf, mit seinem Vorschlag eine Debatte über den Umgang mit der Geschichte anzustoßen.

Der Haderslebener Abgeordnete Peter Kofod schlägt vor, eine historische Statue von Kaiser Wilhelm I. an ihren ursprünglichen Ort am Südermarkt in Hadersleben zurückzuversetzen. Sie soll an die bewegte Geschichte des Grenzlandes erinnern.

Bis 1920 stand eine Statue von Kaiser Wilhelm I. auf dem Südermarkt (Søndertorv) in Hadersleben (Haderslev). Jetzt meint der Abgeordnete der Dänischen Volkspartei (DF) Peter Kofod, dass sie wieder dort aufgestellt werden sollte.

„Es ist an der Zeit, dass die Statue zurückkehrt, denn sie ist ein zentraler Teil der Geschichte Nordschleswigs – nämlich dem der deutschen Jahre bis zur ‚Genforening!‘“, sagt Kofod.

Kein Aprilscherz

Derzeit befindet sich die Kaiser-Statue im Sonderburger Schloss. Sie ist eines der wichtigen Objekte in der Ausstellung des „Museum Sønderjylland“ zur Geschichte Nordschleswigs von 1864 bis 1920. Museumsinspektor René Rasmussen hat sie 2012 aufgebaut.

„Wäre es der 1. April gewesen, hätte ich nicht daran geglaubt, dass dieser Vorschlag ausgerechnet von DF kommt“, sagt er.

„Ich kann seine Überraschung durchaus verstehen, aber es freut mich, dass ich die Leute bisweilen noch überraschen kann“, antwortet Kofod, als er mit dem Zitat konfrontiert wird.

Provokation der dänischen Mehrheit

Um die Überraschung wie auch den Hintergrund für den Vorschlag des dänisch-nationalen Politikers zu verstehen, müssen wir die Geschichte der Statue zurückverfolgen. Das deutsch-gesinnte Bürgertum in Hadersleben wollte Ende des 19. Jahrhunderts ein deutliches Zeichen setzen, dass Nordschleswig jetzt preußisch war.

Nichts bot sich da mehr an, als der dänischen Mehrheitsbevölkerung 1890 eine Statue von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) vor die Nase zu setzen. Es war eine gezielte Machtdemonstration.

„Die Dänen sollten in ihre Schranken gewiesen werden und einsehen, dass sie jetzt zu Preußen gehören und immer gehören würden. Es war eine gewaltige Provokation und wurde von der dänischen Bevölkerung auch so aufgenommen“, erläutert der Historiker Rasmussen.

Statue sollte eingeschmolzen werden

Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass die Statue als einige der wenigen von Kaiser Wilhelm bis heute überlebt hat. Während des Ersten Weltkriegs benötigte die deutsche Kriegsmacht dringend Metall, und im ganzen Reich wurden Kirchenglocken und Statuen eingeschmolzen.

Auch die 720 Kilogramm schwere Statue aus Hadersleben war bereits angefordert worden. Das Kriegsende rettete sie im letzten Moment vor diesem Schicksal. Vor dem Einmarsch von französischen Truppen hat die dänische Fraktion im Stadtrat die Statue mit Sackleinen verhängt.

Nach der Grenzziehung 1920 (Genforeningen) wurde die Statue abgebaut, aber nicht zerstört. Die Gemeinde gab sie dem deutschen Bürgerverein in Obhut. Während des Zweiten Weltkriegs war sie erneut bedroht, denn auch das Dritte Reich benötigte dringend Metall.

Unter Unkraut gelagert

Doch auch das überlebte sie, wie auch die Zeit danach, als der Bürgerverein sie dem Haderslebener Museum überließ. Dort lag sie im Freilichtbereich und wurde allmählich von Unkraut und Sträuchern überwuchert. Ab ungefähr 1980 stellte sie das Museum auf seinem Gelände auf.

Nach dem Zusammenschluss der Museen Nordschleswigs zum Museum Sønderjylland holte René Rasmussen den Kaiser in das Sonderburger Schloss. Seit 2013 ist sie eines der Prunkstücke der Ausstellung über die preußische Epoche Nordschleswigs.

Der Kaiser steht seit 2013 im Sonderburger Schloss.

„Bei Führungen bleiben wir immer bei der Statue stehen, weil sie so eine faszinierende und bewegte Geschichte hat“, sagt er.

Kofod fordert ehrlichen Umgang mit der Geschichte

Genau diese Geschichte möchte der DF-Politiker Kofod dorthin zurückholen, wo sie begonnen hat: auf den Haderslebener Südermarkt.

„So bringen wir wieder Ordnung in die Dinge. Wir müssen unsere Geschichte offen und ehrlich diskutieren, statt zu sagen, da stecken noch zu viele Gefühle drinnen, das kann man nicht“, sagt er.

Rasmussen nennt den Gedanken „interessant“ und „radikal“, ist aber dennoch skeptisch. Schließlich sei nicht gleichgültig, wo eine Statue stehe.

Historiker René Rasmussen vom Sonderburger Schloss ist von der Weisheit des Vorschlages nicht überzeugt.

„Sie ändert ihre Bedeutung je nachdem, ob sie auf einem öffentlichen Platz oder in einem Museum steht“, so der Historiker. Im öffentlichen Raum sei sie ein Symbol der Macht, „wenn sie in ein Museum umzieht, wird sie zu einem historischen Gegenstand, der die Vergangenheit vermittelt.“

Signal gegen Woke

René Rasmussen sei ein „kluger Mann“, dessen Beurteilung er zu schätzen wisse, so Kofod. Dennoch meint er, man würde „ein Gleichgewicht“ wiederherstellen, wenn der Kaiser wieder an seinem ursprünglichen Ort aufgestellt wird. Die Geschichte solle über Informationstafeln vermittelt werden.

„Wir müssen uns daran erinnern, dass wir häufig von historischen Ereignissen geprägt sind, aus denen wir lernen müssen. Diese Erfahrungen sollen wir auch an unsere Kinder und an kommende Generationen weitergeben“, so der Abgeordnete.

Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass sein Vorschlag nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen wird. Es ist seine Absicht, eine Diskussion über den Umgang mit der Vergangenheit auszulösen. Dabei geht es Kofod im etwas größeren Zusammenhang um eine Frage, die verdeutlicht, dass es dann doch nicht so überraschend ist, dass der Vorschlag von einem DF-Politiker kommt.

„In einer Zeit, in der vielerorts Statuen abgerissen werden, wäre es für mich ein kluges Zeichen, in Hadersleben eine wieder aufzustellen“, verdeutlicht er seine Abneigung gegen die „Woke-Bewegung“.