Traditionssegler

Charterboote in Corona-Nöten

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Nordschleswig
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Das Traditionssegelschiff Sigandor wurde 1909 als Frachtsegler gebaut und fungiert seit Ende der 1970er Jahre als Segelschiff für Charterfahrten. Foto: Segelschiff Sigandor

Das Traditionssegelschiff „Sigandor“ ist aufgrund der Corona-Beschränkungen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Um das Überleben des Seglers dennoch zu sichern, haben die Betreiber eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Auch andere Charterbootbetreiber haben mit den Folgen der momentanen Krisensituation zu kämpfen.

Über 100 Jahre hat das Traditionssegelschiff „Sigandor“ bereits auf dem Buckel. Seit Ende der 70er Jahre fährt es als Segelschiff für Charterfahrten durch dänische Gewässer. Die jetzigen Betreiber haben es im Jahr 2000 übernommen und erhalten den historischen Segler, der momentan im Hafen von Marstal auf Ærø liegt, durch ihr persönliches Engagement.

Die treibende Kraft dahinter sind neben der Begeisterung für traditionelle Segelschiffe das Leben auf dem Wasser und die Weitergabe der Faszination „Segeln“.

Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist das Schiff in eine wirtschaftliche Notlage geraten.

Einnahmeausfall durch Corona-Krise

„Viele Betreiber von Traditionssegelschiffen wie der ‚Sigandor‘ verdienen ihren Lebensunterhalt mit Fahrten auf Hafenveranstaltungen oder Gruppentörns. Solche waren dieses Jahr wegen der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Daher sind nahezu alle Einnahmen entfallen“, erläutert Matthias Weyland, der dem Segler seit einem Törn von Nordspanien durch die Biskaya in Richtung Kiel verbunden ist.

Aufgrund der engen Bindung an die „Sigandor“ wollen die Betreiber alles daransetzen, ihren Segler zu bewahren. Damit das Segelschiff nicht immer weiter in eine finanzielle Schieflage gerät, haben sie sich vor Kurzem mit einigen langjährigen Mitsegelnden zusammengetan und ein Crowdfunding gestartet.

Auf diese Weise sollen die anstehenden Überholungsarbeiten und der Erhalt des Schiffes unterstützt werden, schließlich laufen Ausgaben wie Hafengebühren, Betriebs- und Instandhaltungskosten weiter.

Einnahmeausfälle auch auf der „M/S Nana“

Etwas besser bestellt ist es hingegen um das Charterboot „M/S Nana“. Der ehemalige Fischkutter fährt seit dem Jahr 2014 als Angel- und Ausflugskutter von Fünenshaff aus in den südlichen Teil des Kleinen Belt.

„Wir sind noch bis Donnerstag vor allem mit deutschen Touristen regelmäßig unterwegs gewesen“, sagt Besitzer und Kapitän Morten Kristiansen.

Jedoch musste die „M/S Nana“ ihre Touren bereits im Frühling coronabedingt einstellen, und die finanziellen Ausfälle konnten bis heute nicht kompensiert werden. „Ein Crowdfunding planen wir allerdings nicht, wir machen einfach nur unsere Arbeit. Jetzt müssen wir sehen, wie es weitergeht“, so Kristiansen.

Fördeschiff „Helene“ steht still

Das Fördeschiff Helene, das im Haderslebener Hafen vor Anker liegt, hat hingegen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Situation komplett stillgestanden. Normalerweise fährt es den Sommer über durch den Haderslebener Fjord und kommt zudem als Charterboot unter anderem bei Hochzeiten oder Konferenzen zum Einsatz.

„Doch das hat sich für uns dieses Jahr nicht gerechnet. Bevor wir in See stechen können, haben wir Kosten von mehr als 150.000 Kronen für den obligatorischen Werftaufenthalt und den TÜV. Und da waren die Voraussetzungen im Frühjahr, als Dänemark komplett geschlossen wurde, einfach zu unübersichtlich“, erläutert Brian Henningsen, Vorsitzender der Betriebsgesellschaft „Turbåden Helene A/S“.

Optimismus für 2021

Er ist jedoch positiv gestimmt, was das nächste Jahr angeht.

„Helene hatte vergangenes Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Wir haben damit gezeigt, dass unser Konzept wirtschaftlich tragfähig ist. Und das hat es uns ermöglicht, unser Minus in diesem Jahr durch unsere Bank gedeckt zu bekommen. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir uns da wieder rausarbeiten können“, gibt sich Henningsen optimistisch.

Illusionen macht allerdings auch er sich keine, die kommende Saison werde kaum den vorherigen gleichen. Es werde auch im nächsten Jahr noch coronabedingt Einschränkungen geben. Und es sei schwer vorauszusagen, wie genau dann damit umgegangen werden könne. Hoffnung mache ihm allerdings die gestiegene Nachfrage nach Ferienerlebnissen im eigenen Land.

„Inzwischen haben sich alle Menschen daran gewöhnt, dass es Beschränkungen gibt, und man ist nicht mehr so nervös wie im Frühjahr, als alles zum Erliegen kam“, sagt Henningsen.

Crowdfunding-Projekt für „Sigandor“ gestartet

Derweil ist das Crowdfunding für das Traditionssegelschiff „Sigandor“ angelaufen, inzwischen sind bereits etwas mehr als 1.500 Euro zusammengekommen. Die Zielmarke lautet 2.000 Euro, die bis Ende des Jahres erreicht werden soll. Damit sollen dann die bestehenden Holzplanken des Decks abgenommen und der genaue Arbeitsumfang für die Instandsetzungsarbeiten ermittelt werden können.

Deshalb wird es im nächsten Jahr auch eine zweite Crowdfunding-Runde geben. Dann sind 35.000 Euro als Zielmarke angepeilt, mit denen die Material- und Arbeitskosten für eine Instandsetzung des Hauptdecks finanziert werden sollen.

Beim Fördeschiff „Helene“ hat Brian Henningsen bisher noch gar nicht an die Möglichkeit eines Crowdfundings gedacht. „Aber es könnte ja durchaus eine Idee sein, auch in diese Richtung zu schauen. Um eines kommen wir in jedem Falle nicht herum, wenn wir überleben wollen: Wir müssen wieder raus aufs Wasser.“

Die „Sigandor“

Das historische Segelschiff „Sigandor“ wurde 1909 als Frachtsegler gebaut. Als reines Segelschiff und später auch mit eingebautem Hilfsmotor transportierte es bis Anfang der 1970er Jahre etliche Jahrzehnte verschiedenes Gut auf der Nord- und Ostsee. Behutsame Umbaumaßnahmen und technische Modernisierungen haben die „Sigandor“ zu einem traditionellen Segelschiff mit viel Gemütlichkeit auf und unter Deck gemacht, ohne dass sie dabei ihren ursprünglichen Charakter verloren hat.

Schiffstyp: Galeasse
Baujahr: 1909
Länge ü.a.: 36,00 m
Breite: 5,50 m
Segelfläche: 400 m
Heimathafen: Flensburg

Wer das Crowdfunding-Projekt für die „Sigandor“ unterstützen möchte, kann dies über den nachfolgenden Link tun:

Rette die „Sigandor“

Quelle: sigandor.de

Rumpf und Deck der „Sigandor“ sind heute noch bis zu 90 Prozent im Original erhalten. Foto: Segelschiff Sigandor
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