Neues Minderheiten-Logo

„Wir sind regional verankert und sehr weltoffen“

„Wir sind regional verankert und sehr weltoffen“

„Wir sind regional verankert und sehr weltoffen“

Apenrade/Aabenraa
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Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, hält das neue Logo in den Händen. Foto: Nils Baum

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In Ergänzung zum bestehenden Logo des Bundes Deutscher Nordschleswiger bekommt die Minderheit ein neues Kennzeichen, das künftig alle Verbände und auch Schulen nutzen können. Der Slogan soll die Verbundenheit mit Nordschleswig und den offenen Zugang zu dem, was anders ist, ausdrücken.

„Regional und weltoffen“ – die Minderheit hat ein neues übergreifendes Logo, das künftig alle Verbände verwenden können.

„In Verbindung mit den Feierlichkeiten zur Grenzziehung 2020 hatten wir das Logo ‚100 Jahre Deutsche Minderheit 1920-2020‘ entworfen. Das kam gut an, aber wir können ja nicht dauerhaft 100 Jahre Minderheit als Slogan verwenden. Deswegen haben wir um Vorschläge für einen neuen Slogan gebeten“, sagt der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen.

Auswahl aus über 20 Vorschlägen

Nach der Aufforderung, einen Vorschlag für einen neuen Slogan einzureichen, kamen über 20 Ideen zusammen. Die Geschäftsführer der Verbände haben dann in mehreren Runden zunächst schriftlich und dann im Gespräch die Auswahl auf zwei Vorschläge eingeschränkt, die dann dem Hauptvorstand des BDN zur Abstimmung vorgelegt wurden.

Von den 21 stimmberechtigten Hauptvorstandsmitgliedern haben dann 7 für den Slogan „Grenzland – unser Zuhause“ gestimmt, 12 Stimmen entfielen auf „Deutsche Minderheit – regional und weltoffen“.

Wir sind regional verankert, denn uns gibt es nur hier in Nordschleswig. Wir sind aber der Meinung, dass wir sehr weltoffen sind mit unseren zahlreichen Aktivitäten.

Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger

Vielfältige grenzüberschreitende Aktivitäten

„Wir sind regional verankert, denn uns gibt es nur hier in Nordschleswig. Wir sind aber der Meinung, dass wir sehr weltoffen sind mit unseren zahlreichen Aktivitäten. Beispielsweise haben wir die Weltmeisterschaft im Rhönrad, wir sind aktiv in der FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten, Red.), oder wir stellen die dänische Nationalmannschaft im Faustball“, sagt Hinrich Jürgensen.

Kurz und knackig

Dass der Slogan keinen direkten Hinweis auf Nordschleswig gibt, sei kein Nachteil, meint Jürgensen, denn das Logo soll nur als Ergänzung zum BDN-Logo dienen, und aus dem geht die geografische Verortung hervor.

„Wir wollen nicht mehr als drei Wörter haben, es soll gerne kurz und knackig sein. Und doch hat es eine gewisse Aussage“, meint Hinrich Jürgensen.

Das neue Logo (rechts) knüpft visuell an das Jubiläumslogo an, das aus Anlass der Feierlichkeiten zur Grenzziehung vor 100 Jahren entwickelt worden war. Foto: Nils Baum

Regionaler Bezug zum Grenzland wichtig

Auch Harro Hallmann, Kommunikationschef des BDN, freut sich über den neuen Slogan.

„Für mich als deutscher Nordschleswiger ist der regionale Bezug zum Grenzland ganz wichtig, aber wir sind nicht engstirnig, es ist nicht abgrenzend, sondern wir sind gleichzeitig weltoffen. Und das finde ich trifft absolut zu“, sagt er.

Für mich als deutscher Nordschleswiger ist der regionale Bezug zum Grenzland ganz wichtig, aber wir sind nicht engstirnig, es ist nicht abgrenzend, sondern wir sind gleichzeitig weltoffen.

Harro Hallmann, Kommunikationschef des Bundes Deutscher Nordschleswiger

Globales Denken und lokales Handeln als Identitätsmerkmal

Urheber des Slogans „Regional und weltoffen“ ist Gerret Liebing Schlaber, Lehrer für Geschichte und Wirtschaft/Politik am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig.

Für ihn war es wichtig, eine Formulierung zu finden, die das widerspiegelt, was die Minderheit heutzutage ausmacht. 

Horizont-Erweiterung

„Wir sind keine abgeschottete Minderheit, im Gegenteil, aus der Minderheiten-Rolle ergibt sich eine Horizont-Erweiterung. Wir verschließen uns nicht vor dem Dänischen, und zugleich sind wir dadurch auch offener gegenüber anderem. Wenn man der Minderheit angehört, wird dieser Sinn unbewusst geschärft, man hat dann noch diese zweite Dimension in sich drin“, so Schlaber.

Dadurch bekomme man auch leichter Zugang zu dem, was anders sei. Und trotzdem brauche man auch seine regionalen Wurzeln. Und die Minderheit gebe es eben nur hier. Aus diesem Grunde hat sich Schlaber auch bewusst für das Wort „regional“ entschieden.

Wir sind keine abgeschottete Minderheit, im Gegenteil, aus der Minderheiten-Rolle ergibt sich eine Horizont-Erweiterung.

Gerret Liebing Schlaber, Urheber des Slogans

Region hat etwas mit Heimat zu tun

„Region ist etwas, das mit Heimat, mit Wurzeln zu tun hat. Und gleichzeitig etwas, das keine scharfen Grenzen hat. Identitätsfindung ist ein individueller, ein ganz persönlicher Vorgang, und dafür braucht man Anhaltspunkte. Aber das Erdverbundene und das Weltoffene bilden einen logischen Zusammenhang“, sagt Schlaber.

Als Beispiel führt der Lehrer seine Schülerinnen und Schüler an. Sie hätten einen ganz natürlichen Zugang sowohl zum Deutschen als auch zum Dänischen. Daraus ergebe sich eine Offenheit, die man bei Einsprachlern in dieser Form nicht finden würde, ist er sich sicher. Unter anderem hierin zeige sich der Mehrwert der Identität als deutsche Nordschleswiger.

Für Hinrich Jürgensen war es wichtig, dass das neue Logo prägnant ist und dennoch eine klare Botschaft vermittelt. Foto: Nils Baum

Logo für die gesamte Minderheit

Harro Hallmann wünscht sich, dass das neue Logo so verwendet wird wie das Jubiläumslogo. „Es soll ein übergreifendes Logo für die gesamte Minderheit sein“, sagt er.

Beispielsweise sollen die verschiedenen Minderheiten-Verbände das neue Logo in Ergänzung zu ihrem eigenen auf ihrer Homepage verwenden oder es in ihre E-Mail-Signatur einfügen können. Heute würden viele das BDN-Logo nutzen, und das sei zwar auch in Ordnung, aber der BDN hat eine Doppelrolle als Verband und als Dachverband.

„Deshalb wollten wir gerne ein Logo haben, das allein stehen kann. Es ist ein Angebot, mit dem man die Zugehörigkeit zur Minderheit verdeutlicht“, ergänzt Hallmann.

Neben den Verbänden sollen auch die Schulen Gebrauch von dem neuen Logo machen können. Der BDN selbst arbeitet an einem neuen Internetauftritt und will das neue Logo dann auch dort einbauen.

Visuelle Anknüpfung an 100-Jahr-Logo

Visuell knüpft das neue Logo mit seinen geschwungenen blauen und gelben Linien an das 100-Jahr-Logo an. Sie hat seinerzeit Peter Kleinschmidt entworfen.

Zudem ist das Wappen aus dem BDN-Logo Bestandteil des neuen Logos, womit die Identifikation mit Nordschleswig weiter gestärkt werden soll.

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