Jaron Siewert-Gerücht, offene Verträge, Abwehrprobleme: Glandorf äußert sich zur Lage bei der SG

Das Telefon steht selten still. SG-Geschäftsführer Holger Glandorf hat reichlich zu tun.

Zwischen zwei Nordderbys, vor der Länderspiel-Pause und der entscheidenden Saisonphase baten wir Holger Glandorf zum Gespräch. Der Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt spricht über konkrete Ergebnisse und die Entwicklung des Teams. Auch Personalien sind ein Thema - darunter der Name eines deutschen Meistertrainers.

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Zusammenfassung

  • Glandorf zieht eine überwiegend positive Zwischenbilanz, sieht die SG aber besonders in der Abwehr noch mit deutlichem Steigerungspotenzial.
  • Trainer Pajović genießt Vertrauen und soll wie geplant weitermachen, während Gerüchte um Jaron Siewert und mögliche Transfers nicht kommentiert werden.
  • Bei mehreren Spielern laufen Gespräche über die Zukunft, wobei sportliche Entwicklung, Marktchancen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen entscheidend bleiben.

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Nach dem Derby ist vor dem Derby. Am Dienstagabend hat die SG Flensburg-Handewitt zum Abschluss der European-League-Hauptrunde beim THW Kiel gespielt. Sonnabend geht es in der Bundesliga erneut zum Landesderby, und anschließend wartet eine Nationalmannschaftswoche. Zeit, um mit SG-Geschäftsführer Holger Glandorf eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Flensborg Avis: Holger Glandorf, ein Viertel der Saison ist noch zu spielen. Die SG steht auf Rang zwei in der Bundesliga, im Achtelfinale der European League und ist im DHB-Pokal im Viertelfinale ausgeschieden. Mit Ihren Worten: Wie fällt das Saison-Zwischenfazit bislang aus?

Holger Glandorf: Insgesamt können wir mit der derzeitigen Platzierung in der Bundesliga zufrieden sein, auch wenn wir wissen, dass noch Potenzial in der Mannschaft steckt. Natürlich hätten wir uns gewünscht, im Pokal ins Final4 zu kommen, aber es gibt einfachere Spiele, als im Viertelfinale in Magdeburg antreten zu müssen. Ebenso hätten wir uns gewünscht, als Gruppenerster in der European League weiterzukommen. Jedoch war es eine starke Gruppe, wenn man bedenkt, dass es in ihr drei der vier Final Four Teams aus dem Vorjahr waren. Dennoch hätten wir zu Hause gegen Kiel gewinnen sollen. In der Liga sind wir voll im Rennen um die Champions-League-Plätze. Insgesamt haben wir uns durchaus weiterentwickelt, auch wenn ich noch weiteres Potenzial sehe. So müssen wir unsere Abwehr weiter stabilisieren. In den letzten Wochen hatten wir dort erhebliche Probleme und haben zu viele Tore bekommen. Aber daran arbeiten wir stetig.

Als Teil der Analyse der Vorsaison habt ihr im vergangenen Sommer gesagt: Entwicklung vor Ergebnissen, denn wenn die Entwicklung stimmt, kommen die entsprechenden Ergebnisse – die Entwicklung stimmt also?

Ja, wir sind auf einem guten Weg. Zum einen, wenn wir auf die Platzierung gucken schauen, und zum anderen sehe ich auch eine Entwicklung, vor allem in den Auswärtsspielen. Dort haben wir z.B. unser Auftreten verbessert, wohlwissend, dass noch schwere Aufgaben kommen. Entwicklungen verlaufen nicht immer geradlinig nach oben, sondern in Wellen. So eine Phase haben wir jetzt nach der EM. In solchen Phasen müssen wir daran arbeiten, dass die Dellen relativ klein bleiben. Das ist der nächste Schritt der Entwicklung, den wir gehen müssen.

Ein erfolgreiches Handball-Team ist ein komplexes Konstrukt. Die sportlichen Verantwortlichen geben die Rahmenbedingungen vor. Die Mannschaft muss diese am Ende bestmöglich umsetzen. Gibt es Themen, bei denen ihr als Verein, die sportlich Verantwortlichen, etwas hättet anders machen können? Nach den Verletzungen von Luca Witzke und Lukas Jørgensen beispielsweise doch noch einen Rückraumspieler statt eines Ersatzes am Kreis zu holen?

Diese Diskussion kann man führen. Es hat aber auch damit zu tun, was der Markt hergibt und wo wir Bedarf haben. Bei Kent Robin Tønnesen wussten wir, dass er relativ schnell zurückkehren kann. Ich höre oft, wen wir alles hätten verpflichten sollen oder wer angeblich zu uns kommt, aber es gibt auch immer wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Außerdem spielen viele Faktoren, wie Verfügbarkeiten, Gehaltsvorstellungen oder auch Ablösesumme eine Rolle, die der Öffentlichkeit nicht immer komplett bekannt sind. Unser Ziel muss es sein, immer das Optimum aus dem vorhandenen Kader herauszuholen. Dazu gehört auch, junge Spieler zu entwickeln und ihnen Chancen zu geben. Gleichzeitig muss die Mannschaft auch mithelfen, um jungen Spielern wie Thilo Knutzen diese Chancen zu ermöglichen. Unser Kader bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, die wir nutzen müssen. Ein Fazit sollten wir erst am Saisonende ziehen.

Trainer Aleš Pajović ist jetzt seit etwas mehr als einem Jahr im Amt. Wie bewerten Sie seine Arbeit bis hierhin?

Die ersten Monate müssen für sich betrachtet werden, da er mitten in einer Saison kam. Die aktuelle Saison ist daher die erste für die er komplett verantwortlich ist. Aber unabhängig davon hat er es auf jeden Fall geschafft, eine Mannschaft aufzustellen, die füreinander da ist, füreinander kämpft und auch eine gute Stimmung hat. Ebenso hat er die Mannschaft z. B. im Auftreten in den Auswärtsspielen weiterentwickelt. Aber sicherlich muss auch Pajo sich noch weiterentwickeln, es ist schließlich seine erste Saison in der Bundesliga.

Als er kam, hieß es, er lege viel Wert auf die Abwehrarbeit. Nun kassiert ihr im Durchschnitt etwa 32 Gegentore. Das sind sehr viele – ist das dem modernen Handball geschuldet oder habt ihr euch an diesem Punkt mehr versprochen? Die Abwehrarbeit ist bereits angeklungen.

Einerseits ist es heute nicht mehr so, dass man sagen kann: Wir müssen unter 30 Gegentoren bleiben. 

Das Spiel ist nun deutlich schneller als früher, so ist der moderne Handball. Andererseits hatten wir auch einige Spiele, bei denen ich ehrlicherweise sage, da hätten wir weniger Tore kassieren sollen. In diesen Spielen sind wir nicht gut zurückgelaufen oder stande nicht kompakt genug. Das sind Themen, die wir direkt nach den Spielen besprechen. Im Herbst hatten wir eine gute Phase und auch in Erlangen zuletzt war die Abwehrarbeit gut. Insgesamt müssen wir aber konstanter werden und daran arbeiten.

Pajović hat noch Vertrag bis 2027. Seid ihr bereits in Gesprächen mit ihm für die Zeit danach? Wie sind eure Planungen diesbezüglich? Schließlich wollen Spieler auch langfristig wissen, wer Trainer sein wird.

Wie bereits erwähnt, spielt er seine erste komplette Saison mit der Mannschaft. Daher schauen wir jetzt, wie sich diese Saison entwickelt. Wir haben unsere Ziele auch in der Entwicklung. Nach der Saison werden wir schauen, was daraus geworden ist. Er hat dann immer noch ein ganzes Jahr Vertrag, und daher konzentrieren wir uns jetzt auf diese Saison.

Ihr sollt mit Jaron Siewert Kontakt aufgenommen haben. Dabei soll es um ein Engagement ab diesem Sommer gegangen sein.

Grundsätzlich äußern wir uns nicht zu Spekulationen und zu Gerüchten sowieso nicht, aber da ist definitiv nichts dran. Wir haben nicht mit Jaron gesprochen.

Daraus schließe ich, dass Pajović nächste Saison wie vertraglich vereinbart euer Trainer ist?

So planen wir.

Kommen wir zum Kader. Die Verträge von Aksel Horgen und Thilo Knutzen laufen aus. Aksel wird mit dem HC Kriens-Luzern in Verbindung gebracht. Wie sind eure Planungen mit den beiden?

Wir sind mit beiden im Gespräch. Bei Thilo ist die Rolle anders als bei Aksel. Bei Thilo geht es darum, dass er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen sollte. Da gibt es mehrere Möglichkeiten auch mit unseren Kooperationspartnern, da müssen wir schauen, was die beste Lösung ist. Bei Aksel ist die Situation eine andere. Sein Vertrag läuft aus und da ist es ganz normal, dass man sich fragt, wie es weitergehen soll. Wenn er noch einmal eine andere Rolle einnehmen möchte, wäre jetzt sicherlich der Zeitpunkt dafür. In den nächsten Wochen wissen wir mehr.

Wie steht es um Simon Pytlick, gibt es einen neuen Stand? Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass bei einem Wechsel bereits in diesem Sommer Tobias Grøndahl im Gegenzug aus Berlin zu euch kommen könnte?

Es gibt nichts Neues. Von dem Gerücht habe ich auch gehört. Morgen ist es dann Nils Lichtlein oder am Ende doch noch mal Mathias Gidsel. Wie gesagt: Es gibt viele Gerüchte und Spekulationen, aber wir äußern uns dazu nicht, sondern verkünden etwas, wenn es etwas zu verkünden gibt.

Auch zu Luca Witzke gab es zuletzt wieder Meldungen, wonach er auf dem Weg weg sei. Erlangen und Melsungen sollen Interesse an ihm haben?

Für Luca ist die ganze Saison sehr tragisch gelaufen. Beide Seiten haben sich das natürlich anders vorgestellt. Er konzentriert sich jetzt auf die Reha, und wir hoffen, dass er fit wird. Wir haben ihn ja auch verpflichtet, weil er Qualitäten hat, und die würden wir natürlich gerne hier in Flensburg sehen. An den Spekulationen beteilige ich mich wie gewohnt nicht.

Wie geht es dann am Kreis weiter? Werdet ihr noch einen dritten Mann verpflichten oder reicht euch das Duo Blaž Blagotinšek und Emil Bergholt in der nächsten Saison?

Wir schauen, welche Möglichkeiten es auf dem Markt gibt. Ob es einen dritten Kreisläufer gibt oder einen Abwehrspezialisten. Es muss immer Sinn machen und wirtschaftlich zu vertreten sein.