Deutsche Minderheit

Sozialdienst: 150 Ideen für die Zukunft

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45 Mitglieder des Sozialdienstes Nordschleswig befassten sich damit, was den Verband künftig prägen soll.

Gemeinschaft: Welche Aufgaben soll der Sozialdienst künftig in der deutschen Minderheit lösen? Die erste Dialogtagung des Verbandes gab auf wenige Fragen viele Antworten.

Wofür steht der Sozialdienst Nordschleswig heute, und was sind in Zukunft die Aufgaben des Verbandes? Auf diese und andere Fragen gab es am Dienstagabend im Haus Quickborn ganze 150 Antworten.

Zum ersten Mal hatte die Vorsitzende des Sozialdienstes, Gertraudt Jepsen, die Vorstandsmitglieder aller Ortsvereine persönlich zu einer offenen Dialogtagung eingeladen. Zu zwei Themen – Kommunikation sowie Ehrenamt/Ortsvereine – sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ideen entwickeln.

Es gab unter anderem folgende Rückmeldungen:

  • Den Sozialdienst an den deutschen Institutionen sichtbarer machen.
  • Ältere Mitglieder abholen und zu Veranstaltungen mitnehmen.
  • Die Zusammenarbeit zwischen den Ortsvereinen intensivieren.
  • Jüngere Mitglieder für die Vorstandsarbeit gewinnen.

„Wir wollen erreichen, dass die Leute aus den verschiedenen Ortsvereinen miteinander reden, weil wir voneinander lernen können. Denn auch hier gilt unser Motto: Gemeinsam statt einsam“, erklärt Gertraudt Jepsen, die zusammen mit dem Lenkungsausschuss des Sozialdienstes die Zukunft des Verbandes eingeläutet hat.

Persönliche Einladung

Gertraudt Jepsen hat zu diesem Abend 57 Vorstandsmitglieder an die Flensburger Förde eingeladen. 42 sind der Einladung gefolgt, und bereits vor Programmbeginn findet bei einem Gläschen alkoholfreiem Sekt ein reger Austausch statt. Man kennt sich im Sozialdienst.

Sozialdienst Nordschleswig

Der Sozialdienst Nordschleswig ist Teil der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Der Verband wurde am 13. Januar 1948 gegründet – als Vorläufer hatte Anna Martensen bereits 1929 den Wohlfahrtsdienst Nordschleswig ins Leben gerufen. Der Sozialdienst hat ein breites Betätigungsfeld, das von drei Säulen getragen wird:

Die Sozialdienst-Vorsitzende Gertraudt Jepsen freut sich über einen gelungenen Abend und viele Ideen für die weitere Arbeit im Verband.

Brigitte Handler aus dem Lenkungsausschuss leitet die eigentliche Veranstaltung ein. Der Sozialdienst habe bereits ein Leitbild erarbeitet, in dem die Werte des Sozialdienstes festgelegt wurden, und auch eine Konzeption für den Verband gibt es schon. Der Rahmen für die Arbeit im Sozialdienst steht also, und es herrscht Klarheit über die Ziele des Sozialdienstes und die Grundlagen des Handelns“.

Aber es geht um mehr, meint Handler, nämlich um Weiterentwicklung und Zukunftssicherung: „Wie behalten wir die gesellschaftliche Entwicklung im Blick, und wie sollen wir uns in Zukunft entwickeln?“

Verrückte Ideen und gute Argumente

Gebt uns durchgeknallte Sachen, verrückte Ideen und gute Argumente. Alles kann uns inspirieren“, sagt Gertraudt Jepsen, bevor an Stehtischen in kleinen Gruppen zu den Themen Kommunikation und Ortsvereine/Ehrenamt weiterdiskutiert wird.

In den Diskussionen werden die Herausforderungen schnell deutlich:

  • Der Sozialdienst soll weg vom Kaffeeklub-Image – aber gemeinsam Kaffee trinken ist immer noch wichtig.
  • Es sollen jüngere Mitglieder gewonnen werden – doch die Familien haben bereits viele Angebote.
  • Die digitale Kommunikation soll gestärkt werden, aber noch sind nicht alle Älteren digital.
  • Der einzelne Ortsverein soll vor Ort gestärkt werden, doch es soll auch mehr Zusammenarbeit mit anderen geben.

Sozialdienst der Zukunft

Marion Jørgensen vom Ortsverein Buhrkall (Burkal) ist neu in der Sozialdienst-Arbeit und mit ihren nur 58 Jahren eher ein untypisches Mitglied. Aber sie ist genau die Zielgruppe, die der Verband gerne ansprechen möchte, um auch die nächsten Generationen in die ehrenamtliche Arbeit einzuführen.

Beim Dialog-Abend im Haus Quickborn kommen viele neue Ideen auf den Tisch.

„Ich habe wie viele den Eindruck, dass der Sozialdienst nur für alte Menschen da ist, und meine Freunde haben auch gefragt: ,Was machst du da bei den Alten?’.“ Aber ich finde es spannend und wichtig, wie sich der Sozialdienst mit seiner Zukunft auseinandersetzt“, sagt Marion Jørgensen.

„Ich gehöre noch zu denen, die nicht so viel Zeit haben, weil ich noch berufstätig bin, aber ich habe erlebt, welch große Bedeutung die Arbeit des Sozialdienstes für meine Mutter hat, und das hat mich motiviert, ebenfalls einen Einsatz zu leisten“, erklärt Marion Jørgensen.

Eine ihrer Ideen: „Wir brauchen in den Ortsvereinen die enge und persönliche Beziehung zu unseren Mitgliedern.“

150 Ideen und ein Versprechen

Nach einer Stunde haben Marion Jørgensen und die anderen Teilnehmenden über 150 Ideen an die Wand geklebt. Gertraudt Jepsen ist nach der ersten Dialogtagung mehr als zufrieden.

Marion Jørgensen ist neu im Sozialdienst und bei den Gesprächen im Haus Quickborn dabei.

„150 Ideen, mit denen wir weiterarbeiten können. Das ist weit mehr, als wir erwartet hatten, und spricht seine eigene Sprache“, so Jepsen. Auch die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind durchweg positiv: Alle hielten die Tagung für gut und planen, nächstes Jahr wieder daran teilzunehmen.

„Das hier war erst der Anfang“, verspricht die Sozialdienst-Vorsitzende. Am 22. September 2026 findet die nächste Dialogtagung statt.

„Auf diese Weise haben wir zweimal im Jahr – bei der Generalversammlung im Frühjahr und bei der Tagung im Herbst – die Möglichkeit, ganz eng mit unseren Mitgliedern zu interagieren“, sagt Jepsen.

Umsetzung der Ideen beginnt

Die Lenkungsgruppe wird die Ideen jetzt sortieren und hat dazu übrigens die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler eingeladen, mitzuwirken.

Viele gute Gespräche kennzeichnen den Dialog-Abend.

„Wir wollen in unserer Arbeit transparent sein. Nichts, was wir machen, ist heimlich“, sagt die Vorsitzende.

„Wir hoffen, dass wir viele Ideen umsetzen können. Einiges wird aus praktischen oder finanziellen Gründen nicht möglich sein, aber wir werden bei der Generalversammlung über die Fortschritte berichten“, sagt Gertraudt Jepsen, die jedoch glaubt, dass einige Ideen jetzt schon ohne die Mitwirkung der Lenkungsgruppe umgesetzt werden.

„Aus den Gesprächen haben viele bereits Ideen für ihren eigenen Ortsverein mitgenommen. Der Abend sollte auch eine Initialzündung für die weitere Arbeit vor Ort sein.“

Am Ende der Dialogtagung zeigte der Sozialdienst den Anwesenden dieses Video: