deutsch-Dänisch

Milliardenstreit um Fehmarnbelt-Tunnel: Deutsche Umweltauflagen sprengen den Zeitplan

Der damalige Transportminister Benny Engelbrecht (Soz.) war im November 2021, gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Bernd Buchholz (FDP), beim symbolischen ersten Spatenstich für den Fehmarnbelttunnel auf der Insel Fehmarn.

Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark verzögert sich erheblich. Zwei Umweltauflagen erschweren den Fortschritt massiv.

Veröffentlicht Geändert

Zusammenfassung

  • Der Fehmarnbelt-Tunnel gerät wegen Verzögerungen und Kostenstreit in eine tiefe Krise.
  • Strenge deutsche Umweltauflagen zum Schutz der Schweinswale bremsen den Bau erheblich.
  • Baukonsortium und Projektgesellschaft streiten über Milliardenforderungen und neuen Zeitplan.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Ein Tunnel, der Europa näher zusammenbringen soll – und der stattdessen vor immer größer werdenden Herausforderungen steht. Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Dänemark und Deutschland steckt in einer Krise: zwei Jahre Verzögerung, ein Kostenstreit und ein Ende, das weiter in die Ferne rückt.

Das dänische Fachblatt „Ingeniøren“ berichtet über wachsende Spannungen beim Bau des Projekts.

Bereits bekannt ist, dass sich das Projekt um rund zwei Jahre verzögern wird – unter anderem aufgrund von damaligen Verzögerungen bei der Zulassung des Spezialschiffes „Ivy“ auf dänischer Seite, das für zentrale Bauarbeiten benötigt wird. Inzwischen ist das Schiff einsatzbereit, dennoch gilt der ursprüngliche Zeitplan mit einer Fertigstellung im Jahr 2029 bereits seit Herbst als kaum noch haltbar.

Umweltauflagen bremsen Baufortschritt

Zwei deutsche Umweltauflagen – Grenzwerte für die Sedimentaufwirbelung und den Unterwasserlärm zum Schutz der Schweinswale – machen es laut dem Blatt nahezu unmöglich, den bereits zwei Jahre betragenden Rückstand aufzuholen.

Die Auflagen stammen aus dem deutschen Planfeststellungsbeschluss und schreiben unter anderem vor, dass die Arbeiten während der Schweinswal-Brutzeit von Juni bis September stark eingeschränkt werden müssen – ausgerechnet die günstigste Jahreszeit für das Versenken der riesigen Tunnelelemente auf dem Meeresgrund.

Die dänische Projektgesellschaft „Sund & Bælt“ unterzeichnete die Hauptbauverträge bereits 2016, drei Jahre bevor der deutsche Planfeststellungsbeschluss mit seinen strengeren Auflagen vorlag. Das größte Baukonsortium „Femern Link Contractors (FLC)“ fordert nun 14,5 Milliarden Kronen Nachzahlung für erwartete weitere 20 Monate Verspätung.

Die Baugrube für das Tunnelportal des Fehmarnbelt-Tunnels nahe dem Fährhafen Puttgarden – von hier aus soll die feste Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark entstehen, deren Bau aktuell unter Zeit- und Kostendruck steht.

Offene Fragen zu Kosten und Zeitverzug

Obwohl die Anforderungen zum Schutz der Schweinswale bereits seit 2019 bekannt sind, sind sich „Sund & Bælt“ und „FLC“ weiterhin uneinig darüber, wie viel zusätzliche Zeit diese Maßnahmen erfordern und welche Kosten dadurch entstehen.

„Zeitliche Konsequenzen werden im Rahmen des laufenden vertraglichen Dialogs mit dem Auftragnehmer behandelt. Dazu kann ich keine näheren Angaben machen. Wir können jedoch mitteilen, dass wir laufend im Austausch mit den deutschen Behörden zu verschiedenen Themen stehen“, erklärte Kommunikationskonsulent Andrew Crone-Langkjær gegenüber „Ingeniøren“. 

Wie teuer der Streit letztendlich wird, will „Sund & Bælt" öffentlich nicht kommentieren.

Femern A/S erklärt das Überwachungssystem

Auf Anfrage des „Nordschleswigers“ erläutert Denise Juchem, Pressechefin bei der Tochtergesselschaft „Femern A/S“ , wie die Einhaltung der deutschen Auflagen konkret sichergestellt wird. Der Unterwasserschall werde mit Unterwassermikrofonen gemessen und in ein Modell eingespeist, das von unabhängigen Experten der Umweltbaubegleitung ausgewertet wird. 

„Drohen die Grenzwerte überschritten zu werden, werden Arbeitsschiffe verlegt oder stellen ihre Arbeit ein“ , so Juchem.

Zur Frage, warum die Verträge bereits 2016 unterzeichnet wurden, erklärt „Femern A/S“: „Dänemark hatte die rechtliche Grundlage für den Bau bereits 2015 per Baugesetz beschlossen. Vor diesem Hintergrund wurden 2016 die Hauptbauverträge als bedingte Verträge geschlossen. In Deutschland folgten der Planfeststellungsbeschluss 2019 und die endgültige Rechtssicherheit nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2020.“

Einen überarbeiteten Gesamtzeitplan will „Femern A/S“ erst vorlegen, sobald die ersten Tunnelelemente erfolgreich abgesenkt sind.