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Fehmarnbelt-Tunnel: Eröffnung 2029 wohl nicht zu halten

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Fehmarn
So soll der Tunnel einmal aussehen.

In nur vier Jahren sollen die ersten Autos durch den neuen Tunnel von Dänemark nach Deutschland rollen können. Dieser Plan stand bisher fest. Doch Verzögerungen bei der Zulassung eines Spezialschiffs zum Absenken der Tunnelelemente und Auflagen der deutschen Behörden könnten die Eröffnung verschieben.

Der Zeitplan für die Fertigstellung des Fehmarnbelt-Tunnels gerät ins Wanken. Das teilt die Bauherrin „Sund & Bælt“ in einer Pressemeldung mit. Demnach sorgen technische Herausforderungen mit dem Spezialschiff „Ivy“ dafür, dass es Verzögerungen beim Bau des Tunnels zwischen Lolland und Fehmarn gibt, der eigentlich 2029 eröffnet werden soll.

Der 18 Kilometer lange Tunnel wird aus 217 Meter langen Betonelementen gefertigt, die jeweils 73.509 Tonnen wiegen. Diese werden in 30 Metern Tiefe auf den Meeresboden herabgelassen und anschließend verbunden. Die Elemente sind damit schwerer und größer als beim Bau des Öresundtunnels, und auch die Tiefe des Meeres macht das Bauprojekt am Fehmarnbelt komplexer.

Einsatz von Spezialschiff verzögert sich

Das Spezialschiff, ein Prototyp, der extra für den Bau des Tunnels entwickelt wurde, muss zunächst getestet und von der zuständigen Behörde zugelassen werden. Dies resultiere in einer Verzögerung von anderthalb Jahren bei der Vorbereitung, heißt es. Angesichts der aktuellen Rückschläge bei „Ivy“ werde es nun als schwierig angesehen, den Tunnel innerhalb des ursprünglichen Zeitplans fertigzustellen. „Sund & Bælt“-Chef Mikkel Hemmingsen spricht bei so einem Mega-Projekt von „nicht erwartbaren Herausforderungen und unvorhergesehenen Ereignissen“.

Auflagen deutscher Behörden ein Problem

Fehmarnbelt
Die Tunnelbaustelle auf dänischer Seite

Es ist unklar, wie viel der verloren gegangenen Zeit in den kommenden Jahren wieder aufgeholt werden kann, heißt es. Weitere Herausforderungen ergeben sich aus den zehn Jahre alten Verträgen, die vor der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg unterzeichnet wurden, so Hemmingsen. Damals konnten bestimmte Regulierungen noch nicht in die Verträge aufgenommen werden. Daher überrascht das Ausmaß der Auflagen der deutschen Behörden, und das sei nicht absehbar gewesen. Dabei geht es etwa um Unterwasserlärm und Sedimentablagerungen in deutschen Gewässern.

Der zweite Teil des Projekts, die dänischen Eisenbahnanlagen für den Fehmarnbelt-Tunnel, bestehend aus rund 110 Kilometern neuer zweigleisiger Eisenbahnstrecke von Ringsted nach Rødby, verläuft planmäßig.

Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels begann offiziell am 1. Januar 2021 mit dem virtuellen ersten Spatenstich auf dänischer Seite, während die Arbeiten auf deutscher Seite im November 2021 aufgenommen wurden.

Erst wenn das erste Tunnelelement im Wasser sei, könne man einen konkreten Zeitplan errechnen, sagt Jens Villemoes, Pressechef bei „Sund & Bælt“, gegenüber „TV2“. „Wir wissen, dass sich viele Menschen auf die Eröffnung des Fehmarnbelt-Tunnels freuen. Wir gehen keine Kompromisse bei der Qualität oder Sicherheit des Projekts ein.“ Man tue alles, um die Verzögerung so gering wie möglich zu halten.