Satire

„Æ Rummelpot“: So macht Kultur richtig Spaß

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Zeichner und Architekt Ole Weile (links) hat 50 Jahre lang miterlebt, wie Menschen in Nordschleswig mit dem Rummelpot ausgezeichnet wurden. Nun erhielt er durch Redakteur Gunnar Hattesen selbst die Ehrung, die humorvoll auch als „nordschleswigscher Nobelpreis“ bezeichnet wird.

Seltenheitswert: Nordschleswig hat noch eine eigene Satirezeitschrift, nämlich „Æ Rummelpot“. „Nordschleswiger“-Chefredakteur Gwyn Nissen stellt die diesjährige Ausgabe vor.

Der „Rummelpot” ist mehr als nur ein Satiremagazin, das jedes Jahr rechtzeitig zum Weihnachtshandel erscheint. Es ist ein Stück nordschleswigsche Kulturgeschichte, das seit 1946 das Leben im südlichsten Teil Dänemarks humor- und liebevoll aufspießt.

Auch in der 79. Ausgabe des „Rummelpots” sind einige Themen voraussehbar: Das neue Königspaar in Gravenstein, die Ringreiter-Frokoste im Landesteil, das verregnete Tønder Festival oder die geschlossene Erwachsenen-Ausbildung VUC zum Beispiel. Spannend bleibt aber immer, wie der „Rummelpot” die Region aufs Korn nimmt.

Überdies gibt es zahlreiche Überraschungsthemen wie der Rumkugel-Bäcker-Meister aus Apenrade (Aabenraa), die deutschen Zuzügler-Familien in Nordschleswig oder den deutsch-dänischen Frauen-Achter der Rudervereine in Apenrade.

Die Deutschen und der „Rummelpot”

Zeichner und Nordi-Erfinder Stephan Nielsen hat in diesem Jahr sechs Zeichnungen beigesteuert.

Das Bild vom gemeinsamen Rudern hat Stephan Nielsen gezeichnet. Er lebt heute zwar in Roskilde stammt aber aus der deutschen Minderheit (und ist übrigens der Erfinder des „Nordschleswiger“-Maskottchens Nordi). Nielsen zeichnet schon seit vielen Jahren für den „Rummelpot” und gehört zu den produktivsten Zeichnern.

Die deutsche Minderheit kommt auch in diesem Jahr im „Rummelpot” vor. Neben dem besagten Ruder-Achter gibt es auch eine lustige „Liebes-Geschichte“ von Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei und seinem Vorgänger-Rivalen Henrik Frandsen (Moderate).

In den Anfangsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg war der Ton den Deutschen und der deutschen Minderheit gegenüber noch bissig und hasserfüllt. Heute gibt es schon mal satirische Streicheleinheiten im „Rummelpot“. So ändern sich die Zeiten im deutsch-dänischen Grenzland.

50 Jahre für den „Rummelpot” gezeichnet

Ole Weile hat 50 Jahre für „Æ Rummelpot“ gezeichnet – nun wurde er selbst mit dem Ehrenrummelpot geehrt.

Der Fokus gehört in diesem Jahr allerdings dem Zeichner Ole Weile. Der Apenrader Architekt ist schon zum 50. Mal dabei und durfte in seiner Jubiläums-Ausgabe neben dem königlichen Titelbild 17 weitere Zeichnungen machen.

Dafür erhielt er nun den Ehrenrummelpot, der an Persönlichkeiten geht, die für Nordschleswig etwas Besonderes geleistet haben. So war es auch in diesem Jahr in der Redaktion des „Rummelpots“ besprochen worden, wenn Weile dabei war. Aber vom Plan B seiner Kolleginnen und Kollegen wusste er nichts, dass er nämlich der diesjährige Preisträger ist.

„Du kennst die nordschleswigsche Volksseele und kannst sowohl die kleinen Alltagsgeschichten wiedergeben als auch die großen königlichen Ereignisse. Von dir porträtiert zu werden, ist ein Adelszeichen, wobei du nie den Menschen, sondern immer die Sache aufspießt“, sagt „Rummelpot“-Herausgeber Gunnar Hattesen, Redakteur von Gråsten Avis.

Er ist übrigens der sechste Redakteur des Satiremagazins, mit dem Ole Weile zusammenarbeitet.

Gelungene Überraschung

„Æ Rummelpot“ – das Satiremagazin – ist überall in Nordschleswig erhältlich: unter anderem in Supermärkten, im Kiosk, in Buchhandlungen – und kostet 120 Kronen.

„Damit habe ich jetzt nicht gerechnet – ich freue mich sehr über die Auszeichnung“, sagt Ole Weile, der sich in den Reigen bekannter Namen wie etwa Königin Ingrid oder Danfoss-Chef Jørgen Mads Clausen fügt.

Daher gibt es diesmal im „Rummelpot“ eben nicht nur Zeichnungen von Ole Weile signiert, sondern eben auch eine Zeichnung von Weile bei der Arbeit.

Eines bedauert Ole Weile allerdings: Die Politikerinnen und Politiker würden heute nicht mehr so viele Dummheiten machen wie früher, und dadurch sei es schwieriger geworden, gute Geschichten für das Satireheft zu finden, so der 75-Jährige mit der Auszeichnung, dem Keramik-Rummelpot von Künstlerin Vibeke Erlang Christensen aus Apenrade, in der Hand.

„Aber dann erfinden wir einfach was“, lacht Weile – beim „Rummelpot“ ist das nämlich im Namen des Humors erlaubt.