LIET INTERNATIONAL

„Das Lied drückt aus, wie sehr ich mich in Nordschleswig zu Hause fühle“

„Das Lied drückt aus, wie sehr ich mich in Nordschleswig zu Hause fühle“

„Das Lied drückt aus, dass Nordschleswig mein Zuhause ist“

Florian Schaaf
Florian Schaaf
Apenrade/Tondern
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Martin Hørløck in seinem Tonstudio Foto: Florian Schaaf

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Mit seinem selbst geschriebenen Song „Æ Nordschleswig-Lied“ repräsentiert Martin Hørløck die Region beim Songcontest für Minderheiten. Im Interview mit dem „Nordschleswiger“ erzählt er unter anderem, worum es in dem Lied geht, was ihm wichtig ist und wie er zur Musik gekommen ist.

Du bist als Sänger und Repräsentant für die Region Nordschleswig beim Liet-Songcontest nominiert. Wie kam es dazu?

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde Liet um zwei Jahre verschoben. Für 2020 gab es ursprünglich einen anderen Sänger. Aus mir unbekannten Gründen konnte der diesmal nicht, weshalb dann ich gefragt wurde. Ein Auswahlverfahren mit Konkurrenz gab es nicht. Natürlich habe ich nicht lange gezögert und gleich zugesagt.

Ich habe schon sehr viel Musik für die deutsche Minderheit gemacht, in ganz verschiedenen Kontexten. Von Feiern und Gottesdiensten bis zum Pub-Quiz in der Bücherei in Apenrade. Anscheinend habe ich einen guten Eindruck hinterlassen.

Liet International

Der Songcontest für Regional- und Minderheitensprachen wurde zum ersten Mal 2002 in Ljouwert/Leeuwarden in den Niederlanden ausgetragen. Das Festival tourt seit 2006 durch ganz Europa. Der Contest ist eines der größten Events zur Förderung von Regional- und Minderheitensprachen.

Ausrichter des Events ist der Bund Deutscher Nordschleswiger (Dachverband der deutschen Minderheit in Dänemark), der LIET in Kooperation mit Sydslesvigsk Forening und Friisk Foriining organisiert.

Datum: Freitag, 13. Mai, 19 Uhr

Ort: Schweizerhalle – Tønder Kulturhus, Ribe Landevej 39, 6270 Tønder

Tickets unter: https://v2.billetten.dk/index/eventdetails/eventno/101351

Martin Hørløck Foto: Martin Hørløck

Martin Hørløck

Alter: 28

Geburtsort: Flensburg, Deutschland

Wohnort: Aventoft, Deutschland

Beruf: Musiker

Ausbildung: Gesangsausbildung an der Kirchenmusikschule in Lügumkloster (Løgumkloster), Grundausbildung zum Glöckner inklusive Diplom und Solistenklasse auf dem Carillon

Warum möchtest du mitmachen? Was ist dir wichtig?

Zuerst einmal habe ich Spaß an der Musik. Nordschleswig repräsentieren zu dürfen hat sich dann angefühlt wie ein kleiner Orden. Ich fühle mich dort zu Hause.

Es war ein Lied in einer Minderheitensprache gewünscht. Deutsch, Platt und Sønderjysk sind die Sprachen, mit denen ich aufgewachsen bin. Mir ist wichtig, dass Minderheitensprachen erhalten bleiben. Sønderjysk ist aktuell so ziemlich am Aussterben.

Du trittst mit deinem Song „Æ Nordschleswig-Lied“, der auf Deutsch und Sønderjysk geschrieben ist, auf. Worum geht es dabei?

Ich habe erst sehr mit der Stilrichtung und Handlung gerungen, mich dann aber für Nordschleswig als Thema entschieden.

Das Lied drückt aus, wie sehr ich mich in Nordschleswig zu Hause fühle. Es geht auch um das Gemeinschaftsgefühl in der Region, was ich als sehr stark empfinde und weiter stärken möchte. Auch deutsch-dänische Grenzkultur ist ein Thema.

Ich wollte gerne ein Lied schreiben, das man in der Minderheit gerne hört. Eines, das man auf Partys mitsingen kann – oder mitgrölen, je nachdem wie spät es schon ist. Es ist dann ein klassischer Punk-Rock-Sound geworden.

In welchen Sprachen singst du sonst?

Üblicherweise auf Deutsch und Dänisch; manchmal auch auf Sønderjysk, Platt oder Englisch. Wenn ich in Sønderjylland auftrete, spiele ich immer mindestens ein Lied auf Sønderjysk.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Seit meinem dritten Lebensjahr spiele ich Klavier und seit dem 12. oder 13. Gitarre. Daran ist mein Urgroßvater schuld. Von einer Reise durch Deutschland hat er ein Klavier mitgebracht, das stand dann bei uns zu Hause in der Stube.

Ich habe mich schon früh dafür interessiert und darauf herumgeklimpert. Irgendwann meinte meine Mutter: Dann soll es sich wenigstens gut anhören. So bin ich zum Unterricht gekommen. Seitdem bin ich dabeigeblieben, 25 Jahre jetzt schon.

Wie bereitest du dich auf den Auftritt vor?

Die Vorbereitung läuft richtig gut. Den Text und die Musik habe ich selbst gemacht.

Da das Ganze aber ja live ist, musste ich erst mal jemanden finden, der das spielen kann. Es ist schwierig, Leute zu finden, die gut sind, Zeit und Lust haben. Das hat einige Zeit gedauert. Am Ende habe ich zwei Brüder aus einer alten Band von mir gefunden, einen Bassisten und einen Schlagzeuger. Ich selbst singe und spiele die Gitarre.

Wir proben aktuell mindestens einmal die Woche und spielen das durch.

Stehst du häufig auf der Bühne? Wie ist das für dich?

Seitdem ich klein bin, stehe ich regelmäßig auf der Bühne. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass ich mich da am wohlsten fühle. Ich bin absolut ein Bühnenmensch. Aufgeregt bin ich nicht mehr, ich habe nur noch Vorfreude. Je größer das Publikum, desto besser.

Was machst du, wenn du nicht gerade bei Liet auftrittst?

Mit der Musik habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Mein Hauptjob ist Partymusiker („Martin Musik“, Anm. d. Red.) in Deutschland und Dänemark.

Bis letzten Sommer habe ich sieben Jahre in Bredebro als Organist gearbeitet – mit Kinderchor, Altenheim und so weiter. Jetzt habe ich eine kleinere Stelle in Møgeltønder. Das nimmt nicht so viel Zeit in Anspruch, so kann ich mehr für „Martin Musik“ machen.

Neuerdings trete ich auch als Hochzeitssänger auf und arbeite als Gastglöckner, ich fahre sozusagen durch die Welt. Ab nächstem Schuljahr arbeite ich zusätzlich als Musiklehrer am Deutschen Gymnasium in Apenrade.

Seit 2017 studiere ich an der Uni Flensburg nebenbei Musik und Philosophie und spiele mit dem Gedanken, noch Kunst und Chemie mit reinzunehmen.

Langweilig wird mir selten, die Tage könnten gerne sechs Stunden mehr haben.

Wo bist du aufgewachsen, und wo lebst du jetzt?

Geboren wurde ich in Flensburg und aufgewachsen bin ich in Aventoft. Ich bin immer auf deutsche Schulen in Dänemark gegangen. Nordschleswig ist mein Zuhause.

Meine Mutter hat hier (in Aventoft, Anm. d. Red.) 1995 gebaut und ich habe oben meine eigene Wohnung. Das hat sich so ergeben, ich habe hier reichlich Platz für mich.

In Zukunft möchte ich gerne an die Ostküste ziehen und vielleicht selbst bauen. Ich habe keine eigene Familie, aber eine Freundin.

Worauf freust du dich mit Blick auf den Songcontest?

Ich freue mich auf den Moment, auf der Bühne zu stehen – wenn der Vorhang sich öffnet. Den Song und den Auftritt zu genießen. Das ist immer das Highlight bei der Musik.

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