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Junge Spitzen wollen mit nackter Haut Debatte über Kontrollen neu beleben

Junge Spitzen wollen Debatte über Kontrollen neu beleben

Junge Spitzen wollen Debatte über Kontrollen neu beleben

Nordschleswig/Kopenhagen
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Katharina Kley (l.) und Martina Lutz stellten den Kalender am Mittwoch in Kopenhagen vor. Foto: Harro Hallmann, BDN

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Mit einem Nacktkalender will die Jugendorganisation der Schleswigschen Partei erneut auf die Probleme, die die physischen Grenzkontrollen für den Alltag bedeuten, aufmerksam machen.

Für Aufsehen sorgten die Jungen Spitzen bereits im August bei den Aufnahmen für einen Nacktkalender an den Grenzübergängen.

„In Krusau gab es die meiste Aufmerksamkeit, das war schon recht lustig“, erzählt Vorstandsmitglied Martina Lutz bei der Präsentation des Kalenders im Sekretariat des Bundes Deutscher Nordschleswiger in Kopenhagen.

Jugendlicher Zugang zum Thema

Das Anliegen ist klar: Weg mit den Grenzkontrollen. Oder wie der Titel des Kalenders auf Dänisch lautet: „Strip Sønderjylland for grænsekontrollen“.

Auf jedem Kalenderblatt ist eine Kurzinformation über die Grenzkontrollen zu finden. Foto: Ute Levisen / Junge Spitzen

„Wir wollen die Debatte über die Grenzkontrollen neu aufleben lassen, und wir wollen dies gerne auf eine jugendliche und etwas lustige Art tun“, erläutert Katharina Kley, Vorsitzende der Jungen Spitzen.

Staus als tägliche Belastung

14 Jugendliche zwischen 18 und 22 Jahren wurden für den Kalender fast ohne Textil abgelichtet. Neben Mitgliedern der SP-Jugendorganisation sind auch Jugendliche aus der dänischen Minderheit in Südschleswig und Grenzpendelnde mit dabei. An zwölf Grenzübergängen präsentieren sie Slogans zu den Kontrollen.

So wirbt Victor am Grenzübergang Sieltoft (Siltoft) für „grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, Katharina für „friedliches Miteinander“ in Seth (Sæd), und Lasse und Louis protestieren an der Schusterkate (Skomagerhus) „gegen Symbolpolitik“.

Der Kalender kann für 100 Kronen gekauft werden. Foto: Ute Levisen / Junge Spitzen

„Wir sind gegen die physischen Grenzkontrollen, denn die immer wiederkehrenden Staus sind eine große Herausforderung im Alltag – gerade auch für uns Jugendliche“, so Kley.

Ressourcen

„Außerdem ist es eine große Ressourcenverschwendung, 300 Vollzeitstellen dafür zu verwenden. Die Polizeikräfte könnte man sinnvoller einsetzen“, ergänzt Lutz.

Am Dienstag sprach sich der Vorsitzende der Schleswigschen Partei, Rainer Naujeck, gegenüber Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) erneut gegen die physischen Grenzkontrollen aus.

„Die deutsche Minderheit ist nicht gegen Grenzkontrollen, sondern gegen die Art und Weise, wie sie durchgeführt werden“, sagte er.

„Am liebsten keine Kontrollen“

Kley bestätigt, dass auch die Jugendorganisation vor allem gegen die Kontrollen in der jetzigen Form ist, aber: „Am liebsten wären uns gar keine Grenzkontrollen, aber wir verstehen natürlich, dass Grenzkontrollen aus Sicherheitsgründen auch einen Sinn ergeben.“

Im Kalender heißt es: „Wir sind jung, wir glauben an die Zukunft. Wir glauben an Entwicklung. Die Grenzkontrollen mit Stoppschildern, Bremsschwellen und Beamten hingegen symbolisieren Stillstand und Abschottung.“

Neue Verlängerung

Am 14. Oktober hat Justizminister Mattias Tesfaye (Soz.) der EU-Kommission mitgeteilt, dass Dänemark die Kontrollen per 22. November um weitere sechs Monate verlängern wird.

„Die Entscheidung wurde getroffen, um der Migrationssituation im Schengen-Raum sowie der erheblichen Bedrohung unserer öffentlichen Ordnung und inneren Sicherheit durch Terroristen und organisierte Kriminelle, die die Freizügigkeit im Schengen-Raum ausnutzen können, wirksam zu begegnen“, heißt es in dem Schreiben an die EU-Kommissarin für Inneres, Ylva Johansson.

Katharina Kley und Martina Lutz meinen, die Polizeikräfte könnten sinnvoller für eine Abwehr von Terror eingesetzt werden. Foto: Walter Turnowsky

Junge Spitzen hinterfragen den Nutzen

Tesfaye äußerst die Befürchtung, dass Terroristen sich unter Geflüchtete aus der Ukraine mischen könnten. Kley will das Argument jedoch nicht als Grund für Grenzkontrollen gelten lassen.

„Natürlich verstehen wir, dass die Situation ernst ist, und dass man daher Angst vor solchen Bedrohungen hat, aber wir sehen nicht, dass die physischen Grenzkontrollen dazu beitragen, solche Bedrohungen außer Landes zu halten. Um sie abzuwehren, könnten die 300 Vollzeitstellen besser eingesetzt werden“, meint die Vorsitzende der Jungen Spitzen.

Die Jungen Spitzen verkaufen den Kalender für 100 Kronen.

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