Gesetzesvorlage

Gottesdienste künftig nur noch mit Übersetzung in Dänisch

Gottesdienste künftig nur noch mit Übersetzung in Dänisch

Gottesdienste künftig nur noch mit Übersetzung in Dänisch

Helge Möller/Walter Turnowsky
Kopenhagen/Nordschleswig
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In der Sankt Petri Kirche in Kopenhagen wird seit Jahrhunderten auf Deutsch gepredigt. Foto: Thomas Lekfeldt/Ritzau Scanpix

29 Jahre nach dem Tode des Reformators Martin Luther, wurde 1575 die deutsche Gemeinde in Kopenhagen gegründet. Seitdem wird dort der Gottesdienst auf Deutsch gehalten. Wird ein Gesetzesvorhaben der sozialdemokratischen Regierung dieser langen Tradition ein Ende setzen?

Die dänische Regierung hat kürzlich ihre Gesetzesvorhaben für das Parlamentsjahr 2020/21 veröffentlicht. Ein Vorhaben könnte für die deutsche Minderheit Bedeutung erlangen, und dies wird auf Seite 29 genannt. Dort, auf nur einer Seite, stehen sämtliche vier Gesetzespunkte des Kirchenministeriums, die die sozialdemokratische Regierung im laufenden Parlamentsjahr durchsetzen will. Der letzte Punkt ist in diesem Fall der entscheidende: Gesetz über Predigen in einer anderen Sprache als Dänisch.

Das Ziel des Gesetzesvorschlages ist, die „Transparenz religiöser Verkündungen und Predigten in Dänemark zu vergrößern, wenn diese in einer anderen Sprache als Dänisch gehalten werden“ (Lov om prædikener på andre sprog end dansk (Feb II) Formålet med lovforslaget er at skabe større åbenhed om religiøse forkynderes prædikener i Danmark, når de prædiker på andre sprog end dansk). Die Regierung will damit Predigten, in denen zu Hass, Intoleranz und Gewalt aufgerufen wird, eindämmen.

Nur mit Übersetzung

Diese recht vage gehaltenen Zeilen sollen dahingehend interpretiert werden, dass Predigten und Verkündungen in Dänemark auf Dänisch gehalten werden müssen, sollte der Gesetzesvorschlag Wirklichkeit werden. Werden sie in einer anderen Sprache gehalten, müssen dänische Übersetzungen angefertigt und diese zugänglich gemacht werden. Dies erschließt sich aus einer Antwort von Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) auf eine Frage des färöischen Abgeordneten Sjúrður Skaale (Javnaðarflokkurin).

Was würde Dänemark sagen, wenn Deutschland Predigten auf Dänisch verbieten würde?

Rajah Scheepers, Pastorin der deutschen Gemeinde in Kopenhagen

Das Kirchenministerium teilt auf Anfrage des „Nordschleswigers“ mit, dass es diesen Gesetzesvorstoß gebe, doch sei Konkretes nicht vor Februar zu erwarten, eventuell später, so ein Sprecher. Das Ministerium weiß aber auch um die Vorgabe, die Predigt auf Dänisch zu halten.

Gelassenheit bei der Minderheit

Der dänische Gesetzesvorstoß schaffte es auch in die deutsche „taz“. In der Zeitung ist Frederik Waage, Verfassungsexperte und Professor für Rechtswissenschaft der Süddänischen Universität, der Auffassung, dass es verfassungswidrig wäre, eine ganze Kirchengemeinde oder nationale Minderheit von der Regel auszunehmen.

Harro Hallmann, Leiter des Sekretariats der deutschen Minderheit in Kopenhagen, sieht das anders.

„Ich bin nicht wirklich beunruhigt“, sagt Hallmann mit Blick auf die Rechte der Minderheit. Man sei bereits im Dialog mit der Regierung. Er ist überzeugt, dass die deutsche Minderheit von dieser Regel ausgenommen wird.

Matthias Alpen, Senior der Nordschleswigschen Gemeinde und Pastor für den Pfarrbezirk Lügumkloster, ist ähnlicher Ansicht.

Er betrachtet die Angelegenheit mit großer Gelassenheit. „Das ist für uns nicht relevant. Wir haben das verbriefte Recht, unseren Gottesdienst auf Deutsch abzuhalten – die Sprache der deutschen Minderheit.“

Er vermutet, dass die Minderheitenthematik in Kopenhagen nicht bedacht worden ist. Er verweist darauf, dass seit 100 Jahren der dänische Staat der Minderheit zugesteht, den Gottesdienst auf Deutsch zu halten.

Zum ersten Mal hat Matthias Alpen von dem Gesetzesvorschlag in den Herbstferien gehört, da wurde er von einem Journalisten der „taz“ angerufen. Nun beschäftigen sich auch die Bischöfe nördlich und südlich der Grenze mit dem Thema.

Kein Versprechen von Frederiksen

Staatsministerin Frederiksen will zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keine Ausnahmen garantieren.

„Nein, das kann ich nicht versprechen“, antwortet sie auf die Frage von Skaale, ob dänische Bürger färöischer Herkunft weiterhin an Gottesdiensten in ihrer eigenen Sprache ohne Übersetzung teilnehmen können.

„Ich empfinde Respekt und Sympathie dafür, dass in Dänemark auf Färöisch gepredigt wird, und es hat meines Wissens nie in diesem Zusammenhang Probleme gegeben.“

Dies sei bislang auch bei anderen Glaubensgemeinschaften nicht der Fall gewesen.

„Da, wo wir in Dänemark ein Problem haben, das ist beim islamistischen Terror, dem radikalisierten Islamismus, der wiederum schuld daran ist, dass in Europa Menschen ermordet werden“, so Frederiksen.

Die Pastorin der deutschen Gemeinde in Kopenhagen, Rajah Scheepers, hofft auf eine Lösung für ihre Gemeinde. Foto: Die deutschsprachige Gemeinde in der Dänischen Volkskirche

Pastorin in Kopenhagen ist beunruhigt

In der deutschen Sankt-Petri-Gemeinde in Kopenhagen werde seit 1575 in deutscher Sprache gepredigt, erinnert Pastorin Rajah Scheepers.

Sie sei „schon ein wenig beunruhigt“, ob das vom damaligen dänischen König zugestandene Recht nun bald nicht mehr gelten soll und die deutsche Sprache die St. Petri Kirche in der Hauptstadt verlassen muss. „Die Sprache der Reformation“, gibt sie zu bedenken und weist auf den Umstand hin, dass ihre Gemeinde Teil der dänischen Volkskirche ist.

„Wir sprechen Deutsch, das ist unsere Identität, und wir sind integriert“, sagt sie. Als Berlinerin habe sie Gottesdienste in ihrer alten Heimat in dänischer oder schwedischer Sprache immer als Bereicherung empfunden.

„Was würde Dänemark sagen, wenn Deutschland Predigten auf Dänisch verbieten würde?“, fragt sie.

12.31 Uhr aktualisiert. Jahreszahlen sind korrigiert worden.

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