Dokumentation

„Deutsch-Dänische Freundschaftserklärung“

Deutsch-Dänische Freundschaftserklärung

Deutsch-Dänische Freundschaftserklärung

Auswärtiges Amt/D und Außenministerium/DK
Kopenhagen/Berlin
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Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) und sein dänischer Amtskollege Jeppe Kofod (Soz.) haben am Dienstag eine Deutsch-Dänische Freundschaftserklärung vorgestellt. „Der Nordschleswiger“ veröffentlicht sie hier in voller Länge.

Im Jahr 1920 wurde die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark durch Volksabstimmungen festgelegt. 100 Jahre später feiern wir die engen und freundschaftlichen Beziehungen, die sich zwischen unseren Ländern und zwischen den Menschen seitdem entwickelt haben, mit dem Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahr.

Unsere gemeinsame Grenze hat einen besonderen Charakter: Vor 100 Jahren trennte sie Menschen voneinander und schuf Minderheiten in beiden Ländern. Heute verbindet sie uns. Die beiden Minderheiten – die deutsche Minderheit in Dänemark und die dänische Minderheit in Deutschland – sind seit vielen Jahrzehnten positive Antriebskräfte für die Entwicklung in der Grenzregion und weit darüber hinaus.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass unsere bilaterale Beziehung so gut gedeihen konnte. Sie ist auf visionäre Entscheidungen und ein aufrichtiges Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Deutschen und Dänen zurückzuführen, fest verankert in der europäischen Wertegemeinschaft. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 legten Grundsätze für den Schutz der Minderheiten fest und waren eine entscheidende Wegmarke der Entwicklung der engen Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark insgesamt.

Seitdem hat die Grenzregion eine nachhaltig positive Entwicklung genommen. Dies ist in hohem Maße dem großen Engagement des Landes Schleswig-Holstein, der Gemeinden in Nordschleswig, der Region Süddänemark sowie einer Vielzahl engagierter Akteure in der Region zu verdanken, darunter nicht zuletzt den Minderheiten. Die Erfolgsgeschichte des Zusammenlebens im deutsch-dänischen Grenzland, wo aus einem Gegeneinander ein Miteinander und schließlich ein Füreinander geworden ist, dient als Modell für Grenzregionen in Europa und in der Welt. Darauf sind wir stolz. Wir werden diese Freundschaft gemeinsam pflegen und weiterentwickeln. Dazu gehört auch, dass wir die gemeinsame Bewerbung um eine Anerkennung des deutsch-dänischen Minderheitenmodells in die Liste des immateriellen UNESCOWeltkulturerbes mit Nachdruck unterstützen. Aufbauend auf eine inzwischen über 40 Jahre währende Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeeres symbolisiert auch die Anerkennung des Wattenmeeres als gemeinsames UNESCO-Weltnaturerbe im Jahre 2014 dieses erfolgreiche grenzüberschreitende Engagement.

Seit 1991 fördert die EU mit Interreg-Regionalhilfen grenzüberschreitende Projekte, in denen regionale Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft über die Staatsgrenze hinweg zusammenarbeiten. Um die enge Zusammenarbeit in der Grenzregion in Zukunft noch weiter auszubauen, wollen wir gemeinsam mit den regionalen und lokalen Verantwortlichen in den nächsten Jahren besonders daran arbeiten, Bildungschancen zu sichern, den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zukunftsfähig zu gestalten, das Wachstums- und Innovationspotenzial der Wirtschaft weiter zu entwickeln und die kulturelle Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit und den Dialog zur Bewahrung unserer einzigartigen Natur weiter zu vertiefen.

Die deutsch-dänische Zusammenarbeit geht aber auch weit über die Grenzregion hinaus. Sie erstreckt sich über alle deutschen Länder und dänischen Regionen. Infrastruktur, starke Handelsbeziehungen und enge kulturelle Verflechtungen verbinden Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen unserer Nationen. Mit der festen Fehmarnbelt-Querung stellen wir eine neue Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen unseren Ländern her. Dieses Infrastrukturprojekt wird ein wichtiger Bestandteil des europäischen Verkehrsnetzes der Zukunft sein und damit nicht nur Deutschland und Dänemark, sondern auch Skandinavien und Mitteleuropa näher zusammenbringen.

Wir werden unsere Beziehungen in Zukunft gemeinsam weiter stärken – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Dabei stehen Deutschland und Dänemark auf dem starken Fundament der europäischen Wertegemeinschaft und sind enge Partner in der EU-Zusammenarbeit. Gemeinsam stehen wir vor völlig neuen Herausforderungen. Gemeinsam wollen wir dafür zukunftsorientierte Lösungen erarbeiten. Gemeinsam wollen wir die Europäische Union aktiv mitprägen und uns dabei weiterhin für ein starkes und solidarisches Europa einsetzen.

Deutschland und Dänemark sind sich darin einig, den guten politischen Dialog und die Zusammenarbeit als EU-Partnerländer weiter auszubauen. Unser Ziel ist es, gemeinsam zur dauerhaften Überwindung der COVID-19-Pandemie sowie zur wirtschaftlichen Erholung Europas beizutragen. Wir treten für ein innovatives, sicheres, gerechtes und nachhaltiges Europa ein, das den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist. Wir sind überzeugt, dass Lösungsansätze aus der deutsch-dänischen Wirtschaft und unsere Forschungseinrichtungen dazu wichtige Beiträge leisten können. Gemeinsam wollen wir insbesondere daran arbeiten, eine ehrgeizige Klimapolitik im Rahmen des Pariser Abkommens in die Tat umzusetzen, sowohl in der EU als auch weltweit. Bereits jetzt ist unsere Zusammenarbeit beim Ausbau erneuerbarer Energien beispielhaft, etwa im Bereich Offshore-Wind in der Nord- und Ostsee. Auch die Zusammenarbeit zum Schutz und zur Erhaltung des Weltnaturerbes Wattenmeer wollen wir nicht zuletzt im Rahmen der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit weiter stärken. Im digitalen Bereich wollen wir europäische Lösungen in Bereichen wie eGovernment, künstliche Intelligenz und Daten voranbringen, um die Position Europas in der Welt im digitalen Zeitalter zu bekräftigen.

Die deutsch-dänische Interessen- und Wertegemeinschaft hat uns zu engen Partnern in der EU sowie in zahlreichen internationalen Organisationen und Foren gemacht, wie etwa den Vereinten Nationen, der NATO oder dem Europarat. Wir setzen uns gemeinsam für Rechtsstaatlichkeit, Multilateralismus und eine regelbasierte internationale Ordnung ein. Wir teilen die Ambitionen einer EU, die eine größere internationale Verantwortung in den Vereinten Nationen übernimmt, auch in Bezug auf die WHO und die Bemühungen zur Stärkung der globalen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich. Wir sind uns einig, dass Rüstungskontrolle und Abrüstung für unsere gemeinsame Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind, und wir werden zusammenarbeiten, um die europäische Sicherheitsarchitektur und das internationale System zur Rüstungskontrolle und Abrüstung zu stärken. Wir wollen gemeinsam den Fokus auf klimabezogene Sicherheitsrisiken erhöhen und werden weiterhin eng bei der Stabilisierung und Konfliktprävention kooperieren, vor allem in Afrika. Basierend auf der Erfolgsgeschichte unseres Grenzgebietes werden wir unser Engagement für die Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten weltweit fortsetzen. Dabei können wir uns auch auf die Arbeit des European Centre for Minority Issues stützen, das von Deutschland, Dänemark und dem Land Schleswig-Holstein seit 1996 gemeinsam getragen wird.

Zur Weiterentwicklung unserer Zusammenarbeit in der Europa-, Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik verständigen wir uns darauf, künftig regelmäßige Konsultationen auf Ebene unserer Staatssekretäre sowie der Europadirektoren durchzuführen.

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