Energiepolitik

Mega-Solarparks: Dorfbewohner machen sich Sorgen

Mega-Solarparks: Dorfbewohner machen sich Sorgen

Mega-Solarparks: Dorfbewohner machen sich Sorgen

Bollersleben/Bolderslev
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Wie viele Solaranlagen vertragen Menschen, Tiere und Natur? Diese Frage beschäftigt den Bollerslebener Bürgerverein (Archivfoto). Foto: Ute Levisen

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Fotovoltaikanlagen sind wichtig für die Energiegewinnung und für die grüne Umstellung. Man darf aber nicht ganze Orte mit kommerziell betriebenen Solarparks zupflastern, findet der Bürgerverein aus Bollersleben. Er hat ein Sorgenschreiben an die Kommunalpolitikerinnen und -politiker geschickt. Was sagt die SP dazu?

Es muss alles sein Maß haben, wenn Investoren Fotovoltaikanlagen auf Feldern errichten. Das ist der Leitsatz des Bürgervereins in Bollersleben.

In der Kommune Apenrade (Aabenraa) sind in den vergangenen Jahren und Monaten etliche Solarparks entstanden. Interesse gibt es für viele weitere Megaanlagen – Tendenz offenbar steigend.

Im Raum stehen laut Bollerslebener Bürgerverein unter anderem große Vorhaben, die nahezu das gesamte Kirchspiel Bjolderup mit Solarpaneelen abdecken würden.

Vor diesem Hintergrund hat der Bürgerverein ein Sorgenschreiben an die Politikerinnen und Politiker der Kommune Apenrade geschickt.

Zumutbarer Umfang

Man solle doch bitte gut überlegen, wie viele Solaranlagen man Menschen, Umwelt und Kulturhistorie zumuten kann, und wie viel Landwirtschaftsfläche dafür geopfert werden soll, so der Tenor.

Vorfragen für große Fotovoltaikflächen gibt es auch in anderen Gebieten im Südwesten der Kommune.

„Im Prinzip stimmen wir darin überein, dass wir als Gesellschaft die grüne Umstellung unterstützen müssen. Einen Industrie-Solarpark zu errichten, der im Grunde genommen die gesamte Kirchengemeinde Bjolderup abdeckt, wäre allerdings schädigend für Umwelt, Kultur, Niederlassung und Landdistriktentwicklung. Wir erleben zunehmend, dass kommerzielle Interessen die gesellschaftlichen Herausforderungen verdrängen“, heißt es im Schreiben des Bürgervereins um dessen Vorsitzenden Henning Frisk.

Wenn Solarparks auf dem Land genehmigt werden, sollten sie 10 Prozent der Gesamtfläche nicht übersteigen und maximal zwischen 20 und 40 Hektar groß sein. Zudem sollten ausreichend Abstände zu Wohnhäusern vorgeschrieben sein, so ein weiterer Ansatz.

Ortschaften bitte schützen

„Wir fordern die Volksvertreter der Kommune Apenrade auf, für einen Energieplan zu arbeiten, der einzelne Ortschaften und Landdistrikte nicht zerstört“, lautet der Appell an die Politik.

Die befasst sich seit geraumer Zeit mit einem neuen Energieplan, der unter anderem Kriterien und Umfang für die künftige Errichtung von Wind- und Solaranlagen festlegt.

Auf der Tagesordnung steht allerdings auch der Klimaplan mit dem Ziel, den CO2-Ausstoß sukzessive zu verringern und spätestens 2050 eine 100-prozentige Reduzierung zu erreichen. Dafür bedarf es regenerativer Energiegewinnung wie Fotovoltaik und Windräder.

„Wir sind uns der Herausforderungen bewusst“, sagt Erwin Andresen, Stadtratspolitiker der Schleswigschen Partei (SP).

Während sein Partner der zweiköpfigen SP-Stadtratsfraktion, Kurt Asmussen, skeptisch und noch zurückhaltend ist, was Solarparks angeht, befürwortet Erwin Andresen im Hier und Jetzt Solaranlagen, um die gesteckten Klimaziele und die grüne Umstellung zu erreichen.

Bürgerinnen und Bürger einbeziehen

Allerdings dürfe es nicht bedingungslos und maßlos geschehen, schränkt auch Erwin Andresen ein.

„Ganz entscheidend ist nach unserer Auffassung das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger in der Nähe von großen Solarfeldern. Es darf nicht über deren Köpfe hinweg geschehen“, sagt der SP-Politiker.

Das habe bei einigen großen Solarprojekten bislang gut funktioniert, so Andresen.

Als optimal sehe er es an, wenn Anrainer und Ortsgemeinschaften an der Energiegewinnung beteiligt werden. „Ähnlich, wie man es von den Bürgerwindparks in Deutschland kennt. Das schafft eine andere Akzeptanz und würde die Umsetzung von Solarplänen erleichtern.“

Ganz entscheidend ist nach unserer Auffassung das Einbeziehen der Bürgerinnen und Bürger in der Nähe von großen Solarfeldern. Es darf nicht über deren Köpfe hinweg geschehen.

Erwin Andresen

Nur dieses Modell wählen könne man aber auch nicht. „Wenn jeder auf ein Einspruchsrecht pocht, kommt man nicht weiter. Es ist und bleibt Abwägungssache“, sagt Andresen.

Bei der grünen Umstellung müsse es Kompromissbereitschaft geben.

Solarpläne nicht verteufeln

Sollten Landwirte mit dem Gedanken spielen, Areale an Investoren mit Solarplänen abzutreten oder eigene Projekte umzusetzen, sei es ihr gutes Recht, betont Erwin Andresen. Man dürfe es ihnen nicht verübeln.

Die Frage sei dann allerdings, wie die Kommune das Vorhaben bewertet und für wie viel Fläche gegebenenfalls eine Genehmigung erteilt wird.

„Das ist Teil des politischen Prozesses, in dem wir uns befinden. Es geht um Kriterien für die Errichtung von Solaranlagen und um den Umfang“, so Erwin Andresen.

Auch er sei gegen ein maßloses Aufstellen von Fotovoltaikanlagen, sehe in dieser Energiegewinnung aber einen wichtigen Beitrag für die grüne Umstellung.

„Die Kommune Apenrade hat Potenzial“, so der SP-Mann in Anspielung an die Geografie der Kommune. Sie ist von der Fläche her verhältnismäßig groß, mit dünn besiedelten Gebieten.

Die Gretchenfrage bleibt auch vor diesem Hintergrund, wie viel Solarfläche man Mensch und Natur zumuten kann und will.

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