Landwirtschaftlicher Hauptverein

Am Freitag verlässt der LHN-Direktor den Chefsessel

Am Freitag verlässt der LHN-Direktor den Chefsessel

Am Freitag verlässt der LHN-Direktor den Chefsessel

Tingleff/Tinglev
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LHN-Direktor Tage Hansen wird am Freitag verabschiedet, dem LHN bleibt er aber treu. Foto: Karin Riggelsen

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Was Tage Hansen nach 15 Jahren an der Spitze des LHN vorhat und wie er auf die Zeit als Direktor zurückblickt – das hat er dem „Nordschleswiger“ verraten.

15 Jahre lang hat Tage Hansen als Direktor die Geschicke des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN) gelenkt. Am Freitag wird er als Direktor feierlich verabschiedet. Wer seine Nachfolge antritt, das steht noch nicht fest, für Tage Hansen sind jedoch zwei Sachen klar: Er wird weiterhin in anderer Position und mit verminderter Stundenzahl dem LHN zur Verfügung stehen. Und er wird endlich mehr Zeit mit seiner Frau, den Kindern und Enkelkindern verbringen und auch in der Natur, wo er sich so gern aufhält. „Ich wohne ja in Kolding, dort gibt es eine Menge schöner Küstenstrecken“, dann noch die Stadt und die Koldingau. Da gibt es einiges zu erwandern.

Das vergangene Wochenende wurde turbulent: „Zwei meiner Enkelkinder spielten in einem großen Handballturnier in Sonderburg, und meine Familie und ich feierten am Sonntag meinen 65. Geburtstag am Spielfeldrand, wo Carolina, unser ältestes Enkelkind, im Finale stand“, berichtet Hansen.

In kurzer Zeit steht für den dann ehemaligen Direktor das „Projekt Haus“ auf dem Programm. „Da warten einige Dinge, die ein wenig Zeit verlangen, unter anderem die Erweiterung einer Terrasse.“

Sommer ohne Planen

Doch im Sommer ist mit dem Planen erst einmal Schluss. Er wolle es zusammen mit seiner Frau, die weiterhin arbeitet, langsam angehen lassen und schauen, was sie in Zukunft machen können. „Es gibt so viele Betätigungsfelder, wir überlegen, unter anderem, ob wir zum Beispiel Älteren oder auch jungen Menschen helfen können. Aber auch die Natur kann immer eine helfende Hand gebrauchen, und hoffentlich wird es viel mehr Zeit mit den Kindern und Enkelkindern geben. Das wird sich zeigen“, sagt Hansen.

Tage Hansens Sprichwort

Wenn Tage Hansen abends nach der Arbeit wieder zu Hause ankam, hatte er 145 Kilometer Hin- und Rückweg von Kolding nach Tingleff (Tinglev), dem Sitz des LHN, hinter sich gebracht. Er sagt: „Ich habe ein kleines Sprichwort über meine Arbeit: Solange ich jeden Tag gerne nach Tingleff fahre, und solange ich jeden Tag etwas Positives mit nach Hause bringen kann, bin ich am richtigen Platz.“

Seinen Worten nach sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die absolut wichtigste Ressource des LHN. Gute Mitarbeiter seien immer eine knappe Ressource gewesen, und deshalb seien gute Rahmenbedingungen sehr, sehr wichtig. „Loyalität, Persönlichkeit und Wissen sind die Schlüsselwörter. Das haben unsere Mitglieder und Kunden längst entdeckt.“

Loyalität, Persönlichkeit und Wissen sind die Schlüsselwörter. Das haben unsere Mitglieder und Kunden längst entdeckt.

Tage Hansen, LHN-Direktor

Kritischer Schwund an Mitarbeitenden

Das sei nicht immer so gewesen, erinnert sich Tage Hansen. Bevor er als Direktor eingesetzt wurde, hatte der LHN eine schwierige Zeit, mit vielen Kündigungen unter den Mitarbeitern. „Erst nach eineinhalb Jahren waren wir wieder vollzählig", erinnert sich der Direktor und resümiert: „Als kleiner Landwirtschaftsverein wird es kritisch, wenn zu viel Wissen auf einmal verloren geht.“ Für ein Unternehmen, das Geld mit Beratung verdient, ist Fachwissen essenziell. Im weiteren Verlauf seiner Zeit als Chef hat er nach eigenen Worten darauf geschaut, dass Wissen im Unternehmen geteilt wird.

Als kleiner Landwirtschaftsverein wird es kritisch, wenn zu viel Wissen auf einmal verloren geht.

Tage Hansen, LHN-Direktor

Heute sei der LHN ein modernes Unternehmen, so Tage Hansen und ist, so klingt es, auch ein wenig stolz darauf, was der LHN kann. „Mit der einzigartigen Platzierung direkt im Grenzland und mit guten Verbindungen über die Grenze hinweg nach Schleswig-Holstein kann man das Beste von beiden Seiten in die Beratung einarbeiten“, meint Tage Hansen.

Weniger Landwirte, größere Betriebe

Eine Entwicklung, die er beobachtet hat, und von der seiner Aussage nach Schleswig-Holstein derzeit noch mehr betroffen ist als Dänemark, ist der Schwund an selbstständigen Landwirten. „3 bis 4 Prozent geben jedes Jahr in Dänemark auf, in Schleswig-Holstein sind es mehr“, so Hansen.

Um zu überleben, müssten Betriebe immer größer werden. Verteufeln oder schönmalen will er die Entwicklung nicht. Das sei ein recht natürlicher Vorgang, meint er. Arbeitnehmer zögen große, modern und professionell geführte Höfe vor. Hinzu kämen immer neue Regeln seitens des Gesetzgebers. Da würden Landwirte aufgeben. Hansen erwartet in Schleswig-Holstein jetzt im Jahresdurchschnitt ein größeres Höfesterben als in Dänemark, weil sich dort die Gesetzeslage in kurzer Zeit geändert habe und mehr Landwirte der Gesamtentwicklung nicht mehr folgen könnten.

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