Kultur

Baroque’n’roll und Männer in Wolfsgruben

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Zu Livemusik der Nordic Baroque Band führten Anne Sillasen und Jorgen Schou-Pedersen von „La Belle Danse“ Hof- und Theatertänze auf. Foto: Gesche Picolin

Telemann, Mendelssohn Bartholdy, Bach, Bach, Bach und als Zugabe ein Gárdonyi: Das Barockfestival zeigte sich flexibel.

„Es war eine große Freude, am diesjährigen Apenrader Barockfestival teilzunehmen. Es ist gut organisiert, es ist anders und wundervoll uneitel. Ich hoffe, diese kleine Perle von einem Festival kann weiterhin eine gehörige Kulturstütze erhalten. Sodass es noch viele Jahre weitermachen kann“, äußerte sich Poul Høxbro, Flötist und Geschichtenerzähler zum 3. Apenrader Barockfestival, das am Wochenende vom Stapel lief. Das Gratis-Festival lebt vom Zuschuss der Kirchengemeinde sowie der Kommune (durch den Kulturrat).

In Høxbros gesammelten „saftigen Erzählungen“ spielt immer die Musik eine Rolle, durch die mal Mensch, mal Wolf und mal der Teufel selbst beschwört wird. Er eröffnete das Festival im Hof von Marcussen & Søn.

Nordischer Baroque’n’roll

Als Zuschauer war Høxbro Feitagabend dann im Nygadehus, ein, wie er sagt „Extrabonus, den munteren Abend mit der herrlichen „Nordic Baroque Band“ miterleben zu dürfen.“ Denn hier wurde im vollem Spiloppen mit großem Spaß an der Sache Pub-Stimmung geschaffen. Die Band gab, wie sie es nennt, „Baroque’n’roll“. Drei schwedische und drei dänische Musiker spielten auf Barockinstrumenten beziehungsweise deren Kopien. Nur Mogens Damms (Organist in der Jürgenskirche) Cembalo war zuhaus geblieben. Er begnügte sich, wie er sagte, „,heute mit dem kleinen Roten“, einem Casio Keybord mit Cembalo-Einstellung. Gastbariton Patrik Sandin begeisterte unter anderem mit deutschsprachigem Gesang.

Die Nordic Baroque Band trat durchaus szenisch auf: Gleich zu Beginn etwa wurde eine Battaglia, eine Schlacht, nachgestellt. Das schwedische Cello (Magnus Malmros) drohte mit dem Bogen in Richtung der Dänen, die dänische Flöte (Monica Schmidt Andersen) bezirzte lebhaft zurück. Zu der bekannten Volksmelodie „Greensleeves“ führten drei der vier Herren der Band einen Ringelreihen auf. Beiderlei gibt es übrigens als Musikvideo auf deren Internetseite. Das mäßig kalte Pub-Bier tat sein Übriges, dass sich das Publikum zum Mitsingen erwärmen ließ.

Großwildjagd auf drei Orgeln

Die Orgelsafari am Sonnabend wurde ein Abenteuer: In der Kirche zu Hohe Kolstrup begann der Niederländer Eeuwe Zijlstra seine Tournee durch die Apenrader Kirchen. Er gab vorallem Bach zum Besten, das Publikum war speziell betört vom Schluss, Pièce d’Orgue, BWV 663. Weiter ging es nach 40 Minuten. Olav Oussoren, Organist in Hohe Kolstrup: „Wir sehen uns in der Jürgenskirche. Keine Sorge, wir fangen nicht an, bevor nicht alle da sind.“ Oussoren fuhr den Kollegen herum, der unterdessen bei seinem mehrstündigen Ganzkörpereinsatz das Hemd wechselte.

Ihm zur Seite stand während der Safari als zuverlässige „dritte Hand“, Sarah Arnkjær vom Kirchengemeinderat, die rechtzeitig die Noten wendete. Als Zugabe spielte Zijlstra in der Nicolaikirche eine jazzige Mozart-Variation: Ein Werk des Zeitgenossen Zsolt Gárdonyi aus dem Jahr 1995, das auch auf einer Hammondorgel zuträglich gewesen wäre.

Am Abend war die Nordic Baroque Band wieder gefragt: Diesmal hatte Damm sein eigenes Cembalo mit in die Kirche nach Hohe Kolstrup gebracht, die sechs Musiker waren fein herausgeputzt, denn es sollte zum Tanz aufgespielt werden. Anne Sillasen und Jørgen Schou-Pedersen von „La Belle Danse“ zeigten Originaltänze aus früheren Zeiten. Und sie ermutigten die etwa 100 Anwesenden zum Selbertanzen. Der Pistolentanz wurde ein großer Spaß, der nachfolgende erforderte noch einmal mehr Koordination von den Tanzenden. Eine schöne Erfahrung war es für die Zuschauer, als die erlernten Bewegungen mit der Musik zusammenspielten. Und man dem Nachbarn im Tanz die Hand gegeben hat.

Das also war die dritte Auflage des kleinen, aber feinen Apenrader Barockfestivals, auf das hoffentlich noch viele weitere folgen werden. Nun ist es, mit drei Malen, schließlich Tradition geworden.

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