Kulturkommentar

„Urlaubsaufgabe: Nichtstun“

Urlaubsaufgabe: Nichtstun

Urlaubsaufgabe: Nichtstun

Apenrade/Aabenraa
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Ein Kulturkommentar von Claudia Knauer, Büchereidirektorin des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig.

Wir Menschen sind richtig gut darin zu versuchen, alles Mögliche möglichst gleichzeitig und in immer kürzerer Zeit zu erledigen.

Das gilt auch im Urlaub. Keine Party ohne uns. Kein Freizeitpark, der unbesucht bleiben darf und dabei dann ein schickes Bild für Instagram machen – Facebook benutzt nur noch die ältere Generation, wie bei den jüngsten Abiturfeiern hervorragend zu beobachten war.

Während die stolzen Eltern ihren Filius oder ihre Filia auf Facebook präsentieren, zeigen die Geehrten ihren neuen Status als „student“ (dänisch) oder „Abiturient“ (deutsch) auf Instagram und Snapchat an. Aber das nur am Rande. Alle aber verbindet, dass der Spaß ein bisschen verlorengeht, wenn der Zeit- und Erwartungsdruck zu groß wird.

Deshalb ist jetzt – mal wieder (manche Kommentare sind eigentlich recyclebar – aber keine Sorge, der hier ist frisch geschrieben) – der ideale Zeitpunkt, sich für die Urlaubszeit etwas vorzunehmen.

Es geht darum, die hohe Kunst des Nichtstuns zu erlernen. Für den Anfang reichen fünf Minuten auf der Gartenbank. Einfach sitzenbleiben und in den Himmel schauen. Fortgeschrittene könnten sich schon vornehmen, sich für den nächsten Tag nichts vorzunehmen.

Aber Vorsicht: sollten sich schon beim Gedanken daran Entzugserscheinungen einstellen, dann langsamer vorgehen und nur für den Vormittag nichts planen. Der Nachmittag darf dann wieder prall gefüllt werden. Verläuft alles nach Plan, kann man am Urlaubsende einen ganzen Tag lang nichts tun.

Kinder sind unbedingt miteinzubeziehen. Langeweile ist keine Krankheit, die mit Macht bekämpft werden muss, sondern eine Phase kreativen Auftankens. Eine Kultur des Abschaltens tut uns allen gut.

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