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„Die (un)aktuelle Nachricht vom Tod“

Die (un)aktuelle Nachricht vom Tod

Die (un)aktuelle Nachricht vom Tod

Kopenhagen
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Eine fast 20 Jahre alte Satiresendung hat dazu geführt, dass Walter Turnowsky einige Zahlen zum Sterben herausgesucht hat.

Im Laufe des vergangenen Jahres ist mir regelmäßig ein schon etwas betagter Fernsehbeitrag in den Kopf gekommen.

Denn 2002 konnte die Nachrichtensatire „De Uaktuelle Nyheder“ Sensationelles vermelden.

Moderator Mikael Bertelsen liest zunächst vor, dass die Vergnügungsparks nun anlässlich des Frühlings öffnen werden, als ihm auf einem Zettel eine Eilmeldung hereingereicht wird.

„Ich habe soeben ein Telegramm erhalten, in dem steht, dass alle sterben müssen. Alle müssen sterben, und nach ersten Informationen geht es hierbei um alle in Dänemark“, liest er vor.

Kurz darauf muss er ergänzen.

„Ich erfahre soeben, dass es auch um die USA geht. USA sind auch dabei“, und nach kurzem Zögern: „Und es gilt auch für den Rest der Welt außer Schweden. Und jetzt erfahre ich, dass auch Schweden dabei ist. Es müssen also alle auf der ganzen Welt sterben.“

Manchmal braucht es eben, gerade in Zeiten wie diesen, die Satire, um uns an das Offensichtliche zu erinnern.

2019 starben laut der dänischen Statistikbehörde Danmarks Statistik 53.958 Personen in Dänemark. Die fünf häufigsten Todesursachen waren: Krebs mit 15.777 Fällen, gefolgt von Herzerkrankungen (6.153), Bronchitis und Asthma (3.551), mentalen Erkrankungen (3.515) sowie Blutgerinnseln oder Blutungen im Gehirn (2.948).

An Grippe oder Lungenentzündung sind 2019 1.737 Menschen verstorben.

Bislang sind 2.449 Personen, die eine Corona-Infektion hatten, verstorben. Nicht in allen Fällen ist die Infektion die Todesursache.

Insgesamt war die Todesrate in Dänemark während der Epidemie niedriger als im Durchschnitt. Nur einige Wochen im Dezember und Januar lag sie höher.

63 Prozent der Personen, die mit einer Corona-Infektion verstorben sind, waren mindestens 80 Jahre alt. 89 Prozent waren mindestens 70 Jahre alt.

Wir kehren zur Satire zurück. Hier wird der real existierende Oberarzt Henrik Kehlet vom Krankenhaus Hvidovre zugeschaltet und gefragt, was wir denn über die Situation wissen.

„Was wir zu diesem Zeitpunkt wissen, ist, dass im Durchschnitt, wenn man in seine 80er kommt, die Organfunktionen anfangen, auszusetzen. Wir werden müde, und am Ende sterben wir“, erläutert der Mediziner.

Am Ende des Interviews sagt Moderator Bertelsen, dass er erfahren habe, das Serum Institut habe keinen Impfstoff gegen den Tod. Er fragt, ob man sich daher ins Haus begeben und vor dem Radio auf Hinweise warten soll.

„Im Gegenteil, ich finde, man soll hinausgehen und das Leben genießen, so lange man es hat. Schließlich ist Frühling“, antwortet Kehlet.

Die Empfehlung des Mediziners sei hiermit weitergegeben.

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