Natur und Umwelt

Wolf als Nachbar? Neuer interaktiver Atlas zeigt, wo Isegrim umherstreift

Wolf als Nachbar? Neuer interaktiver Atlas zeigt, wo Isegrim umherstreift

Wolf als Nachbar? Neuer interaktiver Atlas zeigt, wo Isegrim umherstreift

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Aarhus
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Wolf
Eine Wolfssichtung in Ulfborg aus dem Juli 2017. Foto: Naturhistorisk Museum Aarhus, Aarhus Universitet & Thomas Boesdal

Seit rund fünf Jahren sind in Dänemark wieder Wölfe heimisch. Es dreht sich um einige wenige Tiere – die regelmäßig für Schlagzeilen und nicht immer ganz sachliche politische Debatten sorgen. Mit einer laufend aktualisierten Online-Karte will das Naturhistorische Museum in Aarhus jetzt für Transparenz sorgen.

Ein Wolf, ein Schakal – oder doch nur ein Schäferhund auf Abwegen? Immer wieder wenden sich neugierige oder besorgte Bürger mit ihren Beobachtungen an das Naturhistorische Museum in Aarhus. Dort leisten die Experten in hunderten von Fällen Detektivarbeit – und tragen jede Sichtung in die nationale Wolfs-Datenbank ein, für die die Aarhusianer verantwortlich sind. Jetzt ist die Dänemark-Karte mit bestätigten Wolfssichtungen auf ulveatlas.dk öffentlich zugänglich

Ob Fotos der vermeintlichen Wölfe, Exkremente, Pfotenspuren, angefressene Beutetiere oder Berichte von Sichtungen – das Museumspersonal trägt alles in die Datenbank ein. DNA-Spuren an Beutetieren oder in einer der zahlreichen Kotproben, die eingehen – alles wird genauestens untersucht. Besteht der Verdacht, dass Haustiere von Wölfen angefallen wurden, schickt die Naturbehörde sogenannte Wildberater, um Spuren zu sichern und die Lage zu bewerten.

Bei Wölfen scheiden sich die Geister

In vielen Fällen könne schnell geklärt werden, dass es sich nicht um einen Wolf gehandelt hat, schreibt das Naturhistorische Museum in einer aktuellen Pressemitteilung. Doch in einigen Fällen ist gründliche Detektivarbeit gefragt. Alle Fälle, bei denen die Nachforschungen gemäß der internationalen Kriterien eine Wolfsichtung bestätigen, werden in der nun öffentlichen Karte eingetragen.

„Die Wölfe in Dänemark sorgen in gleichem Maße für Faszination und Besorgnis, doch wir hoffen, dass die Karte und die Internetseite einen Teil der Fragen der Bevölkerung beantworten können“, sagt Kent Olsen, Forschungs- und Sammlungschef des Museums. „Wölfe laufen leicht mehr als 70 Kilometer am Tag, sie sind bekannt dafür, Brücken zu überqueren oder Flüsse zu durchschwimmen, also nur, weil es in deiner Nähe keine Sichtungen gab, heißt das nicht, dass es kein Wolf war, den du beim Abendspaziergang gesehen hast“, sagt Olsen. Also „kontaktiere uns lieber ein Mal zuviel als zu wenig – und je mehr Fotos, desto besser“.

Die Forscher des Naturhistorischen Museums rufen dazu auf, von der Internetseite regen Gebrauch zu machen und die Vorlagen für eine Sichtung zu nutzen, die dort angeboten werden. Die Angaben zur Person würden keinesfalls öffentlich gemacht, versichert Olsen. In einigen Fällen können Sichtungen schon nach Minuten in die Karte einfließen – in anderen Fällen, wo DNA-Untersuchnungen nötig sind, könne es einige Monate dauern.

Fakten statt unsachlich geführter Debatte

„Das Museum hat eine lange Tradition darin, das Wissen über die Ausbreitung von Arten durch citizen science (bürgergetriebene Wissenschaft, Red.) zu stärken und ohne dass die Dänen den Forschern helfen, Daten einzusammeln, können wir die Aufgabe nicht meistern“, sagt Olsen.

Jede Sichtung trage dazu bei, die Verwaltung des Wolfsbestandes in Dänemark zu vereinfachen. „Das hat große Bedeutung für örtliche Landwirte, die somit Fördermittel für Zäune bekommen können – und es ist wichtiges Wissen für die Nachwelt“, sagt Kent Olsen. Schließlich gebe es weiterhin viel gefährliches Halbwissen und Missverständnis beim Thema Wölfe. Von Gefühlen geleitete Fans der Wölfe und ihre Gegner – für alle sei die Wolfsdatenbank eine wichtige Wissensgrundlage. „Wir beim Naturhistorischen Museum in Aarhus wollen gerne die sachliche Stimme in der Debatte sein und hoffen, dass unsere neue Internetseite der Ort wird, an dem die Dänen – vom Schulkind bis zum eingefleischten Naturfreund – ihr Wissen über Wölfe in Dänemark beziehen. Fake News können schnell entstehen – und als Museum und Wissenschaftler ist es unsere klare Überzeugung, dass es unsere Rolle ist, Wissen zu vermitteln“, sagt Olsen. „Wir sind nicht ‚für‘ oder ‚gegen‘ den Wolf, es ist ein Tier wie jedes andere auch – aber wir sind ganz klar für Fakten, damit man aufgeklärte Entscheidungen trifft“, sagt er – und dazu brauche das Museum die Unterstützung der Bevölkerung.

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