Tourismus

Belebung der Nebensaison klappt nicht so wie geplant

Nachfrageschwach: Urlaub in der winterlichen Jahreszeit an der Küste.

Mit der Landestourismusstrategie will Schleswig-Holstein die Urlauber-Nachfrage vor allem außerhalb der Hauptsaison beleben. Eine Halbzeit-Bilanz zeigt jedoch mit neuen Zahlen: Der Plan geht nicht so auf wie erhofft.

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Zusammenfassung

  • Schleswig-Holstein kommt beim Ausbau des Tourismus in der Nebensaison langsamer voran als in der Strategie bis 2030 geplant.
  • Die Bettenauslastung stagniert bei 35 Prozent, Fortschritte bei Wertschöpfung und Ganzjahresangeboten werden vor allem durch Inflation und zögerliche Winteröffnung gebremst.
  • Trotzdem verzeichnet das Land hohe Gästezufriedenheit, mehr Akzeptanz bei Einheimischen und Fortschritte bei Leitprojekten wie Landesdatenbank, Barrierefreiheit und der Wissensplattform touhuus.sh.

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Schleswig-Holstein kommt beim Ausbau des touristischen Geschäfts außerhalb des Sommerhalbjahrs nicht so voran wie geplant. Das zeigen neue Kennzahlen, die das Deutsche Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste in Heide am Mittwoch auf einem Kongress in Neumünster vorgestellt hat.

„Ohne zusätzliche Anstrengungen sind die Ziele des Landes für eine Ganzjahres-Saison nicht erreichbar“, sagte die Datenspezialistin des Forschungsinstituts, Manon Krüger. „Sie sind ambitioniert.“ 

So habe es bei der Bettenauslastung in den letzten zwei Jahren „wenig Bewegung“ gegeben. Mit einer Quote von 35 Prozent reicht es da für Schleswig-Holstein nur für Rang 7 der Bundesländer. Auch der so genannte Gini-Koeffizient, ein statistischer Wert, mit dem der Grad der Saisonalität des Tourismus gemessen wird, stagniert.

Inflation relativiert Anstieg der Wertschöpfung

Nur verhaltene Fortschritte sieht Krüger bei einer weiteren wichtigen Messgröße der Landes-Tourismusstrategie „Schleswig-Holstein 2030“: die Wertschöpfung pro Gast zu erhöhen. Das bedeutet, dass ein Tourist im Durchschnitt mehr Geld ausgeben soll.

Die touristische Wertschöpfung sei zwar gegenüber der letzten Messung 2022 auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen, so Krüger. „In großen Teilen“ führt die Forscherin dies jedoch auf die Inflation zurück. Die Tourismusstrategie peilt für 2030 5,7 Milliarden Euro an.

Nach vier Jahren hat die bis 2030 ausgelegte Strategie von Landesregierung und Landtag ihre Halbzeit erreicht. Deshalb zog der Kongress mit gut 200 Teilnehmern im Congress Centrum der Holstenhallen eine Zwischenbilanz. Ausrichter war das Umsetzungsmanagement für die Strategie. Es ist bei der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash) angesiedelt.

Super-langsam

Deren Geschäftsführer Stefan Borgmann sagte: Zuletzt seien in einzelnen Ferienorten vor allem an der Ostsee durchaus steigende Übernachtungszahlen auch im Oktober, November und Dezember verzeichnet worden – aber eben nicht im landesweiten Durchschnitt. 

Es sei „ein nur super-langsam zu bewegendes Schiff“, die Saison in der dunklen Jahreszeit auszuweiten. Dazu brauche es die grundsätzliche Bereitschaft von Kunden. Es brauche konkrete Reiseanlässe. Und es brauche Betriebe, die auch dann öffnen wollen.

Auch wenn der Ostsee Holstein Tourismus bei neuen Events in der Nebensaison vorangeht, stellt dessen Geschäftsführerin Katja Lauritzen fest: „Es ist eine schwere Arbeit.“ Nicht zuletzt das Wetter lasse sich nicht ignorieren.

Öffnungszeiten der Gastronomie im Winter

„Wenn wir die Saison ausweiten möchten, muss sich in den Wintermonaten auch die Gastronomie besser aufstellen“, appellierte Tourismus-Staatssekretärin Julia Carstens. Ihrer Ansicht nach sprechen sich Lokale nicht genug ab, damit auch in Randmonaten zumindest einige Betriebe geöffnet haben.

Insgesamt aber zeigt die Halbzeit-Bilanz der Tourismusstrategie aus Sicht Carstens’, „dass wir ganz gut vorangekommen sind“. Es gehe schließlich „nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität“, betonte die Leiterin des Umsetzungsmanagements, Britta Franke.

Note 1,6 bei der Gästezufriedenheit in SH

Dazu gibt es mehrere Indikatoren: Bei der Gästezufriedenheit liege Schleswig-Holstein mit der Schulnote 1,6 weit vorn. Die Tourismusakzeptanz durch die Einheimischen sei erstmals seit Jahren in Umfragen wieder leicht gestiegen. 

Eine erste Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit im Tourismus habe ergeben, dass mehr als 70 Prozent dort gerne oder sehr gerne ihr Geld verdienen. Über beides hat unsere Redaktion in den letzten Wochen bereits berichtet.

Wobei die Landesdatenbank Betrieben hilft

Von den 38 Leitprojekten, die die Tourismusstrategie angestoßen hat, sind laut Franke zwei Drittel bereits ganz oder in Teilen verwirklicht. Dazu zählen zum Beispiel eine komplette Neuausstattung des Ochsenwegs als touristischer Fernradroute, Initiativen zur Mitarbeitergewinnung oder eine touristische Landesdatenbank.

Egal ob Hotels, Veranstalter oder Tourismusorganisationen: Sie können Informationen aus der Datenbank mit wenigen Klicks kostenlos in ihre eigenen Websites und Apps einbinden – seien es etwa Events, Sehenswürdigkeiten oder Naturerlebnisse.

Barrierefreiheit in diesem Jahr auf der Agenda

In diesem Jahr steht laut Carstens besonders Barrierefreiheit auf der Agenda. Durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung wittert Schleswig-Holstein hier zunehmende wirtschaftliche Chancen – wenn denn Stufen und andere Hindernisse weniger werden und Gäste über Barrierefreiheit informiert werden.

Wissensplattform für Touristiker am Start

Zudem will das Umsetzungsmanagement eine an diesem Mittwoch lancierte Wissens-Plattform weiter ausbauen. Die Adresse lautet touhuus.sh, gedacht als Wortspiel aus Tourismus und Zuhause. Sie soll den Wissenstransfer innerhalb der Branche fördern, von Weiterbildungsangeboten über Studien bis hin zu Leitfäden.

Carstens und Franke setzen zudem darauf, dass sich touristische Anbieter jeglicher Art über die Wissensplattform auch gegenseitig inspirieren. Etwa, indem sie dort über Erfolgserlebnisse berichten oder nach Mitstreitern für Projekte suchen. Auch Berichte über die weitere Umsetzung der Tourismusstrategie sollen auf die Plattform verlagert werden.