Deutsche Bücherei

Motivation statt Frustration: Mit diesen Büchern gelingt der Leseeinstieg

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Mit Büchern wie „Abenteuer mit der Buchstabenhexe“ kann der Grundstein zum Bücherwurm gelegt werden.

Einmal ins Lesen verliebt, begleitet dieses Hobby einen oft ein Leben lang. Doch mit welchen Büchern beginnt eine solche Leidenschaft, ohne dass sie zu früh in Frustrationen mündet? Bibliothekarin Silke Amthor erklärt, worauf es zu achten gilt.

Kurze Sätze, reichlich Illustrationen: Das richtige erste Buch kann für eine Leseanfängerin oder einen Leseanfänger der Schlüssel zu einer neuen Welt sein. Doch worauf sollten Eltern achten, wenn sie den Nachwuchs bei der Auswahl der ersten Bücher unterstützen? Es geht darum, die Leselust zu wecken.

Altersempfehlungen nicht für bare Münze nehmen

„Es ist besonders wichtig, ein Kind mit dem Leseangebot nicht zu überfordern und mit Text zu überfrachten“, erklärt Silke Amthor, Leitende Bibliothekarin der Zentralbücherei in Apenrade. Nicht selten geben Verlage Altersempfehlungen für Bücher an, die ihres Erachtens eher unrealistisch und kontraproduktiv sind. „Büchereien nehmen daher oft eine eigene Alterseinstufung vor“, so Amthor. Die deutschen Büchereien in Nordschleswig arbeiten mit Lesestufen. Das entsprechende Symbol ist auf dem jeweiligen Buchrücken zu finden.

„Das kann mitunter zu Frustrationen führen, wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, ein Buch zu lesen, obwohl das Alter der Empfehlung entspricht“, kritisiert Amthor. Nicht selten fielen ihr Bücher in die Hände, in denen regelrecht eine Diskrepanz zwischen Aufbau und angegebener Altersempfehlung besteht.

Wenn es darum geht, dass das Kind seine ersten eigenen Leseerfahrungen machen soll, seien etwa Kinderbücher wie die beim Ravensburger-Verlag erschienenen „Paw Patrol“-Geschichten ein eher negatives Beispiel. „Die Geschichten kennen die Kinder aus dem Fernsehen, und sie sind super begehrt. Dennoch entsprechen die Zielgruppe und die Gruppe der Kinder, die das Buch tatsächlich sinnergreifend lesen können, einander nicht“, erklärt Amthor. „Während der Verlag das Buch für Sechsjährige empfiehlt, würde ich das Buch einem Kind frühestens in der dritten Klasse zum Selberlesen geben. Es ist zu viel Text – das erschlägt die Kleinen“, argumentiert die Kinderbuchexpertin. „Und das gilt es möglichst zu vermeiden, wenn man die Kleinsten nicht verunsichern oder ihre Lesebegeisterung nicht im Keim ersticken will.“

Über Illustrationen ins Kinderherz

Darauf, dass ein Kind – von den angebotenen Büchern – selbstständig jene in die Hand nimmt, von denen es sich angesprochen fühlt, könnten die Eltern sich verlassen, versichert die Bibliothekarin. „Über die Bilder wird ganz viel transportiert. Das ist auch der Grund, weshalb Kinderbücher so stark illustriert sind“, ordnet Amthor die farbenfrohen Aufmachungen ein.

Für den Einstieg der Leseanfängerinnen und Leseanfänger empfehlen sich Bücher, die mit kurzen, kompakten Sätzen arbeiten – an wörtlicher Rede sollte laut Amthor zu Beginn eher gespart werden. „Das ist für viele Leseanfänger häufig noch schwer. Da hilft es, erst einmal eine Grundsicherheit beim Lesen von Wörtern zu bekommen.“ Bestenfalls werden die Bücherwürmchen – in den der ersten Lesestufe angepassten Geschichten – Schritt für Schritt an die Gänsefüßchen herangeführt.

„In ‚Abenteuer mit der Buchstabenhexe' wird das ganz schön gelöst. Im Verlauf des Buches kommt wörtliche Rede zunächst nur vereinzelt vor – dann immer häufiger“, beschreibt Amthor. Die Geschichten der Hexe Leni, die mit Buchstaben Schabernack treibt und spielerisch ans Lesen heranführt, sind laut Verlag für Kinder im Alter von sechs Jahren empfohlen. Die Kinderbuchexpertin hält junge Leserinnen und Leser jedoch etwas später – gegen Ende der ersten Klasse – dafür bereit, der „zauberhaften“ Leni zu begegnen.

Für die ersten selbstständigen Leseerfahrungen empfiehlt Silke Amthor die „Abenteuer mit der Buchstabenhexe“.

Wenn eine Illustration das Gelesene auf der entsprechenden Buchseite begleitet, sei das für die ersten Satzerarbeitungen eine große Verständnishilfe. „Die Buchstabenhexe“ sei auch hierfür ein schönes Beispiel, findet Amthor. Das Buch fördere vor allem das, was für den Anfang wohl – nicht nur in Bezug aufs Lesen – das Wichtigste ist: die Motivation.