Deutsche Minderheit

Leselust in Nordschleswig: Büchereien erleben Zuwachs

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Auch ein Ort zum Sich-fallen-Lassen und Wegträumen: die deutschen Büchereien in Nordschleswig (Archivbild).

Die Gründe sind so unterschiedlich wie die Geschichten – doch eines zeigt sich deutlich: Lesen liegt wieder im Trend. Und das macht sich auch in den verschiedenen Statistiken der deutschen Büchereien in Nordschleswig bemerkbar. Büchereidirektorin Claudia Knauer kann die Entwicklung erklären.

Einige Stimmen hatten sie bereits todgeweiht: die Leselust. Doch die Entwicklungen zeigen, dass die Menschen zum Buch zurückfinden – in Nordschleswig ebenso wie landesweit.

Claudia Knauer freut das besonders, denn genau dies macht sich auch in den Zahlen der deutschen Büchereien in Nordschleswig bemerkbar, wie die Büchereidirektorin in ihrem Bericht bei der Generalversammlung in Tingleff (Tinglev) darlegt.

Laut Knauer stieg in allen deutschen Büchereien durchweg die Zahl der Leserschaft. Waren es 2023 noch 5.039 aktive Nutzerinnen und Nutzer, die sowohl auf physische Bücher als auch auf die Onleihe zurückgriffen, waren es 2024 5.565. Insgesamt gab es 974 Neuanmeldungen. Dabei repräsentieren die Zahlen nur diejenigen, die im vergangenen Jahr mindestens einmal in irgendeiner Weise in den Büchereien interagiert haben.

Der Zuwachs an Leselustigen schlug sich auch in der Anzahl der Entleihungen insgesamt nieder. Beliebt seien alle Angebote, ob digital oder analog – ob zum Hören, Anschauen oder Lesen. Der Einschnitt in den Zahlen der Bücherei Hadersleben (Haderslev) lässt sich mit dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten erklären, so Knauer.

Büchereidirektorin Claudia Knauer bedankt sich in ihrem Bericht für die gute Zusammenarbeit mit den Minderheitenverbänden.

Aufwind dank der Zugezogenen

Die Zahlen aus 2024 zeigen: Die Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger nutzen die Büchereien gerne, um an ihren Stoff zu kommen – ganz besonders die Neulinge unter ihnen.

„Wir im Speziellen profitieren auch sehr von den deutschen Zuzüglern. Zum Beispiel sind da diejenigen, die Homeschooling machen, und sich bei uns mit Medien versorgen oder die Familien, die ihre Kinder auf dänische Schulen schicken, aber die Muttersprache pflegen“, ordnet Knauer die gestiegenen Zahlen der Bücherei-Besucherinnen und -Besucher ein.

Einen besonderen Schub habe es aber vor allem bei jungen Leserinnen durch BookTok gegeben, von denen die deutschen Büchereien auch über einige der dort vorgestellten Medien verfügen.

Heilsamkeit von Büchern

Einen weiteren Anstoẞ zum Lesen gibt laut Knauer die unsichere weltliche Lage. Viele Lesende kämen mit dem Eintauchen in Geschichten dem Bedürfnis nach einer heileren Welt nach. „Und das kann ich in diesen Zeiten richtig gut verstehen“, gesteht Knauer. „Literatur kann Flucht sein, Anstoß zum Neudenken geben und der Informationsbeschaffung dienen.“

Die wiederkehrende Leselust ist ein Trend, der sich in ganz Dänemark abzeichnet: Der Anteil jener Leserinnen und Leser über 16 Jahre, die entweder täglich oder nahezu täglich Romane lesen, ist laut einer Untersuchung von Danmarks Statistik von 14 Prozent im Jahr 1993 auf 23 Prozent im Jahr 2024 angestiegen.

Auch hier zeichnet sich der Trend in den Zahlen der Besuchenden der dänischen Volksbüchereien ab. Nachdem die Zahlen von 37.383.000 in 2019 auf unter 20.000.000 in 2021 gesunken sind, erfreuten sich die Büchereien im Folgejahr wieder an 28.567.000 Besuchenden. Die aktuellsten Zahlen aus Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2023 zeigen eine ähnliche Tendenz, wie Knauer in ihrem Bericht erwähnt.

Doch Büchereien bieten mehr. „Wir sind ein unkommerzieller Ort, an dem du sein kannst, ohne dass du irgendwas musst“, sagt Knauer. „Zugleich sind wir Anlaufstelle, Ansprechpartner und ein Ort der Begegnung.“

Bestätigen lässt sich dies durch die Zahlen, die einen Anstieg der Besuchenden der offenen Bücherei abzeichnen und außerdem die Erfüllung des Bildungsauftrags durch diverse Veranstaltungen bestätigen. Besonders hervor tut sich dabei die Bücherei Tingleff, die im Jahr 2023 von 573 Veranstaltungen 233 ausgerichtet hat – 187 davon für Kinder und Jugendliche.

Dass Lesen wieder im Trend ist, überrascht die Büchereidirektorin nicht. Sie blickt zufrieden auf die Entwicklungen: „Ich habe nie daran geglaubt, dass das gedruckte Wort stirbt.“