Deutsche Schule

Urlaub in der Schulzeit: Auch in Nordschleswig ein wachsendes Problem

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Bleiben Kinder mehrere Tage dem Unterricht fern, kann das auch Auswirkung auf die Klassengemeinschaft haben (Archivbild).

Einige Familien fahren in den Urlaub, obwohl die Ferien noch nicht begonnen haben oder bereits vorbei sind. Auch an einigen Schulen der deutschen Minderheit ist dieses Problem bekannt. Schulleiterin Henriette Tvede Andersen erklärt, was ein längeres Wegbleiben vom Unterricht für die Kinder und die Erziehungsberechtigten bedeutet.

Familienurlaub – aber bezahlbar. Das geht vor allem außerhalb der Saison. Und das wiederum bedeutet, dass Eltern ihre Kinder während des laufenden Schuljahres vom Unterricht befreien lassen. Die gemeinsamen Ferien gehen dann auf Kosten von Schulzeit.

Dieses Problem besteht landesweit, wie Andreas Rasch-Christensen, Forschungschef am VIA University College, herausgefunden hat. Dabei gehe es nicht nur um die Zeit rund um die Winterferien, erklärt er gegenüber „Ritzau“. Zentrale Zahlen gebe es nicht, aber der Forschungschef sieht in diesem Trend eine steigende Tendenz.

Familienurlaub in der Schulzeit

Auch die deutschen Schulen in Nordschleswig kennen diese wachsende Problematik. „Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass einige Eltern ihre Kinder vom Unterricht befreien, damit sie gemeinsam in den Urlaub fahren können“, sagt Henriette Tvede Andersen, Schulleiterin an der Deutschen Schule Sonderburg. Und auch in der Deutschen Schule Hadersleben sieht sich die Leitung zunehmend mit entsprechenden Anfragen konfrontiert.

Für Catarina Bartling, kommissarische Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins Nordschleswig, wird es dann problematisch, wenn es zur Gewohnheit wird: „Persönlich finde ich, dass in bestimmten Fällen eine Reise durchaus viel bewirken kann, sowohl bildungsmäßig als auch im Familienverbund, wenig Verständnis habe ich, wenn jedes Jahr dieselbe Skireise vor den Ferien gebucht wird, um ein paar Kronen zu sparen, das halte ich für die falsche Vermittlung von Prioritäten.“

Unterrichtspflicht liegt in der außerordentlichen Ferienzeit bei den Erziehungsberechtigten

Wenn ein Kind mehrere Tage vom Unterricht befreit werden soll, muss dies über die Schulleitung laufen, erklärt Tvede Andersen. „Generell befürworte ich es nicht, aber ich kann es leider nicht verbieten, denn wir haben keine Schulpflicht, sondern Unterrichtspflicht in Dänemark.“

Sie gebe den Eltern dann die Rückmeldung, dass die Abwesenheit registriert sei und fordere gleichzeitig dazu auf, den Urlaub zukünftig in die Ferienzeit der Schule zu legen. Die Unterrichtspflicht einzuhalten, liegt hier bei den Erziehungsberechtigten. „Die Lehrkräfte sind nicht dafür verantwortlich, das Kind mit dem Unterrichtsstoff zu versorgen, es ist die Verantwortung der Eltern, dass das Kind das Versäumte nachholt“, sagt Tvede Andersen.

Es ist die Verantwortung der Eltern, dass das Kind das Versäumte nachholt.

Henriette Tvede Andersen

Auswirkungen auf soziale Kontakte

Weitere deutsche Schulen handhaben dies ähnlich. Auch Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg von der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern (Tønder) fordert Schülerinnen und Schüler, die länger als einen Tag beurlaubt werden, auf, das Versäumte in Eigenverantwortung aufzuholen.

Aber nicht nur der verpasste Unterricht kann das Kind gegebenenfalls zurückwerfen – fehlt ein Kind häufig in einer Klassengemeinschaft, kann das auch negative Einflüsse auf die sozialen Kontakte des Kindes haben. „Sehr viel Unterricht besteht darin, dass man in Gruppen oder im Klassenverband arbeitet“, sagt Rasch-Christensen. Die Lehrperson habe zwar grundsätzlich die Verantwortung für die gesamte Gemeinschaft, könne aber dieser kaum nachkommen, wenn einige Schülerinnen oder Schüler nicht anwesend seien.