Deutsche Minderheit

ARV im Jubiläumsjahr: Mit japanischer Weisheit und Demokratie zum Erfolg

Rudern ist ein Teamsport, genau wie die Vereinsarbeit, sagt der 1. Vorsitzende, Peter Asmussen.

Der Apenrader Ruderverein feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Beinahe 200 Mitglieder, so viele Vorstandsmitglieder wie seit 50 Jahren nicht und stabile Finanzen: Wie vier Säulen den Erfolg brachten und was Demokratie und Japan damit zu tun haben. 

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Zusammenfassung

  • Der Apenrader Ruderverein ARV feiert im Sommer sein 100-jähriges Bestehen und steht heute finanziell und strukturell stabil da.
  • Vier Säulen tragen den Erfolg: stabile Finanzen, die autonome Kajaksparte, breitere Sportangebote mit Fitnessraum und eine starke Jugendarbeit mit Schulkooperationen.
  • Japanisch geprägte Konsenskultur, demokratische Entscheidungsprozesse und großes ehrenamtliches Engagement haben den Verein aus der Krise geführt.

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Das Fazit des Vorsitzenden des Apenrader Rudervereins ARV nach der ersten Generalversammlung im neuen Jahr: „Unser Verein läuft wie geschmiert!“, resümiert Peter Asmussen im Telefonat mit dem „Nordschleswiger“ zufrieden. Dann kann ich an dieser Stelle ja aufhören zu lesen, mag man als Leserin oder Leser denken. Könnte man. Aber nur, wenn man nicht neugierig darauf ist, wie der Verein –beziehungsweise die Menschen dahinter – das geschafft haben. 

Peter Asmussen: „Vor 15 Jahren waren wir in der Krise.“

Peter Asmussen sitzt im Auto, während er mit unserer Redaktion telefoniert. Man hat das Gefühl, dass er ständig für seinen Verein in Gang ist. Als er sich an die Zeit vor 15 Jahren erinnert, habe es gar nicht gut für den ARV ausgesehen. „Wir hatten damals nur noch 70 Mitglieder, wir waren in einer Krise“, fasst Asmussen die Lage zusammen. Damals hatte er gerade mit der Vorstandsarbeit begonnen, erzählt er weiter. 

Eine neue Strategie sollte her, „eine Gemeinschaftsstrategie, die wir auf demokratische Weise erarbeiten.“ Aus dieser Überlegung heraus entstehen im Laufe der Zeit vier Säulen, die aus Sicht des 1. Vorsitzenden entscheidend dafür sind, dass der Verein heute so gut dasteht:

1: Stabile Finanzen 

„Wie bekommen wir die Betriebswirtschaft zum Laufen, behutsam, ohne die Preise zu erhöhen? Denn die Kasse war damals immer leer“, so Peter Asmussen. Der Verein stellt sich breiter auf, will nicht nur Rudersport anbieten, sondern auch die Kajak-Leute ins Boot holen.  

„Zuerst hatten sie nur die Stellfläche für die Kajaks bei uns. Dann kamen sie auch in den Club.“ 

2: Autonomie mit Präsenz im Vorstand 

Heute ist der Kajak-Bereich eine eigene Sparte, ein „Club im Club“, wie Asmussen sagt. In anderen Vereinen habe das so nicht funktioniert. „Kajakfahrer und Ruderer, das sind verschiedene Charaktere. Das muss man berücksichtigen.“ Wer rudert, sei es gewohnt, im Kollektiv zu arbeiten, ist Asmussen sicher. „Kajakfahrer sind Individualisten.“ Individualisten, die paratätisch im Vorstand vertreten sind, unter anderem durch den 2. Vorsitzenden Benny Andresen. 

3: Fitness-Raum dank japanischer Konsens-Kultur 

Rudern, Kajak fahren – oder sich im Geräteraum fit halten, vor allem während des Winters: Eine Möglichkeit, die der Club vor sieben Jahren durch einen Fitness-Raum  geschaffen hat. Hier gibt es alles, was die Sportlerinnen und Sportler für ein ausgewogenes Training für alle Muskelgruppen brauchen. 

100.000 Kronen habe das gekostet, erzählt Peter Asmussen. Die Pläne sind zunächst deutlich ambitionierter: Auf dem Dach des Hauptgebäudes soll der Fitness-Raum entstehen. Mit Panoramablick über die Förde. Doch der beauftragte Architekt macht klar: Zu baulichen Hürden kommen die Kosten. Rund drei Millionen Kronen hätte der Fitness-Raum mit Aussicht gekostet.  

Hier darf jeder trainieren, der Mitglied im Club ist.

„Es war so, dass einige im Club das trotzdem wollten. Dagegen anreden? Das hätte keinen Sinn gehabt.“ Peter Asmussen, der mit einem Stipendium der Europäischen Union in den 1980er Jahren ein MBA-Studium in Japan absolviert, löst das Problem so: „Ich bat die Mitglieder damals, einen Ausschuss zu gründen und Vorschläge für den neuen Fitness-Raum zu präsentieren.“ 

Das Ergebnis: Man einigt sich am Ende doch auf den Anbau hinter der Werkstatt, den heutigen Fitness-Raum. Für den Verein eine weitere wichtige Säule, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein. 

Gemeinsam anpacken und auf Augenhöhe für den Verein arbeiten, hier zusammen mit Vorstandsmitglied Rüdiger Bartling (links): Das ist Peter Asmussen wichtig.

Das Wichtigste, was er in den acht Jahren in Japan gelernt habe: „Die Konsens-Bildung der Japaner. Und den Gemütszustand meines Gegenübers zu lesen. Da war ich ja im schwierigsten Labor, das zu lernen.“ Peter Asmussen lacht. Beides hilft ihm nach wie vor bei der Arbeit im Verein und im Vorstand.

 4: Jugendarbeit und Stand-up-Paddeln 

Besonders stolz ist der 1. Vorsitzende darauf, dass die Deutsche Privatschule Apenrade (DPA) vergangenes Jahr Rudern als Wahlpflichtfach eingeführt hat. Acht Teenager hatten sich vergangenes Jahr dafür entschieden. Mit Finn Hoppmann, der als Sportwart ebenfalls neu im Vorstand ist, gebe es nun auch einen ausgebildeten Trainer für die Gruppe aus der Schule. 

Außerdem gibt es eine Kooperation mit der Nachschule Tingleff (Tinglev): „Die Schule investiert in die Surfboards, wir in die Lagerfläche dafür.“  Gemeint sind Boards zum Stand-up-Paddeln, kurz SUP: Damit sie vernünftig gelagert werden können, hat der Verein zwei Container aufgestellt. Die SUPs gehören zwar der Schule, doch jedes Vereinsmitglied darf sie nutzen.

Sieht den Verein für die Zukunft gut aufgestellt: der 1. Vorsitzende Peter Asmussen

Erfolg ohne Ehrenamt nicht möglich

Heute steht der ARV gut da, verfügt über mehrere hunderttausend Kronen Eigenkapital, hat 200 Vereinsmitglieder und auf der Generalversammlung vier Bewerbungen auf drei neue Vorstandsposten. „Wir sind jetzt neun Leute im Vorstand. Das gab es zuletzt vor 50 Jahren“, sagt Peter Asmussen und schmunzelt. Auch die Anzahl der Mitglieder war zuletzt damals auf diesem hohen Niveau.

Die neuen Posten im Vorstand sind besetzt mit Silke Schweb, die ab sofort als Pressewartin aktiv ist. Finn Hoppmann kommt vom Ruderclub Germania Sonderburg (Sønderborg) und ist der neue Sportwart. Hauswart ist Jens Closter.  

Dänemark ist bekannt für Ehrenamt. Aber in der Minderheit wird noch eine Schippe draufgelegt.

Hinrich Jürgensen

Das Beispiel des ARV zeigt aber auch: Ohne Ehrenamt wäre das alles nicht möglich gewesen. Das macht auch der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, deutlich. „Vor allem für die Minderheit ist das ja unverzichtbar. Unsere ganze Arbeit baut darauf.“

Dänemark sei zwar bekannt für Ehrenamt, Jürgensen habe aber das Gefühl, dass in der Minderheit noch eine Schippe draufgelegt würde. „Vielleicht ist hier das Gemeinschaftsgefühl und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Minderheit höher“, vermutet der scheidende BDN-Vorsitzende.

Nun feiert der Ruderverein dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Wenn Hinrich Jürgensen das Grußwort schreiben würde, „dann würde drinstehen, dass es toll ist, dass man in den 100 Jahren immer wieder an sich geglaubt hat. Dass nach der Sturmflut 2023 alle angepackt haben. Das ist ganz toll. Ein Hoch auf das Ehrenamt und ein großes Lob an die Leute vor Ort!“

Mit diesem Rückenwind, japanischer Konsens-Kultur und Demokratie sollten doch auch die Vorbereitungen für das große Ereignis am 26. September „wie geschmiert“ laufen.