Leitartikel

„Pas de tour?“

Pas de tour?

Pas de tour?

Apenrade/Aabenraa
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Wird die Tour de France nun doch nicht nach Nordschleswig kommen? Cornelius von Tiedemann appelliert an Kopenhagens Bürgermeister, es sich noch einmal gut zu überlegen.

Die Bretagne ist wahrlich eine der schöneren Regionen Europas. Meerumschlungen, mit einer ganz eigenen Kultur und Sprache. Fast wie Nordschleswig.

Den Start der Tour de France 2021 gönnen wir den Bretonen aber dennoch nicht. Denn das würde bedeuten, dass wir kommendes Jahr nicht Zeugen des größten Radsport-Ereignisses der Welt und eines der größten Sportfeste überhaupt bei uns vor der Haustür werden würden.

Das Problem: Die Olympischen Spiele in Tokio sind um ein Jahr verschoben worden und kollidieren nun mit dem Tourstart. Da wollen die Organisatoren in Frankreich umsatteln und früher loslegen.

Kopenhagens Bürgermeister Frank Jensen (Soz.) aber stellt sich quer, weil seine Stadt auch einer der Gastgeber der in ganz Europa abgehaltenen Fußball-EM sein wird.

So sehen sich die Franzosen nach anderen Möglichkeiten um und sind laut Presseberichten in der Bretagne fündig geworden.

Sollte die Tour nun nicht nach Nordschleswig kommen, weil Kopenhagen es nicht hinbekommt, zwei Großereignisse unter einen Hut zu bekommen?

Auch für Kopenhagen wäre das schade. Doch die Hauptstadt ist Trubel an gewöhnt, braucht die Aufmerksamkeit und die Aufregung vielleicht nicht unbedingt.

Für uns in Nordschleswig aber ist der Besuch der Tour de France, der weltbesten Radrennfahrer und der weltweiten Medien ein einzigartiges Erlebnis und eine einmalige Chance, der Welt unsere Heimat zu zeigen.

Na klar, die Erwartungen sollten nicht zu hochgeschraubt werden. Wir werden nicht von mit Geldscheinen wedelnden Touristen überrannt werden, nur weil eine Etappe der Tour in Sonderburg endet.

Doch sich als radfahrbegeisterte Region „am Rande“ einmal der ganzen Welt zeigen zu können, uns diesen Traum zu nehmen, weil Kopenhagen Terminprobleme hat?

Hoffen wir, dass Jensen über sich und die Grenzen seiner Stadt hinauswächst und es schafft und auch wirklich versucht, die Tour zu behalten und eine Lösung mit der UEFA zu finden.

Alles andere, keine Tour, wäre nach dem sprichwörtlichen Seuchenjahr 2020 für das Grenzland ein weiterer Schlag in die Magengrube.

Fast so, wie die Überschrift dieses Artikels es für meine damaligen Französischlehrer sein dürfte. Doch wie heißt es so schön: La fin justifie les moyens. Der Zweck heiligt die Mittel.

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