Deutsches Museum

„Vernünftig machen, statt nur renovieren“

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Hadersleben/Aarhus
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Die Westseite des Museums, mit dem Neubau links neben dem Altbau. Foto: Tegnestuen Mejeriet

Erste Ideen zum Projekt der Neugestaltung des Deutschen Museums kommen ans Tageslicht. Doch noch steht viel Arbeit bevor.

Zu den Feierlichkeiten der Volksabstimmung in Sonderburg 2020 soll ein neugestaltetes Deutsches Museum in voller Pracht präsentiert werden. So lautet jedenfalls der Wunsch. Eine Inspirationsfahrt ins Moesgaard Museum diente als Schablone für erste Ideen, wie das Projekt umgesetzt werden soll.

Obwohl das Geld knapp ist, könnten einige Elemente, die denen aus Moesgaard ähneln, in Sonderburg in die Ausstellung integriert werden, zeigt sich Museumsleiter Hauke Grella zuversichtlich.

Anfangsstadium

Bisher wurde das Projekt nur in einer kleineren Gruppe diskutiert. Die Fahrt nach Aarhus war sozusagen „der öffentliche Startschuss mit einer breiteren Truppe“, wie es der Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Uwe Jessen, erklärt.

Das Museum dient in Zukunft der Inspirationstruppe als eine gemeinsame Referenz, so Jessen. „In Aarhus bekamen wir viele gute Ideen – auch, was wir später nicht machen wollen“, sagt der Generalsekretär.

Was der Umbau kosten soll und wie viel Geld überhaupt zur Verfügung steht, ist laut BDN noch unklar. Die Gespräche mit möglichen Geldgebern laufen noch.

Erste Entwürfe

Die Architekten des Zeichenbüros „Mejeriet“ zeigten im Ruderverein in Hadersleben ihre ersten Entwürfe, wie das Museum in Sonderburg später aussehen könnte. Sie sorgten in der Runde für positive Anmerkungen. Insbesondere die Idee eines 360 Quadratmeter großen Neubaus im Anhang an das alte Gebäude war für die Teilnehmer interessant. Dort sollen, so die Architekten, später Räumlichkeiten für Workshops mit Schulklassen errichtet werden.

Außerdem, so der Plan, soll ein Museumscafé mit dazugehöriger Dachterrasse und Aussicht zum Sonderburger Hafen entstehen. Die Terrasse kann, so die Architekten, auch für Vorlesungen, Buchvorstellungen usw. gemietet werden. Der Neubau werde selbstverständlich in einem Stil gebaut, der zum Altbau passt und der dessen Architektur respektiert, unterstreicht die Mejeriet-Architektin Louise Nedergaard Clausen.Das alte Museums- und Büchereigebäude bleibt bestehen. Hier sollenkleinere Verschönerungen für ein originelleres Aussehen sorgen – wie ein Foto von 1908 bestätigt. Die Veranda auf der Westseite soll mit einer kleineren ausgetauscht werden, um das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes wiederherzustellen.

Der Eingangsbereich mit Ticketverkauf und Museumsshop. Foto: Tegnestuen Mejeriet

Gelände offener gestalten

Insgesamt soll das Gelände um das Museum offener gestaltet werden, so dass das Grundstück von mehreren Seiten für Besucher betretbar ist – aktuell liegt das Haus versteckt hinter Bäumen und Büschen. Sogar der Tunnel unter der Straße Lerbjerg wurde von den Mejeriet-Architekten in ihre Überlegungen mit einbezogen. Dieser soll, sofern die Kommune ein solches Unterfangen genehmigt, heller gestaltet werden und an den kahlen Wänden sollen Plakate oder dergleichen für das Museum werben.

Die eigentliche Ausstellung soll den Architekten zufolge anders gestaltet werden. Ihre Idee ist eine chronologische Gliederung der Ausstellung in drei verschiedenen Zeiträumen. Die Zeit bis 1920, zwischen 1920 und 1945 und letztendlich die von 1945 bis heute. Die Idee der Architekten ist es, dass die Ausstellung über die Minderheit heutzutage in den Neubau wandert – was aber ein heiß umdiskutiertes Thema unter den Teilnehmern war.

(vl.) Die Mejeriet-Architekten Louise Nedergaard Clausen, Daniel F.C. Rodrigues und Mikkel Thohøj Martinusen. Foto: Jon Thulstrup

Ziele hoch ansetzen

„Wir können genauso gut unsere Ziele hochsetzen – danach kann man immer abwählen, was nicht machbar ist. Begrenzungen sind erstmal das Areal und das alte Museumsgebäude“, sagt der BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen bei der anschließenden Ideen- und Diskussionsrunde.

Er würde sich freuen, wenn die Minderheit in einigen Jahren mit einem Museum dastehen würde, das die Geschichte der Minderheit erzählt. Ein Museum, das ihm zufolge Großeltern mit ihren Enkeln besuchen können, und wo sie ihnen von der Entwicklung der Minderheit erzählen – „das wäre ein Traum“, so Jürgensen. Er werde alles dafür tun, dass geügend Geld für einen solchen Umbau geschafft wird. Denn „wir wollen es von Anfang an vernünftig machen, statt nur zu renovieren“, erklärt der Hauptvorsitzende.

Wichtig ist, wie es einer der ehrenamtlichen Teilnehmer klarstellte, dass das Deutsche Museum nicht eine Kopie vom Museum im Sonderburger Schloss wird. Doch zugleich sei die Aufgabe auch, dass man nicht lediglich das jetzige vergrössert, erklärte ein anderer.

Die Inspirationsfahrt klang nach einem Ideenreichen Workshop mit, köstlichen und mit viel Liebe von Dieter Hallmann gemachten Rouladen mit allem drum und dran aus.

Mehr zum Thema: „Was für eine Geschichte wollen wir erzählen?“

BDN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen, BDN-Generalsekretär Uwe Jessen und der Leiter der Deutschen Museen in Nordschleswig, Hauke Grella, holen sich Inspirationen im Moesgaard Museum. Foto: Jon Thulstrup

„Museum für alle“

Auch südlich der Grenze hat in einem anderen Grenzmuseum ein ähnlicher Umbau begonnen. Dem Grenzhus Schlagsdorf im Kreis Nordwestmecklenburg wurden Fördergelder in Höhe von einer Millionen Euro für den Umbau vom Land und Bund, sowie EU-Mitteln bereitgestellt. Das Museum soll insbesondere barrierefrei gestaltet werden, weshalb allein die Hälfte der Fördergelder in Bauarbeiten gesteckt werden, erklärt der Museumsleiter Dr. Andreas Wagner, dem Nordschleswiger.

Die Frage, wie die kommende Dauerausstellung gestaltet werden soll hat auch im Grenzhus eine lange Planungsarbeit zwischen Museum und den wissenschaftlichen Beirat des Museums in Anspruch genommen. „Wir haben uns für eine systematische-thematische, statt einer chronologischen Gliederung der Ausstellung entschieden, die in fünf einzelne Themenbereiche aufgeteilt wird“, so Wagner. Er möchte bei der Neugestaltung auch verstärkt auf die Bedürfnisse der jüngeren Generationen achten. „Wir werden interaktiver werden. Das heißt aber nicht, dass die Ausstellung voller Bildschirme und Ipads sein wird“, so der Museumsleiter, der eher auf die pädagogische Begleitung im Bereich der Schüler setzen wird.

„Wir wollen hier Museum für alle Generationen machen. Das ist für uns wichtig“, sagt Wagner und ergänzt: „Grenzen kommen und gehen und wie gehen die Leute im Grenzraum damit um? Diese Geschichte wollen wir erzählen – was wahrscheinlich auch vergleichbar mit dem Museum in der Deutschen Minderheit ist.“

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