Deutsche Schulen

„Eine Schulklasse ist im Prinzip eine Infektionsgemeinschaft“

„Eine Schulklasse ist im Prinzip eine Infektionsgemeinschaft“

„Schulklasse ist im Prinzip eine Infektionsgemeinschaft“

Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig wird es nach den Herbstferien für zwei Wochen eine Maskenpflicht auf den Gängen geben. Damit soll nach Aussage von Direktor Jens Mittag unterstrichen werden, dass sich die Schülerinnen und Schüler nicht mischen sollen und weiterhin aufpassen müssen. Foto: Karin Riggelsen

Eine Verlängerung der Weihnachtsferien, wie sie derzeit von einigen Politikern in Deutschland ins Spiel gebracht wird, ist für Schulrätin Anke Tästensen derzeit keine Option. Der Direktor des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, Jens Mittag, bevorzugt den Präsenzunterricht.

Die gestiegenen Corona-Zahlen der vergangenen Wochen haben in Deutschland einige Politiker veranlasst, eine Verlängerung der Winterferien auf beispielsweise vier Wochen ins Gespräch zu bringen, um gerade in der kalten Jahreszeit Infektionen besser vorbeugen zu können.

Der Direktor des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN), Jens Mittag, meint dazu: „Wenn ich das höre, dann sprechen da zwei Seiten in mir. Als Schulleiter bevorzuge ich ganz klar den Präsenzunterricht. Meine Vaterseite sagt mir allerdings, dass ich meiner Tochter gerne zwei Wochen Ferien mehr gönnen würde.“

Präsenzunterricht am besten

Trotz dieser zwei Seiten ist sich Jens Mittag letztendlich sicher – Präsenzunterricht sei am besten, deshalb würde er sich im Zweifel gegen eine Verlängerung der Ferien entscheiden, solange es sich vermeiden lässt. Sollte es der Corona-Situation helfen, dann könne man darüber nachdenken, doch das müssten andere entscheiden.

Anke Tästensen, Dienststellenleiterin und Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV), sagt, man richte sich voll und ganz nach den dänischen Richtlinien. „Bisher ist eine Verlängerung der Weihnachtsferien in Dänemark ja noch gar nicht debattiert worden.“

Tästensen steht in ständigem Kontakt mit dem Ministerium, wo gemeinsam an neuen Richtlinien gearbeitet wird. Ob eine Ausweitung der Ferien sinnvoll sei, hänge von den Corona-Zahlen zum entsprechenden Zeitpunkt ab, das könne man jetzt noch nicht festlegen. „Für mich sind vier Wochen Weihnachtsferien bisher keine Option.“

Herbstferien heißt: Abwarten

In dieser Woche sind Herbstferien, die Schulen also geschlossen. Jetzt müsse man abwarten und gucken, ob die Fallzahlen danach steigen, sagt auch Mittag. Am DGN hat es bisher noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem eine Schülerin, ein Schüler oder eine Lehrkraft positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Gleiches gilt für die übrigen Schulen der Minderheit. Jedoch habe es Jugendliche gegeben, die aufgrund leichter Krankheitssymptome entsprechend den Richtlinien für ein paar Tage zu Hause geblieben sind und sich haben testen lassen.

„In diesen Fällen haben wir dann für die betroffenen Personen auf Fernunterricht umgeschaltet, aber das führt dennoch immer zu Ausfällen“, so Mittag. Die technischen Voraussetzungen für digitalen Unterricht seien in jedem Falle bei allen gegeben, und inzwischen gebe es auch klare Absprachen, die beim Lockdown im Frühjahr noch fehlten.

Software inzwischen erprobt

„Bisher benutzen wir ‚Google Classroom‘ für den virtuellen Unterricht. Ende des Monats werden wir mit dem Kollegium einen pädagogischen Tag durchführen, an dem wir uns das Programm ‚Teams‘ einmal anschauen wollen. Das wird nämlich von ganz vielen Schulen genutzt, wir sind eine der wenigen Schulen, die derzeit mit ‚Classroom‘ arbeiten“, erläutert der Direktor des DGN die technischen Aspekte des virtuellen Unterrichts.

Neben dem optimalen Programm für den Unterricht gibt es mit „Lectio“ noch ein weiteres Programm für die organisatorische Planung und interne Kommunikation, das auch schon vor Corona zum Einsatz gekommen ist. „Darüber ist jeder erreichbar, alle Gymnasien in Dänemark nutzen es. Das macht unsere Kommunikation zuverlässig möglich“, sagt Mittag. Die Lehrkräfte laden darüber zum Beispiel zu einer Sitzung in „Classroom“ ein.

Regelmäßiges Lüften

Die dänische Gesundheitsbehörde hatte vor Kurzem eine weitere Empfehlung ausgesprochen und dazu geraten, in der kühleren Jahreszeit regelmäßig zu lüften. Und darauf würden auch die Lehrkräfte an den deutschen Schulen achten, so Anke Tästensen. Bisher habe dies noch zu keinen Problemen geführt, weil sich deshalb jemand erkältet hätte.

Wir machen Stoßlüftungen und versuchen, den richtigen Mittelweg zu finden, so dass sich niemand erkältet, aber auch so, dass Corona möglichst keine Chance hat.

Jens Mittag, Direktor am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig

Und auch am DGN wird auf regelmäßiges Lüften geachtet. „Wir machen Stoßlüftungen und versuchen, den richtigen Mittelweg zu finden, so dass sich niemand erkältet, aber auch so, dass Corona möglichst keine Chance hat. Aber im Prinzip ist eine Schulklasse eine Infektionsgemeinschaft“, gibt Jens Mittag zu bedenken.

Im Fall des Falles vorbereitet

Auch wenn es bisher keinen Corona-Fall am DGN oder einer anderen deutschen Schule in Nordschleswig gegeben hat, so ist man vorbereitet. „In einem solchen Fall würden wir entsprechend den behördlichen Vorgaben Kontakt zur Gesundheitsbehörde und dem Unterrichtsministerium aufnehmen, die dann die weitere Vorgehensweise festlegen“, sagt Mittag. Er selbst würde es für sinnvoll halten, dass die ganze Klasse dann für eine Woche in Quarantäne kommt und alle getestet würden.

Für die übrigen Schulen der Minderheit gilt, dass in einer solchen Situation die gesamte Schule geschlossen werden würde, sodass es einige Tage Zeit gäbe, um die nötigen Tests durchzuführen. „Sechs bis 16 Jahre ist eine andere Bandbreite als am Gymnasium, dort können die Schüler vernünftiger mit Richtlinien umgehen“, gibt Anke Tästensen zu bedenken. Je nach Lage vor Ort könne die betroffene Schule dann schneller oder langsamer wieder öffnen.

„Bin optimistisch“

Die Größe der Klassen am DGN ist unverändert. Insgesamt gibt es dort zurzeit 180 Schülerinnen und Schüler, die sich auf neun Klassen verteilen. Somit kommt jede Klasse im Durchschnitt auf 20 Mädchen und Jungen. Entscheidend sei, dass sich die Klassen nicht durchmischen.

„Nachdem die ersten zwei Wochen nach den Sommerferien vergangen waren, war es offensichtlich, dass keiner Corona mitgebracht hatte. Ich habe die Schülerinnen und Schüler dann gebeten, sich in ihrer Freizeit nicht mit Schülerinnen und Schülern anderer Schulen zu mischen. Und ich habe den Eindruck, dass sie sich auch ganz gut daran halten“, sagt Jens Mittag.

Und Anke Tästensen weist darauf hin, dass die Pausen versetzt stattfinden, sodass sie klassenweise gemacht werden. „Ich bin immer noch optimistisch und mache mir keine Gedanken, dass das Ganze ein Problem ist. Dennoch bin ich enorm dankbar, dass wir bisher noch nicht betroffen sind. Aber wir sind vorbereitet“, so die Schulrätin.

14-tägige Maskenpflicht nach den Herbstferien

Der Ansatz sei eben, das Coronavirus von der Schule fernzuhalten. Aus diesem Grunde wird es nach den Herbstferien für zwei Wochen eine Maskenpflicht auf den Gängen des DGN geben. Damit würde man auch unterstreichen, dass sich die Schülerinnen und Schüler nicht mischen sollen und weiterhin aufpassen müssen.

„Es gibt auch Schüler und Kollegen, die haben Angst vorm Coronavirus, und so eine Maskenpflicht zeigt dann, dass man auch deren Sorgen ernst nimmt“, ist sich Jens Mittag sicher.

Anke Tästensen verrät Pläne für neues Schuljahr

Neue Empfehlung der Gesundheitsbehörde: Immer gut lüften!

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Grüne Zukunft“