Natur und Geschichte

Vor 40 Jahren hielt der fast fertige Deich den Fluten stand

Vor 40 Jahren hielt der fast fertige Deich den Fluten stand

Vor 40 Jahren hielt der fast fertige Deich den Fluten stand

Hoyer/Højer
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Es gibt kaum Fotos vom Geschehen am neuen Deich am 24. November 1981, denn es gab dort nur Baustraßen, und die Öffentlichkeit durfte den Bereich nicht betreten. Auf dem Zeitungsfoto des „Nordschleswigers“ ist zu sehen, wie Einsatzkräfte in den tosenden Elementen tätig waren. Foto: Der Nordschleswiger

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Das erst 1982 von der Königin und dem Bundespräsidenten eingeweihte Bollwerk gegen den blanken Hans wehrte den rekordhohen Wasserstand von 4,97 Metern über Normalnull ab. Die Fluten drangen weit ins Inland zwischen Jerpstedt und Ballum vor.

Am Mittwoch, 24. November, jährt sich zum 40. Mal der Sturmflut mit dem bislang höchsten Wasserstand an der Küste bei Hoyer.

Tonderner Marsch entging Überflutung

Die Tonderner Marsch entging damals vermutlich einer Überflutung, denn der Bereich wurde damals bereits von dem seit 1978 neu gebauten Deich zwischen Emmerleff Kliff und der deutsch-dänischen Grenze geschützt. Die Fortsetzung des 7,45 Meter hohen Deiches, es war ein deutsch-dänisches Gemeinschaftsprojekt, zwischen der Grenze und dem Hindenburgdamm war noch nicht fertig.

Bei Ballum musste eine Frau aus ihrem überschwemmten Haus gerettet werden. Foto: Der Nordschleswiger

Die Wiedauschleuse war bereits in Betrieb genommen und trotzte ebenso wie der noch nicht fertig mit Gras bewachsende Deich den tosenden Fluten stand, die auf der Insel Röm den Juvre-Koog, große Bereiche der Insel Mandø und selbst große Gebiete im Bereich der Geestküste zwischen Jerpstedt (Hjerpsted) und Ballum unter Wasser setzten.

Bei Bunte Ballum standen große Bereiche unter Wasser. Foto: Detr Nordschleswiger

In Buntje-Ballum mussten Einwohner von Rettungskräften evakuiert werden. Einsatzkräfte sicherten die noch ungeschützten Abschnitte des neuen Deiches mit Sandsäcken. Es gab keinen Deichbruch, denn die Böschung der Seeseite ist so sanft geneigt, dass die Wellen den Deich nicht mit voller Wucht treffen. Es ist an vielen Küstenabschnitten zu Abbrüchen gekommen, so auf der benachbarten Insel Sylt. Auf Mandø retteten sich alle Bewohner auf der höchsten Stelle der Insel mit Dünen, während der Marschenbereich ganz überflutet wurde, nachdem der Deich an mehreren Stellen eingebrochen war.

Der Deich und die Wiedauschleuse waren im Herbst 1981 soweit fertig, dass sie der Sturmflut standhielten. Der 1982 am 10. Mai feierlich im Beisein von Königin Margrethe und Carl Carstens, den Staatsoberhäuptern von Dänemark und Deutschland, eingeweihte Seich zeichnet sich durch sanft seewärts geneigte Böschungen aus, die den Wogen standhalten. Die Sturmflutsäule an der Wiedauschleuse zeigt, dass am 24. November 1981 mit 4,97 Metern über dem mittleren Pegel der bisher höchste Wasserstand an dem Deich erreicht wurde. Foto: Volker Heesch

Der neue Deich bewährte sich, denn er ist 1,30 Meter höher als der Deich des Neuen Friedrichkoogs, der seit 1861 die Tonderner Marsch bis hin nach Tondern (Tønder) vor Überflutungen geschützt hat. Anfang Januar 1976 hatte dieser Deich einer schweren Sturmflut gerade noch standhalten können. Die Einwohner Tonderns und der angrenzenden Köge waren schon evakuiert worden, weil die Behörden mit einem Deichbruch rechneten. Die gefährliche Situation war anschließend Anlass für einen Beschluss des Folketings, einen neuen, höheren Deich bauen zu lassen.

Das Luftfoto von Anfang 1980 zeigt den Bau des neuen Deiches, der 1981 die Tonderner Marsch vor einer Überflutung bewahrte. In Bildmitte ist die Bauinsel sichtbar, in der die Wiedauschleuse gebaut wurde. Die Wattflächen hinter dem neuen Deich werden voraussichtlich im Nordteil des Margrethenkoogs wieder vernässt, denn dort soll Stauraum für Wiedauhochwasser und ein Schutzgebiet geschaffen werden. Foto: Der Nordschleswiger

Damals wurden Bedenken von Naturschützern nicht berücksichtigt, den Deich im Bereich des alten Deiches zu verstärken, um das für die Vogelwelt wichtige Vorland nicht zu opfern.

Trostpflaster für die Natur

Als „Trostpflaster“ für die Natur wurde im neuen, nach der Königin benannten Margrethenkoog ein Salzwasserbiotop angelegt, in den salziges Seewasser gepumpt wird. Dort können viele Seevögel Nahrung finden, denen das oft überflutete und nahrungsreiche Vorland verloren gegangen war. Inzwischen sieht es so aus, dass nach dem Südteil des Margrethenkoogs, der bereits Naturschutzgebiet ist, auch der Nordteil zu einem Reservat für Vögel wird. Dort ist ein Bereich geplant, in dem bei Hochwasser das von der Wiedau in die Nordsee geleitete Wasser stauen kann, wenn die Schleusentüren sich aufgrund von Sturmfluten nicht öffnen können. Hintergrund ist die Tendenz im Zuge des Klimawandels, dass es häufiger zu Starkregen kommt.

Ohne den Stauraum im Bereich des nördlichen Margrenthekoogs drohen Überschwemmungen beipielsweise im Bereich der Stadt Tondern und auf Agrarflächen. Im Bereich der 1981 überschwemmten Küste südlich von Ballum ist ein Sommerdeich verstärkt worden. Bei anderen Deichabschnitten wie in der Ballumer Marsch, sind die Deiche bisher nicht auf steigende Meerespegel eingerichtet worden.

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