Feuerwerk

Silvesterstress für Hunde: „Oft liegt es am Besitzer“

Silvesterstress für Hunde: „Oft liegt es am Besitzer“

Silvesterstress für Hunde: „Oft liegt es am Besitzer“

Apenrade/Aabenraa
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Die Angst vor dem Knall: Viele Hunde verkriechen sich zu Neujahr, einige laufen in Panik davon. Foto: Nathalie Spehner/Unsplash

Sind die Besitzer zum Teil selbst schuld, wenn ihre Hunde an Silvester Panik kriegen? Ein Tiertrainer, eine Tierärztin und eine Tierhilfsorganisation geben Auskunft – und sagen, was im Umgang mit ängstlichen Haustieren hilft.

Panische Hunde, die vor Silvesterknallern weglaufen oder sich verkriechen: Tierärzte, Polizei und Hundetrainer kennen das Problem und machen mit Blick auf den nahenden Jahreswechsel darauf aufmerksam. Und geben Ratschläge.

„Richtig viele Hunde reißen in den Tagen vor Silvester aus, weil sie vom Feuerwerk erschreckt wurden. Hunde und Katzen sollten jetzt nicht mehr in den Garten gelassen werden, wenn sie Hecke oder Zaun überwinden können“, rät die Polizei für Südjütland und Nordschleswig.

Das Ausreißen ist das eine. Aber auch innerhalb der eigenen vier Wände kann ein verstörter Hund am Silvesterabend zum Problem werden. „Es ist von Hund zu Hund verschieden, wie sie den Silvesterabend erleben“, sagt Jens Jokumsen, Chef der Haustierabteilung bei Dyrenes Beskyttelse.

„Während einige Tiere so gestresst werden, dass sie medizinisch behandelt werden müssen, reicht es anderen, sich unter dem Tisch zu verkriechen.“ Bei extrem gestressten Tieren sei es eine Überlegung wert, aus der Stadt raus aufs Land zu fahren. Bei weniger schlimmen Fällen können ein laufendes Radio oder ein großer Kauknochen helfen.

Früh übt sich – auch für Frauchen und Herrchen. Foto: Jaroslaw Knapek/Unsplash

Hunde, die sich als Beschützer fühlen, bekommen es mit der Angst zu tun

Für den Hundetrainer Arne Christesen aus Renz, der für den Jagdverbund Tiere ausbildet und auch privaten Hundehaltern im Umgang mit ihren Hunden hilft, sind es die Besitzer, die das Problem selbst schaffen. „Wenn man mit den Hunden irgendwo hinfahren muss, um den Silvesterabend zu überleben, dann hat man wirklich verloren", sagt Christesen.

„Das große Problem ist die vertauschte Rangordnung. Hunde, die am Silvesterabend ihren Herrchen nicht vertrauen und sich selbst in der Rolle des Ranghöchsten sehen, werden durch das Geknalle völlig überfordert. Die Tiere können den Lärm nicht überschauen und geraten in Panik, wenn sie in der Familie die Ranghöheren sind. Sie müssen ja instinktiv auf die Menschen und auf sich selbst aufpassen.“ Reagiert ein Hund panisch, liege das daran, dass er sich als Beschützer der Familie fühle.

Christesen warnt dringend davor, den Hund in seiner Angst zu bestärken und großes Aufhebens um den Tag zu machen. „Wenn man dem Hund dauernd sagt, du Armer, du hast es aber auch schwer, da, schon wieder ein Knaller, dann bestärkt man den Hund nur in seiner Angst. Der Hund denkt dann nämlich: Das muss wirklich schlimm sein, mein Besitzer hat ja auch Angst! Dadurch macht man es nur schlimmer.“

Der Hundetrainer rät: Die Knaller völlig ignorieren. Wenn der Hund dem Besitzer vertraut, dann kann er sich daran orientieren. Und merkt: So schlimm ist es ja wirklich nicht. „Leider kann man die Rangordnung nicht innerhalb von ein paar Tagen ändern, dafür benötigt man in der Regel einige Wochen. Aber auch ältere Hunde können noch umdenken lernen – und dann hat man am Ende entspannte Hunde, die einem vertrauen.“

Seine zwei Retriever-Hunde, sagt Christesen, lägen an Silvester völlig entspannt in ihren Körbchen. „Sie wissen, dass ich alles im Griff habe. Warum sollten sie sich da aufregen.“ Für weniger vertrauensvolle Hunde, die an Silvester für gewöhnlich Panik kriegen, empfehlen Tierärzte in bestimmten Fällen eine Betäubung.

Was viele Menschen schön finden, macht vielen Tieren Angst. Foto: Alex Jones/Unsplash

Tierärztin sagt: „Tiere an Silvester in Ruhe lassen“

„Es kommen gerade wirklich viele Tierbesitzer und fragen, was sie an Silvester mit ihrem Tier machen können, damit es nicht in Panik gerät. Meistens sind es Hundehalter, die Hilfe brauchen.“ Nina Jansen ist Tierärztin an der Rothenkruger Kleintierklinik und hat derzeit allerhand zu tun, um Tierhalter wegen der Silvesternacht zu beraten.

Die Angst der Tiere am Silvesterabend – die Tiermedizinerin berät die Besitzer ganz individuell. Medizinische Betäubungsmittel sind immer die letzte Wahl, wenn es nicht anders geht, sagt sie. „Es gibt ein Betäubungsmittel, das man den Hunden in die Lefzen schmiert und das dem Hund die größte Angst nimmt, beziehungsweise betäubt. Das Tier ist aber nicht außer Gefecht oder wackelt rum, es ist einfach nur leicht gedämpft, was die Angst angeht.“

Außerdem gibt es verschiedene Tabletten, die das Tier entweder leicht ruhigstellen oder ganz betäuben. „Generell sind aber alle medizinischen Hilfsmittel rezeptpflichtig und werden nur nach eingehender Beratung verschrieben“, sagt Nina Jansen.

Fälle, in denen Hunde körperlich betäubt waren, aber alles wahrnahmen, ohne sich bewegen zu können, gehörten der Vergangenheit an. „Ja, sowas gab es leider, aber heute werden die Mittel kombiniert, damit auch der Kopf des Hundes betäubt wird und nicht nur der Körper“, sagt die Tierärztin.

Gute Erfahrungen habe man in den vergangenen Jahren mit natürlichen Hilfsmitteln gemacht. Beispielsweise mit Duftstoffen säugender Hundemütter, die den Hund über Spray oder ein Dufthalsband in Sicherheit wiegen sollen. Auch bestimmte Milchproteine und Aminosäuren könnten helfen, die Tiere rein instinktiv zu beruhigen.

„Das Beste ist aber, dass man mehrere Wochen vor Silvester beginnt, sich Gedanken zu machen und mit dem Hund entsprechend trainiert“, sagt Jansen. Ein ganz wichtiger Tipp von ihr an alle Hunde- und Katzenbesitzer, deren Tier an Silvester Angstzustände hat: „Wenn sich das Tier verkriecht, lasst es in Ruhe und redet nicht auf es ein. Das macht die Situation nur schlimmer. Lasst das Tier in Ruhe und macht einfach ganz normal weiter.“

Verhaltenstipps

  • den Hund nicht in der Angst bestärken, indem man ihn tröstet. Verhält man sich entspannt, färbt das auf den Hund ab.
  • Wenn sich der Hund oder die Katze verkriecht, sollte man das Tier in Ruhe lassen und nicht darauf eingehen. Redet man auf das Tier ein, fühlt es sich darin bestärkt, dass etwas nicht in Ordnung ist.
  • Hat ein Tier eine ausgeprägte Angst vor Knallern, kann eine Sedierung in Absprache mit dem Tierarzt sinnvoll sein.
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Leserbrief

Christian Schulz
„Der sker aldrig noget i Haderslev!“