Seniorenfürsorge

Kommune erstattet Anzeige gegen „Sundplejen“

Kommune erstattet Anzeige gegen „Sundplejen“

Kommune erstattet Anzeige gegen „Sundplejen“

Hadersleben/Haderslev
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73 Bürgerinnen und Bürger sind von dem privaten Dienstleister betreut worden. Foto: Ute Levisen

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Die Kommune Hadersleben erstattet Anzeige gegen den privaten Pflegedienstleister „Sundplejen“. Mehr noch: Die Verwaltung zieht die Reißleine und hebt ihren Vertrag mit der Firma auf – mit sofortiger Wirkung.

Die Kommune Hadersleben kündigt ihren Vertrag mit dem privaten Pflegedienstleister „Sundplejen“ mit sofortiger Wirkung. Die Kommunalverwaltung erstattet zudem Anzeige gegen das Unternehmen.
„Es ist ein ungewöhnlich drastischer Schritt in einem ernsten Fall“, sagt Abteilungsdirektor Rolf Dalsgaard Johansen in einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger". Betroffen sind vornehmlich Senioren, aber auch Menschen unter 65 Jahren.

Hintergrund der Anzeige und der Vertragskündigung sind nicht oder mangelhaft erfüllte Vertragsbedingungen. Bürgerinnen und Bürger hatten sich bereits im Frühsommer an die Kommunalverwaltung gewandt und sich über das Serviceniveau von „Sundplejen“ beschwert.

Für Rolf Dalsgaard Johansen wird der heutige Tag kein normaler Tag im Büro. (Archivfoto) Foto: Ute Levisen

Kommune untersuchte Beschwerden

Die Kommune ist dem nachgegangen und hat nach eigenem Bekunden bislang eine ganze Reihe von Missständen aufgedeckt. So sollen Bürger unter anderem nicht die Hilfe bekommen haben, die ihnen die Kommunalverwaltung zugeteilt hat. Auch sollen die Heimbesuche entweder verkürzt worden seien oder gar nicht erst stattgefunden haben.

„Zahlreiche Vertragsverstöße"

Der Umfang der Verstöße sei bislang derart umfangreich, dass sich die Verwaltung genötigt gesehen habe, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu kündigen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten, sagt Abteilungsdirektor Rolf Dalsgaard Johansen.
Die Kommune ist zudem der Auffassung, dass „Sundplejen“ sich für Dienstleistungen hat bezahlen lassen, die nie getätigt worden sind.

Holger Mikkelsen bezeichnet den aktuellen Fall als ungewöhnlich und als ernste Sache. Sein Ausschuss traf sich am Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung und beschloss einstimmig, Anzeige zu erstatten. (Archivfoto) Foto: Ute Levisen

Außerordentliche Sitzung des Erwachsenenausschusses

Auch der Vorsitzende des Erwachsenenausschusses, Holger Mikkelsen (Venstre), macht keinen Hehl daraus, dass es sich hier um eine ernste Sache von ungewöhnlichem Ausmaß handelt: „Mir ist ein solcher Fall in meiner politischen Laufbahn bisher nicht untergekommen“, kommentiert der Politiker die jüngsten Ereignisse. „Das Wichtigste ist nun, dass wir den Betroffenen schnell helfen.“


Sein Ausschuss hatte sich am Dienstag zu einer außerordentlichen Beratung getroffen und einstimmig beschlossen, den Dienstleister anzuzeigen.
„Sundplejen“ ist einer von insgesamt vier Akteuren gewesen, die mit der Kommune im Bereich der Pflege zusammenarbeiten. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, zwischen dem kommunalen Angebot und privaten Anbietern zu wählen.

Betroffene werden informiert

Die Betroffenen werden zurzeit informiert. Zudem leistet die Kommune Hilfestellungen bei der Wahl eines neuen Pflegedienstes: „Bei unseren Mitarbeitern laufen heute die Telefone heiß. Wir setzen alles daran, den Betroffenen so schnell wie möglich zu helfen“, versichert Dalsgaard Johansen. Mit Blick auf die Reaktion von „Sundplejen“ auf die Anzeige hält sich der Direktor bedeckt: „Dazu möchte ich nichts sagen, da es Teil der weiteren Ermittlungen sein wird.“
„Sundplejen“ hat 73 Bürgerinnen und Bürger in der Kommune betreut.

„Sundplejen“ weist Anschuldigungen zurück

Tina Dimaraj, Direktorin von „Sundplejen”, reagiert in den sozialen Medien mit Unverständnis auf die Vertragskündigung und die Anzeige: Sie weist die kommunalen Beschuldigungen als haltlos zurück und hat ihrerseits die Angelegenheit dem Anwalt ihres Unternehmens übergeben.

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