SH-Demokratiepreis

Grenzland-Minderheiten für ihre „friedensstiftende Rolle“ ausgezeichnet

Grenzland-Minderheiten für ihre „friedensstiftende Rolle“ ausgezeichnet

Minderheiten für „friedensstiftende Rolle“ ausgezeichnet

Kiel
Zuletzt aktualisiert um:
Am Mittwochabend wurde der Demokratiepreis in Kiel an die Minderheitenvertreter übergeben. Von links: Reinhard Boll, Gitte Hougaard-Werner, Klaus Schlie, Hinrich Jürgensen Foto: Oke Jensen

Hinrich Jürgensen vom Bund Deutscher Nordschleswiger und Gitte Hougaard-Werner vom Sydslesvigsk Forening haben am Mittwochabend den Schleswig-Holsteinischen Bürger- und Demokratiepreis 2020 in Empfang genommen.

Die Dachorganisationen der beiden Minderheiten nördlich und südlich der deutsch-dänischen Grenze, Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) und der Sydslesvigsk Forening (SSF), haben am Mittwochabend den Schleswig-Holsteinischen Bürger- und Demokratiepreis 2020 erhalten. Stellvertretend nahmen der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen und die Vorsitzende des SSF, Gitte Hougaard-Werner, den Preis in Kiel entgegen.

„Ich freue mich sehr, dass wir diesen Preis bekommen haben. Für mich ist er keine Momentaufnahme von kurzfristiger Arbeit, sondern eine Anerkennung für das, was Ehren- und Hauptamtliche seit vielen Jahren in der Minderheit leisten. Die Auszeichnung zeigt, dass es sich lohnt, Einsatz zu zeigen. Ich bin sehr stolz auf uns alle“, sagt Hinrich Jürgensen.

Schirmherren des Preises sind der Landtagspräsident von Schleswig-Holstein, Klaus Schlie, und Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein.

Laudatio des Minderheitenbeauftragten

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, hielt per Videobotschaft eine Laudatio. In dieser sagte er unter anderem, dass die beiden Minderheitenverbände den Preis unabhängig vom 100. Geburtstag der Minderheiten in diesem Jahr durch ihre nachhaltige Arbeit in den Jahrzehnten ihres Bestehens verdient hätten.

„Sie haben durch ihre vielfältigen Aktivitäten ganz erheblich dazu beigetragen, dass sich das Zusammenleben von Minderheit und Mehrheitsgesellschaft in beiden Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich verbessert. Wie es häufig so treffend formuliert wird: von einem Gegeneinander über ein Nebeneinander zu einem Miteinander“, sagte der Minderheitenbeauftragte.

Allein dies würde den Preis rechtfertigen, aber es gebe noch eine weitere Dimension, die ebenfalls nicht hoch genug zu schätzen sei, meinte Fabritius weiter.

„Seit vielen Jahren arbeiten beide grenzüberschreitend zusammen, um das Grenzland insgesamt voranzubringen. Ein eindrucksvolles Beispiel in jüngster Zeit ist das gemeinsame Engagement für die Anerkennung des deutsch-dänischen Minderheitenmodells als immaterielles Welterbe der Unesco. Aber auch ihre gemeinsame Initiative vor wenigen Wochen, mit der sie die Erleichterungen für die Grenzlandbewohner angesichts der coronabedingten Beschränkungen an den deutsch-dänischen Grenzübergängen anstrebten, macht ganz deutlich, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit für sie geworden ist, und wie eine solche Zusammenarbeit auch der Mehrheitsbevölkerung im Grenzland zugutekommt“, so Bernd Fabritius.

Für ein harmonisches Miteinander

So wie der Minderheitenbeauftragte sah es auch die Jury. Zu deren Begründung heißt es in einer Mitteilung des Landtages: „Die Dachorganisationen der beiden Minderheiten nördlich und südlich der deutsch-dänischen Grenze, Sydslesvigsk Forening und der Bund Deutscher Nordschleswiger, erhalten in diesem Jahr den Demokratiepreis für ihre friedensstiftende Rolle im deutsch-dänischen Grenzland und ihre herausragenden Leistungen auf dem schwierigen Weg zu einem harmonischen Miteinander. Im 100. Jubiläumsjahr der Grenzziehung zwischen Deutschland und Dänemark werden ihre einzigartigen Leistungen als grenzüberschreitende Brückenbauer in besonderer Form gewürdigt. Das Zusammenleben der dänischen und der deutschen Minderheit mit der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft sowie das vertrauensvolle Miteinander beider Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion sind heute ein Vorbild für die völkerverbindende Funktion von Grenzregionen und Minderheiten in Europa.“

Hinrich Jürgensen ist sich sicher, dass die Auszeichnung und die dazugehörige Urkunde einen guten Platz im Haus Nordschleswig finden werden. Zusätzlich ist der Demokratiepreis noch mit 3.000 Euro dotiert, die sich die beiden Minderheiten teilen. Wofür die deutsche Minderheit ihre 1.500 Euro verwendet, steht noch nicht fest, aber der Hauptvorsitzende hat bereits eine Idee. „Mein Vorschlag wäre es, dass wir das Geld in die Jugendarbeit stecken, denn die Jugend ist unsere Zukunft“, so Jürgensen.

Mehr lesen