Leitartikel

„Heldin Linde“

Heldin Linde

Heldin Linde

Nordschleswig
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Die Debatte über Sexismus in unserer Gesellschaft ist eine der wichtigsten Themen überhaupt in diesen Jahren, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Es war eine überlegte Aktion von Sofie Linde, als die dänische TV-Moderatorin bei den Zulu Comedy Awards Ende August über Sexismus in der TV- und Filmbranche erzählte. Doch, dass ihre Minuten im Rampenlicht einen solchen Effekt haben würden, hat sie sich wohl kaum vorgestellt – aber sicherlich gewünscht: Die Sexismus-Debatte ist derzeit das ganz große Thema in Dänemark und stellt zurzeit sogar die Diskussionen über das Coronavirus in den Schatten.

Linde bekam zu Recht große Unterstützung von ihren Kollegen, und nach und nach folgten Frauen aus anderen Branchen ihrem Beispiel: im Mediengeschäft, im Gesundheitssystem und sogar in der Politik – sowohl lokal als auch im dänischen Parlament auf Christiansborg.

In den vergangenen Wochen haben viele mutige Frauen darüber erzählt, wie sie verbal und physisch belästigt worden sind. Es sind haarsträubende und unglaubliche Erlebnisse – und Mann kommt dabei schlecht weg.

Das Gute daran: Wir müssen nun nicht länger darüber diskutieren, ob es sexuelle Belästigung im Alltag gibt. Die Macho- und Machtkultur ist allgegenwärtig wie ein Geschwür – oder hoffen wir lieber, dass es allgegenwärtig war. Zumindest hat der Anstoß von Sofie Linde bedeutet, dass das Thema jetzt überall diskutiert wird und inzwischen auch Konsequenzen hat: Sexismus war nie akzeptabel, wurde aber dennoch viel zu lange schweigend geduldet. Damit ist jetzt Schluss.

Dass die Diskussion alleine nicht ausreichen wird, zeigen einige Reaktionen der vergangenen Tage: „Männern passiert es doch auch“ oder „Ich kann es nicht mehr hören“, heißt es. Das sind aber keine Argumente, sondern nichts anderes als respektlose Realitätsflucht.

Außerdem müssen wir jetzt sehr wohl lange Zeit über ein gesellschaftliches Problem reden, dass sich über Jahrhunderte breit gemacht hat und bei dem sich viel zu viele Männer als das überlegenere Geschlecht gesehen und sich so benommen haben. So ein Quatsch.

Wir brauchen jetzt diese Debatte, und wir müssen aus ihr unsere Lehren ziehen – nicht nur in den Medien, im Fernsehen, im Parlament und in den Krankenhäusern, sondern überall in unserer Gesellschaft. An jedem Arbeitsplatz. In allen Situationen unseres Alltags.

Für uns ist Sofie Linde bereits jetzt eine Heldin von 2020.

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