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Bücherei Apenrade: Kennst du schon Vicky?

Bücherei Apenrade: Kennst du schon Vicky?

Bücherei Apenrade: Kennst du schon Vicky?

Pauline Severin
Pauline Severin
Apenrade/Aabenraa
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Vicky Koch sitzend in der Bücherei in Apenrade
Praktikantin Vicky Koch freut sich, ihr Auslandspraktikum in der Bücherei Apenrade machen zu können. Foto: Karin Riggelsen

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Von der Pathologie über die Küche zur Bücherei nach Apenrade: Vicky Koch hat schon so manches erlebt und uns vieles davon erzählt. Auch dass sie von Geburt an fast vollkommen gehörlos ist, und von den Lippen abliest.

Vicky Koch

Wohnort: Cottbus (im Spreewald)

Alter: 32 Jahre

Ausbildungsort: Universitätsbibliothek Cottbus-Senftenberg

Ausbildung: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

Vicky kommt aus Cottbus und ist eigentlich ausgebildete Köchin. Momentan ist sie jedoch in ihrem zweiten Lehrjahr in der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Sie liest gerne Krimis, ist Wikingerfan und hat viele Tattoos.

Als sich die Möglichkeit für ein Auslandspraktikum öffnete, war für Vicky klar, dass sie nach Skandinavien will. Weil die Bücherei Apenrade am schnellsten geantwortet hatte, entschied sie sich auch gleich dafür, hier ihre zwei Monate zu verbringen.

Ich bin schon von Geburt an schwerhörig – an der Grenze zur Taubheit. Aber ich komme damit gut klar.

Vicky Koch

Schwerhörigkeit

Warum Vicky schwerhörig ist, ist unklar. „Ich bin schon von Geburt an schwerhörig – an der Grenze zur Taubheit. Aber ich komme damit gut klar", erzählt sie. Vicky ist die Einzige in ihrer Familie mit Hörproblemen. Anmerken tut man es ihr jedoch nicht. Das Lippenlesen in Kombination mit ihren Hörgeräten ermöglicht es ihr, andere zu verstehen. Sprechen kann sie wie andere.

Vicky erzählt, dass sie als Kleinkind das Sprechen bei einem Sprachpädagogen lernte, und auch die ersten sechs Jahre der Grundschule auf einer Sprach- und Hör-Behinderten Schule verbrachte. „Danach habe ich gesagt, ich möchte einfach ganz normal in die Schule, wie die anderen. Keine besondere Hilfe. Ich wollte einfach selbstständig sein", erklärt sie.

Danach habe ich gesagt, ich möchte einfach ganz normal in die Schule, wie die anderen. Keine besondere Hilfe. Ich wollte einfach selbstständig sein.

Vicky Koch

Daher besuchte sie daraufhin reguläre Schulen und absolvierte auch ihre erste Ausbildung, ohne extra Hilfe zu beantragen. Auch in Vickys jetziger Ausbildung ist es ihr wichtig, wie jeder anderer bzw. jede andere behandelt zu werden.

Portraitaufnahme von Vicky
Insbesondere die Hilfsbereitschaft in Dänemark freut Vicky. Foto: Karin Riggelsen

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Einen wesentlichen Vorteil sieht Vicky beim Schlafen, weil sie einfach ihre Hörgeräte rausnimmt und dann ihre Ruhe hat. Auch das Staubsaugen ihrer Partnerin kann sie nicht aufwecken.

Rechtliche Vorteile sieht Vicky, weil ihr aufgrund eines Kündigungsschutzes nicht schnell gekündigt werden kann und sie fünf Tage mehr Urlaub hat.

Ohne Musik geht gar nichts.

Vicky Koch

Trotz Schwerhörigkeit hört Vicky gerne und oft Musik. „Ohne Musik geht gar nichts", erzählt sie. Via Bluetooth kann sie über ihre Hörgeräte Lieder abspielen und sogar telefonieren. Somit kann sie nie ihre Kopfhörer vergessen und kann jederzeit, auch während des Gespräches mit anderen, ihre Musik starten.

Nachteile in ihrem Leben sieht sie zum Beispiel im Verkehr. Weil Vicky beim Fahrradfahren öfter kein Auto hört, muss sie extra vorsichtig fahren. Ein großer Nachteil ist auch, dass Vicky zu Hause nach dem Herausnehmen der Hörgeräte im Fall des Falles keinen Feueralarm oder Einbrecher hören kann.

Finanzielle Frage und Benachteiligung

Leider nimmt Vickys Hörvermögen mit der Zeit immer mehr ab, und die Preise für neue Hörgeräte sind sehr hoch, und können bis zu 8.000 Euro (59.500 Kronen) betragen. Im Gegensatz zu Dänemark werden Hörgeräte in Deutschland nur sehr selten von der Krankenkasse bezahlt.

Schwerhörigkeit kann zu Herausforderungen führen, Vicky ist es aber seit der Geburt gewohnt. Sie hat sich daher angepasst, fühlt sich nicht benachteiligt und erlebte auch fast immer Chancengleichheit.

Bei ihrer Berufswahl konnte sie leider, aufgrund ihrer Schwerhörigkeit, ihren eigentlichen Traumberuf Pathologin nicht realisieren. "Eigentlich wollte ich Pathologin werden. Aufgrund meines Handicaps konnte ich das nicht. Das war sehr schade", erzählt Vicky.

Eigentlich wollte ich Pathologin werden. Aufgrund meines Handicaps konnte ich das nicht. Das war sehr schade.

Vicky Koch

Eine Begründung, warum man als Pathologin oder Pathologe keine Hörbehinderung haben darf, hat Vicky nie bekommen. Sie freut sich aber über ihre jetzige Ausbildung und ist dafür begeisterte Krimi-Leserin und schaut auch gern Krimifilme an. Dabei kann sie der Pathologie doch noch etwas näher sein.

Praktikum in Dänemark und Zukunft

Auch wenn Vicky bereits Heimweh hat, kann sie dem Kleinstadtcharme doch etwas abgewinnen. Vicky gefällt das Praktikum in der Bücherei nämlich sehr gut, und sie betont neben der Hilfsbereitschaft auch, dass sie hier sehr gut aufgenommen wurde.

Vickys Traum ist es, nach der Ausbildung von ihrer Ausbildungsstätte, der Universitätsbibliothek Cottbus-Senftenberg, übernommen zu werden, und dort in der Bibliothek arbeiten zu dürfen.

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