Deutsch-dänischer Verkehr

Ziel der NEG-Niebüll: Schnellere grenzüberschreitende Züge

Ziel der NEG-Niebüll: Schnellere grenzüberschreitende Züge

Ziel der NEG-Niebüll: Schnellere grenzüberschreitende Züge

Tondern/Niebüll
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In Niebüll wurde auch eine große dieselelektrische Lok der Gesellschaft RDC präsentiert. Die Siemens-Vectron-Lok befördert Autozüge zwischen Niebüll und Westerland (Sylt). Eine Ausführung der Lok mit Stromversorgung aus der Oberleitung neben einem dieselgetriebenen Generator könnte in einigen Jahren Intercityzüge der Deutschen Bahn nach Niebüll und Westerland befördern und für kürzere Fahrzeiten sorgen. Die abgebildete Lok erreicht Tempo 160. Foto: Volker Heesch

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Beim Tag der Schiene der RDC Deutschland in Niebüll gab es Informationen über Ausbaupläne im Bereich Niebüll-Tondern-Bramming, auf der Linie nach Dagebüll und im deutsch-skandinavischen Nachtzugverkehr. Besucherinnen und Besucher blickten hinter die Kulissen des Unternehmens.

Am Sonnabend nutzten zahlreiche Interessierte während des Tags der Schiene der RDC Deutschland Gruppe in Niebüll im Bereich der Werkstatt der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (NEG Niebüll) die Gelegenheit, einen Blick in den Betrieb der Privatbahn zu werfen. Diese ist seit Jahresbeginn auch Eigentümerin der Bahnstrecke Niebüll-Tondern (Grenze) und der NEG.

Chefs der Bahn informierten in Niebüll

Die Geschäftsführer der NEG Niebüll, Gerhard Neumann und Julian Rönsch, berichteten im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ über den Ausbau der grenzüberschreitenden Bahnstrecke mit dem digitalen Signal und Sicherheitssystem ETCS. „Im Streckenabschnitt auf deutscher Seite der Grenze werden die technischen Voraussetzungen für eine Anhebung der Geschwindigkeit der Züge auf 120 Stundenkilometer geschaffen“, so Gerhard Neumann.

Julian Rönsch und Gerhard Neumann (r.), die Geschäftsführer der NEG Niebüll stellten in der Werkstatt des Unternehmens Pläne zur Verbesserung der Bahnverbindung zwischen Niebüll und Esbjerg vor. Foto: Volker Heesch

„Wir verzeichnen im grenzüberschreitenden Zugverkehr seit den Einschränkungen während der Corona-Krise laufend steigende Fahrgastzahlen“, so Rönsch. Er verwies auf die Zielsetzung, den Reisezugverkehr zwischen Niebüll-Tondern und Esbjerg in den kommenden Jahren deutlich zu beschleunigen. Die NEG-Niebüll ist gemeinsam mit dem Unternehmen Arriva vom dänischen Transportministerium und dem schleswig-holsteinischen Nahverkehrsverbund (NahSH) erst kürzlich für weitere acht Jahre mit der Bedienung der 1997 fast 20 Jahre nach Einstellung des zuletzt nur noch saisonalen Reiseverkehr wiedereröffneten Strecke beauftragt worden.

Der Ausbau der nördlichen Marschbahn zwischen Niebüll und Bramming wurde auf dem Informationsstand der NEG Niebüll vorgestellt. In Arbeit ist die Ausrüstung der Strecke mit dem digitalen Sicherheitssystem ETCS. Foto: Volker Heesch

„Wir haben im Monat zuletzt rund 14.000 Reisende gezählt“, so Julian Rönsch, der hofft, dass auch auf dänischer Seite der Strecke mit der bereits angelaufenen Ausrüstung des Schienenstrangs mit ETCS und mit der Schaffung neuer Zugkreuzungsmöglichkeiten die Fahrzeiten deutlich verkürzt werden.

Tonderns Bürgermeister unterstützt die Ausbaupläne

Der Tonderner Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) unterstützt die Pläne, die allein zwischen Tondern und Bramming die Reisezeit von heute rund 60 Minuten auf 45 schrumpfen lassen könnten. „Vor allem würde es den Reisenden ermöglichen, in Bramming und Niebüll besser Anschlüsse im Fernverkehr zu bekommen“, so Julian Rönsch.

Die Triebwagen der Gesellschaft Arriva rollen bei Tondern über die deutsch-dänische Grenze. Von Tondern bis Niebüll sind Triebfahrzeugführer der NEG Niebüll auf den Zügen im Einsatz. Foto: Volker Heesch

Die Bahnstrecke Tondern-Esbjerg könnte künftig im Zeichen klimafreundlicheren Urlaubsverkehrs noch viel mehr von Gästen der dänischen Westküste genutzt werden. Die NEG-Geschäftsführer berichteten auch über Fortschritte, den Reisezugverkehr zwischen Niebüll und Dagebüll zu verbessern. Unabhängig von den Plänen, die Strecke zwischen Niebüll und dem Hafenort mit Verbindung nach Föhr und Amrum zu elektrifizieren, sei der Verkehr mit Zugteilen der neuen Generation Intercity-Reisezugwagen der Deutschen Bahn zwischen Niebüll und Dagebüll gesichert.

RDC engagiert sich im Fernverkehr

Während der Veranstaltung in Niebüll, bei der Lokomotiven, die RDC-Autozüge zwischen Sylt und dem Festland ziehen, NEG-Triebwagen und der Werkstattbetrieb präsentiert wurden, informierte der Geschäftsführer der Railroad Development Corporation (RDC) Deutschland, Markus Hunkel, auch über die internationalen Aktivitäten des US-Unternehmens.

Dr. Markus Hunkel (r.) ist Geschäftsführer der RDC Deutschland, in deren Besitz die Strecke zwischen Niebüll und Tondern Grenze ist. Neben ihm Torge Nielsen, zuständig für Güterverkehr im Bereich der NEG Niebüll. Foto: Volker Heesch

In Deutschland betreibt RDC Fernzüge wie den BTE-Autoreisezug zwischen Hamburg und Lörrach, fährt im Auftrag der Schwedischen Staatsbahnen (SJ) den neu geschaffenen Nachtzug Stockholm-Hamburg-Altona und schickt eigen Güterzüge über die Gleise. Bei den Nachtzügen zwischen Deutschland und Skandinavien bemühe man sich um Zustiegsmöglichkeiten auch im deutsch-dänischen Grenzland.

Zustieg in Nachtzug in Pattburg derzeit nicht möglich

Aktuell gib es einen Halt des Zuges in Pattburg (Padborg) zum Lokwechsel. Ein- und Ausstieg von Reisenden ist aber nicht möglich. Bei RDC ist geplant, in den kommenden Jahren auch wieder den Alpen-Sylt-Nachtexpress einzusetzen, der auch für Touristinnen und Touristen aus Dänemark interessant ist. Der Vertreter der NEG-Güterverkehrssparte in Niebüll, Torge Nielsen, berichtete, dass es Bemühungen gebe, den klimafreundlichen Güterverkehr in Schleswig-Holstein auszubauen. Auch Leistungen in Dänemark könnten angeboten werden. Zum Unternehmen RDC gehört ebenfalls ein Werk in Großbritannien, in dem elektrische Triebwagen hergestellt werden, die ihre Energie aus Batterien beziehen.

Fahrzeuge tanken Biodiesel

Die Geschäftsführer der NEG Niebüll berichteten, dass in den kommenden Jahren weiter die bewährten LINT-Triebwagen im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Niebüll, Tondern und Esbjerg eingesetzt werden. Sie berichteten, dass bei der NEG und RDC als Beitrag zum Klimaschutz Biodiesel eingesetzt werde, um die Belastungen der Umwelt durch Kohlendioxid zu vermindern.

Der Triebwagen T4 der NEG Niebüll ist 1995 bei den Jenbacher Werken hergestellt worden. Das Fahrzeug kommt zuweilen auch im Verkehr nach Dänemark zum Einsatz. Früher hat es mitunter sogar Güterwagen im grenzüberschreitenden Verkehr befördert. Foto: NEG Niebüll

Im Gespräch war in den vergangenen Jahren, auch batteriebetriebene elektrische Triebwagen auf der grenzüberschreitenden Strecke einzusetzen. Während der Veranstaltung informierten RDC und NEG Niebüll über Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote im Bereich Niebüll.

Die Lok DL 2, Baujahr 1961 als BR V 100 der Deutschen Bundesbahn, ist nach einem Umbau seit 1988 als DL 2 für die NEG Niebüll unterwegs. Foto: Volker Heesch

Auf dem Gelände waren auch die Freiwillige Feuerwehr, die Niebüller Jugendfeuerwehr, das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk (THW) und die Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch unter anderem mit einer Draisine vertreten. Erwachsene und Kinder nutzten fleißig die Gelegenheit, einen Blick in die Welt des Bahnbetriebs zu werfen oder ein Stück Bahngleise per Draisine zurückzulegen. Die Hilfsorganisationen demonstrierten, dass sie auch ständig bereitstehen, um bei Unfällen im Bahnbetrieb zu helfen.

Die Draisine der Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch wurde beim Tag der Schiene in Niebüll fleißig benutzt. Foto: Volker Heesch
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