Energiekrise

Dänemark geht wegen hoher Kraftstoffpreise vom Gas

Dänemark geht wegen hoher Kraftstoffpreise vom Gas

Dänemark geht wegen hoher Kraftstoffpreise vom Gas

Gerrit Hencke
Gerrit Hencke Journalist
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Autobahn
Die Menschen fahren seit März 2022 langsamer auf den Autobahnen. Foto: Vejdirektoratet

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Die Menschen fahren wegen höherer Benzinpreise langsamer. Das zeigt eine Auswertung der Verkehrsbehörde. Das hat große CO₂-Einsparungen zur Folge. Der Trend zur niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeit wird laut einem Experten wohl anhalten.

Wegen der steigenden Preise für Diesel und Benzin haben die dänischen Autofahrerinnen und Autofahrer im vergangenen Jahr das Tempo auf Autobahnen gedrosselt. Dies geht aus dem Geschwindigkeitsbarometer der Verkehrsbehörde hervor.

Demnach wurde trotz der geltenden Tempolimits von 110 und 130 Stundenkilometern eine langsamere Durchschnittsgeschwindigkeit von 111,6 (2019: 113,6) und 118,5 (2019: 120,7) km/h gemessen; 2 bis 3 Stundenkilometer weniger als noch in den Vorjahren. Dabei wurden etwa Staus und andere Ursachen, die das eigene Tempo ungewollt drosseln, herausgerechnet.

Steigende Energiepreise verantwortlich

„Aus unseren Diagrammen geht klar hervor, dass dies im März begann und mit den steigenden Energiepreisen zusammenhängt“, sagt Niels Moltved, Projektleiter bei der dänischen Verkehrsbehörde. Zwar seien die Preise inzwischen wieder gefallen, die Gewohnheiten aber geblieben. Derzeit gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich die Geschwindigkeiten auf den Autobahnen in absehbarer Zeit normalisieren werden. Dies hänge laut Moltved wohl auch damit zusammen, dass die Menschen angesichts der Inflation ohnehin mit Problemen zu kämpfen haben und daher nach Wegen suchen, etwas Geld zu sparen.

Geschwindigkeit auf Autobahnen
Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist in den vergangenen Jahren gesunken. Foto: Vejdirektoratet

„Es ist einfach, Geld zu sparen, und man kommt vielleicht ein paar Minuten später ans Ziel, aber die meisten Leute werden damit leben können, wenn sie erst einmal wissen, dass sie bis zu 500 Kronen im Monat sparen können“, sagt Moltved.

CO2-Ausstoß von 19.000 Pkw eingespart

Der geringere Kraftstoffverbrauch ist aber nicht nur gut für das Bankkonto der Autofahrerinnen und Autofahrer, sondern auch für das Klima. Allein auf den dänischen Autobahnen haben die Menschen laut Berechnungen durch ihre angepasste Fahrweise im Vergleich zu 2019 rund 41.000 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht dem Ausstoß von 19.000 Autos.

Tempolimit auf dänischen Autobahnen
Die Grafik zeigt, welchen Einfluss die Temporeduzierung um nur wenige Kilometer pro Stunde hat. Foto: Vejdirektoratet

„Viele Däninnen und Dänen haben erkannt, dass der Kraftstoff länger reicht, wenn man langsamer fährt“, sagt Moltved. „Es gab schon mehrere gute Kampagnen über die vielen Vorteile des Langsamfahrens, aber die Krise war vielleicht der Anstoß, der nötig war.“

Am niedrigsten waren die Durchschnittsgeschwindigkeiten auf den Autobahnen im Dezember. Hier erreichten die Fahrer einen rekordverdächtig niedrigen Durchschnitt von 110,0 und 116,3 km/h. auf Autobahnen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen von 110 bzw. 130 km/h.

Durchschnittstempo wird auch 2023 sinken

Moltved geht davon aus, dass die Geschwindigkeiten auch 2023 weiter sinken werden. „Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, sparsam und mit Blick auf den Tacho zu fahren, kann man auch genauso weiterfahren.“

Vergleich zu Deutschland

In Deutschland hingegen wird seit Jahren über ein Tempolimit von mal 120, mal 130 Stundenkilometern gestritten. Hier zeigen Zahlen aus dem vergangenen Jahr, dass die Deutschen trotz Inflation und hoher Energiekosten kaum auf den Geldbeutel schauen. So hat sich in Deutschland die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen im Vergleich von Februar zum März 2022 nur um einen Kilometer pro Stunde verringert. Sie lag bei 105 km/h und fiel auf Tempo 104, was aber an vielen Baumaßnahmen lag.

Über den gesamten Tag gerechnet fahren auch auf den unlimitierten Strecken in Deutschland fast 77 Prozent der Pkws langsamer als 130 km/h. Das zeigen Zahlen vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Weitere 12 Prozent fahren zwischen 130 und 140 Kilometer pro Stunde, wobei die meisten dieser Fahrzeuge nur wenig schneller sind, als es die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h vorgibt. Weitere 6,2 Prozent der erfassten Pkw fuhren zwischen 140 und 150 km/h, wobei auch hier die Mehrheit mit Geschwindigkeiten an der Untergrenze gemessen wurde. Nur weniger als 2 Prozent der erfassten Fahrzeuge fuhren schneller als 160 km/h, von diesen aber ein großer Anteil deutlich schneller als 160 km/h.

Auswertungen aus den Jahren 2010 bis 2014 zur Durchschnittsgeschwindigkeit zeigen, dass auf Strecken ohne Tempolimit die Durchschnittsgeschwindigkeit 124,7 km/h betrug, bei einer Begrenzung von 120 km/h lag sie nur bei 115,6 km/h, bei Tempo 130 waren es 118,3 km/h. Rund 30 Prozent der deutschen Autobahnstrecken verfügen heute über ein permanentes Tempolimit.

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