Grenzüberschreitendes

Postnord stellt Briefzustellung ein: Deutsche Post in Gesprächen

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Briefkasten
Der Brief ist eine aussterbende Art der Kommunikation – Postnord zieht daraus Konsequenzen und wird bereits im Laufe des Jahres damit beginnen, die 1.500 Briefkästen abzumontieren.

Die Beförderung von Briefen über die deutsch-dänische Grenze wird auch nach dem Rückzug von Postnord aus dem Zustellgeschäft weitergehen. Noch ist unklar, ob etwa der Versanddienstleister Dao übernimmt, der als wahrscheinlichster Kandidat gilt. Sicher scheint nur, dass das Porto weiter steigt.

Weil die Zahl der Briefsendungen massiv zurückgeht, hat das staatliche Logistik- und Postunternehmen PostNord reagiert und stellt die Zustellung zum Jahresende 2025 ein. Zudem verlieren 1.500 der 4.600 Mitarbeitenden ihren Job.

Doch was passiert mit Briefen, die zwischen Deutschland und Dänemark verschickt werden? Bleiben diese künftig an der Grenze liegen?

„Die Postnord Danmark stellt in jedem Fall noch bis Ende dieses Jahres die Beförderung internationaler Post sicher“, sagt Stefan Laetsch, Leiter der regionalen Kommunikation Nord bei der Deutschen Post. Und auch danach werde es weitergehen.

Anbieter könnte verpflichtet werden

„Das zugrundeliegende dänische Postgesetz sieht vor, dass die Beförderung von internationalen Postsendungen gemäß Weltpostvertrag ausgeschrieben werden kann und – wenn sich auf diesem Weg kein Anbieter findet – ein Anbieter zur Erbringung der Leistung verpflichtet werden soll.“

Welche Lösung in Dänemark ab dem kommenden Jahr Anwendung finden wird, das könne die Deutsche Post zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, so Laetsch. „Wir sind jedoch mit der Postnord Danmark und einem potenziellen Alternativdienstleister im Austausch.“

Dieser Dienstleister dürfte DAO sein, der künftig die Verantwortung für die Zustellung von Briefsendungen übernehmen möchte. Laut „TV2“ plant DAO die Zustellung in Kombination mit Paket-, Zeitungs- und Magazinlieferungen. Das Unternehmen wird dann zu einem Monopolisten der Briefzustellung. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Preise für Briefmarken dann steigen werden.

Briefzustellung in Deutschland „noch über Jahre“

Hintergrund: Postzustellung in Dänemark

Seit dem Jahr 2000 ist die Anzahl der Briefe um 90 Prozent gesunken, allein von 2023 auf 2024 ging sie um weitere 30 Prozent zurück. Hinzu kommt: Seit dem 1. Januar 2024 gilt in Dänemark eine neue Postgesetzgebung, die Postnord von der bisherigen Beförderungspflicht entbindet. Damit entfielen auch die staatlichen Zuschüsse an das Unternehmen, die die Briefzustellung bis dato subventionierten. Selbst eine Portoerhöhung auf 29 Kronen kann den Verlust nicht ausgleichen. Die Briefzustellung bleibt ein Minusgeschäft.

Auch innerhalb Deutschlands wird seit Januar 2025 gebremst. 95 Prozent der heute eingeworfenen Briefe werden in der Regel erst drei Werktage später ankommen. Die neuen Laufzeitvorgaben sind per Reform des Postgesetzes beschlossen worden und lösen eine Regelung aus den 1990er-Jahren ab, wonach 80 Prozent der Briefe am nächsten Werktag zugestellt sein sollen. Damals spielte das Internet noch eine Nischenrolle.

Dennoch wird Deutschland Dänemark nicht folgen, wie die Post gegenüber „heise.de“ mitteilte: „Trotz Mengenrückgangs bleibt der Brief in Deutschland wichtig, und wir gehen davon aus, dass wir auch noch viele Jahre in Deutschland Briefe bearbeiten und zustellen werden.“ In der Bundesrepublik ist die Post zudem Erbringer des Universaldienstes.

Laufzeit über die Grenze

Die vereinbarte Laufzeit für Briefe zwischen Postnord und Deutscher Post beträgt von Deutschland nach Dänemark 5 bis 7 Werktage – also maximal 9 Tage, in Richtung Deutschland 4 bis 6 Werktage – also maximal 8 Tage.

Vier Transporte wöchentlich

„Sendungen mit dem Zielland Dänemark bearbeiten wir als Deutsche Post je nach Sendungsart an unserem Briefzentrum in Kiel oder am Internationalen Brief- und Paketzentrum in Frankfurt. Um eine zeitnahe Übergabe an das dänisch-schwedische Staatsunternehmen Postnord zu gewährleisten, finden viermal wöchentlich Transporte in Richtung dänische Grenze statt“, heißt es aus der Pressestelle der Deutschen Post weiter.

Es ist davon auszugehen, dass an diesen Rahmenbedingungen auch nach 2026 festgehalten wird. Von der Deutschen Post heißt es dazu lediglich: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu den Prozessen ab 2026 noch keine Angaben machen können.“