Vorlesewettbewerb

Kopf-an-Kopf-Rennen entscheidet über die ersten Plätze

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Die erstplatzierte Solvej Herber Horsbøl entschied sich, aus dem Buch „Warrior Cats“ von Erin Hunter vorzulesen.

Die Aufregung war groß – genau wie das Vorlesetalent der acht Sechstklässlerinnen und Sechstklässler, die beim 55. Nordschleswig-Entscheid ihr Können zeigten. Keine leichte Aufgabe für die fünfköpfige Jury, die die völlig überraschte Solvej Herber Horsbøl von der LAS Tondern zur Siegerin des Vorlesewettbewerbs kürte.

„Aber es waren doch alle so gut“, lautet die erste, erstaunte Reaktion der diesjährigen Siegerin des Vorlesewettbewerbs aller deutschen Schulen in Nordschleswig.

Solvej Herber Horsbøl kann im ersten Moment noch gar nicht glauben, was nun seit ein paar Sekunden feststehen soll: Die Schülerin der Ludwig-Andresen-Schule Tondern hat den ersten Platz belegt.

Nun ist die Freude groß – denn die Konkurrenz war es auch.

Die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler, die an diesem Wettbewerb teilnehmen, hatten sich schließlich zuvor schulintern gegen ihre Mitschülerinnen und Mitschüler durchgesetzt.

Solvej Herber Horsbøl (zweite von links) braucht ein paar Sekunden, um zu realisieren: Ich habe gewonnen!

In acht Reisen durch den Wettbewerb

Die fünfköpfige Jury hat es also ausschließlich mit Gewinnerinnen und Gewinnern zu tun.

Und recht schnell zeigt sich: Die fünf Frauen der Jury haben an diesem Tag wirklich keinen einfachen Job! Das wird Moderatorin Birte Kristensen, Lehrerin an der Deutschen Schule Tingleff, am Ende der Veranstaltung ebenfalls einräumen.

In der ersten Vorleserunde nehmen die Jungen und Mädchen das Publikum mit „auf acht verschiedene kleine Reisen“, wie es Kristensen ausdrückt, als sie nach der Pause die erste Lese-Runde Revue passieren lässt. Für diese Reise hatten die Schülerinnen und Schüler eine Text-Passage aus einem Buch ihrer Wahl vorbereitet.

Nun folgt die nächste Herausforderung: Nacheinander sollen die Jugendlichen verschiedene Ausschnitte aus einem Buch vorlesen, das Kristensen für den heutigen Anlass ausgewählt hat.

Eine große Kunst: beim Vorlesen fesseln.

Auch hier glänzen die Jungen und Mädchen und beweisen ihre individuelle Stärke beim Vorlesen. Während ein Leser seinen Sätzen mit passender Mimik Ausdruck verleiht und keinen Ausruf unbetont lässt, setzt eine andere Leserin gekonnt Pausen und zeigt sich sicher im Formen einer Satzmelodie.

Ruhe bewahren

Von Aufregung und zitternden Stimmen während des Vorlesens ist bei den Teilnehmenden keine Spur! Und das ist wirklich eine Kunst.

Denn auch, wenn eine ähnliche Situation kürzlich an der eigenen Schule gemeistert wurde – dort kannten sie die Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen und Schüler. Das ist heute anders.

„Ich war, bevor ich dran war, so aufgeregt; ich habe richtig gezittert“, gesteht Solvej, nachdem die Veranstaltung und das ganze Aufheben um sie vorbei sind. „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich gewinne.“

Die zweitplatzierte Helena Dombrink liest den vorgegebenen Ausschnitt aus „Atlas, Elena und das Ende der Welt“.

Den zweiten Platz belegt Helena Dombrink (Deutsche Privatschule Feldstedt), den dritten teilen sich Frida Kirste (Deutsche Privatschule Apenrade) und Vincent Langenhan (Deutsche Schule Rothenkrug).

„So ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen hatten wir noch nie. Ihr seid wirklich eine ganz starke Truppe“, sagt Kristensen anerkennend, bevor die Wettbewerbsgewinnerin des vergangenen Jahres, Lena-Sophie Mascher, die Teilnehmerurkunden verteilt.

Die vier Gewinner (von links): Helena Dombrink (Zweiter Platz), Solvej Herber Horsbøl (Erster Platz), Vincent Langenhan und Frida Kirste (beide dritter Platz)

Was wohl die Preise bei einem Vorlesewettbewerb sind? Bücher!

Als Preis können sich die drei Gewinnerinnen und der Gewinner nacheinander das passende von vier angebotenen Büchern aussuchen.

Solvej darf als erste wählen – und muss nicht lange überlegen. Sie entscheidet sich für jenes Buch, aus dem die Jugendlichen kurz zuvor in der zweiten Runde jeweils einen Abschnitt vorgelesen haben. „Mir hat die Geschichte sehr gefallen“, so Solvej.

Die Jury zieht sich zur Beratung zurück.

Mit dem Sieg hat sich die Zwölfjährige nun für den Landesentscheid in Schleswig-Holstein qualifiziert, bei dem sie Nordschleswig vertreten wird. Ihre Lese-Reise ist also noch nicht am Ende angelangt.

Der Vorlese-Wettbewerb wird jedes Jahr vom Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) und dem Verband Deutscher Büchereien in Nordschleswig ausgetragen. Partnerorganisation ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. In diesem Jahr fand die Veranstaltung das 55. Mal statt.

Die Jury

In der fünfköpfigen Jury berieten sich gemeinsam mit Birte Kristensen auch Silke Amthor, Kinder- und Jugendbibliothekarin der Deutschen Zentralbücherei Apenrade, Martina Domke, Schulbibliothekarin der Deutschen Schule Pattburg, die Vorjahressiegerin Lena-Sophie Mascher von der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern sowie die Video- und Marketing-Koordinatorin des „Nordschleswigers“, Lene Neumann Jepsen.

Birte Kristensen moderiert die Veranstaltung.