Südschleswig

„Die saufen doch nur“: Feuerwehrleute aus der Region räumen mit Klischees auf

Die Freiwillige Feuerwehr löscht nicht nur Brände, sondern ist vielseitig im Einsatz.

Rund 12.500 aktive freiwillige Feuerwehrleute zählen die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg zusammengenommen. Oft werden die Brandbekämpfer mit Vorurteilen konfrontiert. Doch was stimmt? Wir machen den Faktencheck.

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Zusammenfassung

  • Freiwillige Feuerwehrleute aus Nordfriesland und Schleswig-Flensburg überprüfen gängige Klischees über ihren Dienst.
  • Sie betonen, dass Einsätze weit über das Löschen von Bränden hinausgehen und Frauen sowie Menschen mit Handicap selbstverständlich dazugehören.
  • Vorurteile über Alkohol, Muskelkraft und „Katzen vom Baum“ werden als überzeichnet oder falsch eingeordnet, während die wichtige Rolle der Feuerwehren im Dorfleben bestätigt wird.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Sie sind im Einsatz, wenn es brennt oder Verletzte gibt, bei Wind und Wetter, in der Nacht und am Tag. Und das ehrenamtlich. Rund 5500 aktive freiwillige Feuerwehrleute gibt es in Nordfriesland, etwas mehr als 7000 im Kreis Schleswig-Flensburg. Trotz ihres unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatzes müssen sich Feuerwehrleute auch hierzulande immer wieder Klischees über sich anhören. Die meisten davon sind natürlich augenzwinkernd gemeint. Aber manches ist auch gemein oder schlichtweg falsch, was über Feuerwehrleute so gesagt wird.

Wir machen den Faktencheck mit Feuerwehrleuten aus der Region: mit Michael Voß, Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Wanderup, mit Alexander Loos, Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Breklum, und mit Süntja Andersen, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Westre.

„Die Feuerwehr löscht hauptsächlich Brände“

Andersen: Nein, auf keinen Fall. Die Feuerwehr macht inzwischen alles. Oder sagen wir fast alles.

Voß: Nein, das stimmt nicht. Wir machen auch viel technische Hilfe, fahren zu Verkehrsunfällen raus, machen Türöffnungen oder holen auch mal eine Katze vom Baum.

Loos: Die Feuerwehr übernimmt dank fortschreitender Brandschutztechnik, dem Einsatz von Rauchmeldern und aktiver Aufklärungsarbeit etwas weniger Löscharbeiten als früher. Die Bereiche Technische Hilfe, Brandschutzerziehung und -aufklärung sowie soziales Engagement vor Ort wurden in den vergangenen Jahren noch wichtiger.

„Bei der Feuerwehr sind nur Männer“

Andersen: Quatsch, diese Zeiten sind lange her. Frauen an die Macht!

Voß: Nein, wir haben einige Frauen bei uns und möchten gerne noch viel mehr Frauen im Team. Das Geschlecht spielt bei uns überhaupt keine Rolle, wir nehmen alle, die motiviert sind und Lust haben.

Loos: Die Feuerwehr ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und glücklicherweise wird es auch bei uns nun zunehmend diverser. In unserer Wehr waren die letzten Neumitgliedschaften alles Frauen und somit freuen wir uns sehr, dass wir aktiv zeigen konnten, dass alle herzlich willkommen sind.

„Die saufen doch eh nur die ganze Zeit“

Andersen: Das Einzige, was bei uns fließt, ist Löschwasser ;)

Voß: Um Gottes willen. Wir nehmen unser Ehrenamt sehr ernst und dazu gehört es auch, stets einsatzbereit und fahrtüchtig zu sein.

Loos: Gerade auf dem Land sind „liebgewonnene Gewohnheiten“ und „machtmanhierso“ allgegenwärtig. Auch hier ist eine Entwicklung festzustellen durch den Eintritt von jüngeren Kameraden, die nicht nach jedem Übungsabend oder Zusammenkommen ein „Bierchen“ benötigen.

„In jedem Feuerwehrgerätehaus gibt es eine Stange zum Runterrutschen“

Andersen: Und noch einen Besen zum Fegen? Quatsch, das gibt es nicht bei uns.

Voß (lacht): Nein, das ist ein Klischee. So was gibt es vielleicht bei Berufsfeuerwehren, aber sicher nicht bei uns. Wäre aber lustig.

Loos: Nein. Unabhängig von baurechtlichen und Sicherheitsaspekten sind viele der Gerätehäuser eingeschossig und der Einsatz einer Stange zum Runterrutschen nur am gegebenenfalls vorhandenen Fahrradständer vor dem Gebäude möglich.

„Man braucht riesige Muskeln, um zur Feuerwehr zu gehen“

Andersen: … und einen schlauen Kopf!

Voß: Überhaupt nicht. Wir haben bei uns einen Kameraden mit nur einem Arm und einen weiteren Kameraden mit Handicap, der nicht zu Einsätzen mit rausfährt, aber im Hintergrund sehr viel mithilft.

Loos: Der Einsatz einer transportablen Pumpe, das Tragen von Schläuchen oder der Einsatz unter Atemschutz ist mitunter anstrengend, und sportliche Fitness ist hier extrem hilfreich. Das Gute: Feuerwehrarbeit ist Teamarbeit. Durch die gemeinsame Arbeit ist es unabhängig von der eigenen Konstitution in der Regel immer möglich, sinnvolle Aufgaben zu übernehmen: Straße absperren, Funk übernehmen, Bedienung vorhandener Technik, Betreuung und Koordinierung von Personen … vieles mehr ist für alle geeignet.

„Ohne die Feuerwehr läuft nichts im Dorf“

Andersen: Stimmt! (lacht)

Voß: Das würde ich so nicht sagen. Auch wenn wir viel machen und viel auf die Beine stellen, gibt es auch noch andere Vereine im Dorf, die sehr engagiert sind.

Loos: Feuerwehren sind gerade in den kleineren Gemeinden ein wichtiger Teil des Dorflebens. Wir übernehmen Aufbauarbeiten, unterstützen mit Technik, stellen den Brandschutz sicher. Wir sind Mitglied in einer Feuerwehr, weil wir gerne helfen, und das sehr oft über klassische Feuerwehraufgaben hinaus. Und ja: Wir grillen mitunter auch auf Veranstaltungen. ;)

„Katzen vom Baum retten ist Alltag“

Andersen: Hunde retten wir nur ganz selten vom Baum, Katzen hin und wieder schon.

Voß: Alltag würde ich nicht sagen, aber zwei, drei Katzen im Jahr retten wir schon von Bäumen. Und nicht nur Katzen retten wir, da gehören auch andere Tiere dazu.

Loos: Tierrettungen kommen vor. Die klassische Katze im Baum ist sehr, sehr selten. Tiere, die aus eigener Kraft nicht mehr aus einem Graben kommen, sind aber durchaus reale Einsatzszenarien, die gerade auf dem Land vorkommen können.

Andersen: Jawoll, jederzeit!

Voß: Wie gesagt, wir nehmen unser Ehrenamt sehr ernst, haben zum Glück eine sehr gute Einsatzverfügbarkeit und sind nach einer Alarmierung immer spätestens nach fünf Minuten mit dem ersten Fahrzeug draußen.

Loos: Feuerwehr ist mehr als ein Hobby. Viele von uns verbringen die gesamte Freizeit mit diesem schönsten Ehrenamt der Welt. Und neben einem großen, gelebten Miteinander sind wir aus Überzeugung Mitglied, um anderen in Notlagen zu helfen. Niemand lässt Kinder allein, um zum Einsatz zu fahren. Wenn es die Umstände möglich machen, sind wir in wenigen Minuten oft bereits auf dem Weg zum Einsatzort, um zu retten, zu löschen, zu bergen und zu schützen.