Deutsche Minderheit

Niedergeschlagenheit in Rapstedt nach dem verkündeten Aus

Veröffentlicht Geändert
Die Enttäuschung über die bevorstehende Schulschließung war den Lehrkräften in Rapstedt am Mittwoch deutlich anzumerken.

Die erhoffte Kehrtwende blieb aus. Der Deutsche Schul- und Sprachverein hat der Deutschen Schule und dem Kindergarten in Rapstedt mitgeteilt, die Bezuschussung aus finanziellen Gründen und mangels Perspektive einzustellen und an der Empfehlung festzuhalten, die Einrichtungen zu schließen. Die ersten Reaktionen aus Rapstedt.

„Wir waren so zuversichtlich, dass unser Konzept überzeugt und es an der Schule weitergeht. Die Entscheidung des DSSV und des BDN hat uns alle sehr geschockt. Es läuft doch gut bei uns“, so die erste Reaktion einer spürbar niedergeschlagenen Vorsitzenden Christina Buchmeier am späten Dienstagabend am Telefon. 

Kurz zuvor hatte eine Delegation von DSSV (Deutscher Schul- und Sprachverein) und BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) vor Ort verkündet, dass die deutsche Schule und der angrenzende Kindergarten in Rapstedt nicht mehr bezuschusst werden und dass an der Empfehlung festgehalten wird, den Betrieb der Einrichtungen einzustellen. 

Ab dem neuen Schuljahr 2026 fließt kein Geld mehr für die Schule. Die Schließung des Kindergartens könnte je nach Beschluss des DKA-Vorstandes (Deutsche Kindergärten Apenrade) schon früher erfolgen.

Das fast 60 Seiten umfassende Zukunftskonzept aus Rapstedt war nicht der erhoffte Rettungsanker. Die Entscheidungsträgerinnen und -träger von DSSV und BDN ließen sich davon nicht umstimmen. 

Während Rapstedt die Segel streichen muss, hat der DSSV die Empfehlung für den Kindergarten und die Schule in Lunden zurückgenommen. An dem Standort soll festgehalten werden. Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat den Plänen als höchstes Organ mehrheitlich zugestimmt.

Die Entscheidung trifft die Verantwortlichen in Rapstedt ins Mark. Christina Buchmeier, die zusammen mit Kolleginnen und Kollegen viel Zeit und Energie in das Konzeptgesteckt und bis zuletzt an das Fortbestehen der Schule geglaubt hatte, war auch am Mittwoch noch immer fassungslos.

Hatte sich vehement für den Erhalt von Schule und Kindergarten in Rapstedt eingesetzt: Vorsitzende Christina Buchmeier.

„Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass es keinen richtigen Austausch gegeben hat, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das Zeitfenster war enorm eng, der Druck immens hoch. Man hat das Gefühl, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein“, so Buchmeier.

Weiteres mit den Eltern besprechen

Man werde nun zu einer Elternversammlung einladen, um über die Situation zu sprechen und mögliche Auswege zu erörtern. Dem Vorstand und der Elternschaft hat unter anderem der Gedanke gestreift, eine Privatschule außerhalb des DSSV-Daches zu gründen. Ob dieses Modell überhaupt realisierbar sei, gelte es zu analysieren, sagt die Vorsitzende.

„Viele Eltern haben uns signalisiert, dass sie sich mit einer Schließung nicht abfinden und weiterhin für die Schule kämpfen wollen. Zu einer sofortigen Auflösung des Schulvereins wird es wohl nicht kommen“, sagt Christina Buchmeier.

Große Enttäuschung war am Mittwoch, am Tag danach, auch Schulleiter Jan Röhrig anzumerken, der 2018 das Amt an der Schule übernahm, als die Kinderzahl noch bei unter 20 lag. Nach zwischenzeitlich über 30 Kindern beträgt die Zahl aktuell 27.

„Wir hatten uns alle etwas anderes erhofft. Die Entscheidung kommt sehr abrupt und macht uns traurig. Man hat den Beschluss mit dem Gefühl zur Kenntnis genommen, nichts falsch gemacht zu haben“, so Jan Röhrig.

Enttäuscht, traurig und niedergeschlagen: Auch Rapstedts Schulleiter Jan Röhrig hat das verkündete Aus zugesetzt.

Auch er hätte sich einen anderen Prozess und vor allem mehr Zeit gewünscht, in der für die Schule und vor allem für den Kindergarten wichtige Impulse hätten gesetzt werden können.

Was seine Zukunft bei einer Schließung in Rapstedt angeht, darüber habe er noch nicht nachgedacht, so Röhrig, der im Kollegium der einzige Beamte ist. Ob er in den schleswig-holsteinischen Schuldienst zurückkehrt oder im DSSV bleibt, müsse sich zeigen. 

Vernünftig zu Ende bringen

„Es geht nicht um mich. Es geht jetzt erst einmal darum, das Schuljahr ordentlich zu Ende zu bringen. Das sind wir den Eltern und allen voran den Kindern schuldig. Zu hoffen ist, dass Eltern ihre Kinder nicht vorher schon fortlaufend herausnehmen und alles langsam bröckelt“, sagt Röhrig.

Davon gehe er allerdings nicht aus, „denn wir haben treue und engagierte Eltern, die von der Schule überzeugt sind“.

Am Mittwoch war die Schließung auch Thema bei den Lehrkräften. Bei aller Enttäuschung über die Entscheidung von DSSV und BDN würden sie gern weiterhin im DSSV bleiben. 

Die Struktur, die kulturellen Besonderheiten und die Zweisprachigkeit – diese Attribute machen das Unterrichten an einer deutschen Schule in Nordschleswig so reizvoll, fasste es Lehrerin Anna-Lena Haack im Lehrerzimmer zusammen.

Es bleibe zu hoffen, dass es im DSSV genügend Stellen gibt und man übernommen wird, so der Tenor des Kollegiums, dem sechs Lehrkräfte und Schulleiter Jan Röhrig angehören.

Das Kollegium in Rapstedt würde bei aller Enttäuschung über das Aus der Schule gern weiterhin an einer Einrichtung des DSSV arbeiten. Auf dem Foto sind die Lehrkräfte (v. l.) Cüneyt Amet, Verena Bartlett, Maria Wappler und Anna-Lena Haack abgebildet.

Achillesferse Kindergarten

Der DSSV hatte sich für die Schließung in Rapstedt wie auch in Lunden wegen finanzieller Herausforderungen und mangelnder Perspektive ausgesprochen. Springender Punkt in Rapstedt ist die drastisch gesunkene Zahl der Kindergartenkinder. Gerade einmal sieben Kinder sind aktuell gemeldet. 

Auf Sicht würde die Kinderzahl an der Schule fallen, wodurch der Zuschuss pro Schülerin und Schüler unverhältnismäßig steigen müsste, so das Argument des DSSV. Hinzu kommt, so der Schulträger der deutschen Minderheit, dass für die Gebäude in Rapstedt ein Sanierungsbedarf in Höhe von 700.000 Kronen besteht.

Der Vorstand in Rapstedt hatte dagegengehalten, dass die Schule im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren eine relativ hohe Kinderzahl (aktuell 27) hat. Ein weiteres Argument: Wenn auch mit einem höheren Pro-Kopf-Zuschuss als bei größeren Schulen, ist das Jahr mit einem kleinen Plus abgeschlossen und die Sparauflagen von 2 Prozent sogar übertroffen worden. 

Nach der Krise in der DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade), die auch Auswirkungen auf den Standort Rapstedt hatte, zeigten sich Vorstand und Leitung in Rapstedt zuversichtlich, dass die Probleme weitestgehend ausgeräumt sind und die Zahl der Kinder im Kindergarten wieder steigen wird. Das ist wegen der bevorstehenden Schließung nur noch Makulatur.


„Die Solidarität war greifbar“: Volles Haus beim Lottospielen in Rapstedt

Zwischen Normalität und Kampfgeist: Viel los an der Rapstedter Schule

Auch Erwin Andresen setzt auf Lösungen für den Erhalt der Einrichtungen in Rapstedt

SP-Politiker Kurt Asmussen glaubt felsenfest an das Fortbestehen der Schule in Rapstedt

Moralische Unterstützung für die deutschen Einrichtungen in Rapstedt

Drohende Schulschließung in Rapstedt: „Ein großer Schock“

Deutsche Schulen und Kindergärten in Lunden und Rapstedt sollen schließen

Unerwarteter Aderlass an der Rapstedter Schule kein Beinbruch