Deutsche Minderheit

Neues Nachschuljahr: Für Lehrerin Ingrid Berndsen noch immer etwas Besonderes

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Ingrid Bernden ist gern Lehrerin an der Deutschen Nachschule Tingleff.

Kann man sich auch nach fast 40 Jahren Lehrertätigkeit für das neue Schuljahr an der Deutschen Nachschule Tingleff motivieren? Na klar, betont die dienstälteste Lehrkraft Ingrid Berndsen. Wieso das so ist, verrät die 64-Jährige im Interview.

„Wenn die sechs Wochen Sommerferien allmählich vorbei sind, darf es gern wieder los gehen. Ich freue mich auch nach so vielen Jahren immer wieder auf das neue Schuljahr und auf die Schülerinnen und Schüler“, sagt Ingrid Berndsen mit einem Ausrufezeichen.

Abnutzungserscheinungen und Berufsmüdigkeit sind für die dienstälteste Lehrkraft an der Deutschen Nachschule Tingleff Fremdwörter. Seit 1988 unterrichtet die gebürtige Flensburgerin mit den Schwerpunktfächern Englisch und Deutsch an der Nachschule – und das sehr gern, wie sie betont. Sie ist quasi mit der Einrichtung verwachsen.

„Für mich ist Nachschule die beste Schulform, die es gibt“, schwärmt Ingrid Berndsen, die sich selbst als Urgestein der Schule bezeichnet.

Ist seit 1988 Lehrkraft an der Tingleffer Nachschule: Ingrid Berndsen.

Von der Schulform angetan

Sie schätzt den besonderen Unterrichts- und Schulalltag mit Internatsbetrieb, wie er für eine dänische Nachschule typisch ist. Und sie schätzt den anderen, engeren Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu herkömmlichen Schulen.

„Die Altersklasse liegt mir. Ich habe irgendwie einen Draht zu Teenagern und finde es spannend, sie nicht nur schulisch, sondern auch beim Erwachsenwerden zu begleiten und zu unterstützen. Deshalb habe ich mich damals auch entschieden, mich hier zu bewerben“, so Berndsen im Gespräch an ihrer geschätzten Wirkungsstätte.

Als Horst Jacobsen noch Schulleiter war, fing sie als 27-Jährige, ausgebildete Realschullehrerin an, erinnert sich Ingrid Berndsen.

Ingrid Berndsen (2. v. l.) weiß die Jugendlichen an der Nachschule zu nehmen. Sie mag die Altersklasse, wie sie selbst sagt.

Auch nach so vielen Jahren mit so manchen Veränderungen fiebere sie dem Beginn eines neuen Jahres noch immer entgegen. Dass ein Großteil der Schülerschaft jedes Mal neu ist, man sie kennenlernen und ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen muss, sei für sie kein Übel, sondern reizvoll.

„Einige hängen ja ein zweites Jahr dran. Man hat also auch bekannte Gesichter an der Schule.“

Multifunktionaler Einsatz

Die Altersklasse liegt mir. Ich habe irgendwie einen Draht zu Teenagern.

Ingrid Berndsen

Das Wechselspiel zwischen Lehrerdasein, Vertrauensperson und Erziehender mag sie an ihrer Arbeit. „Ersatzmutter, Freundin, Kumpel, Tutti-Mutti (abgeleitet von Tutor, red. Anm.), Aufpasser – für uns Lehrkräfte gibt es viele Bezeichnungen“, so Berndsen mit einem Lachen.

Die Rückmeldungen aus der Schüler- und Elternschaft sorgen Jahr ein Jahr aus für zusätzliche Motivation. „Ob Eltern, die ich mal unterrichtet habe und nun Kinder im Teenageralter haben, oder Geschwisterkinder ehemaliger Schülerinnen – es kommt oft vor, dass sie in meine Tutorgruppe wollen. Und bei der Schulentlassfeier gibt es jedes Jahr Tränen. Das ist eine schöne Bestätigung. Man scheint dann ja doch einiges richtig gemacht zu haben“, so Berndsen mit einem Schmunzeln.

Smalltalk im Büro des stellvertretenden Schulleiters Rico Andersen. Ingrid Berndsen schätzt das Miteinander an der Nachschule Tingleff.

Das soll so bleiben. Auf ins neue Schuljahr…