Deutsche Bücherei

Menschlich, eindrucksvoll, aktuell: Claudia Knauers Buch des Jahres

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Claudia Knauer an dem Bücherregal, wo ihr Buchtipp des Jahres zu finden ist

Buchtipp: Welches Werk ist für die Büchereidirektorin ihr persönliches Buch des Jahres? Aus 100 Büchern, die sie dieses Jahr gelesen hat, ist es für sie „Knife. Gedanken nach einem Mordversuch“ von Salman Rushdie. Claudia Knauer erklärt, warum dieses Buch so besonders ist.

In dem Buch „Knife. Gedanken nach einem Mordversuch“ verarbeitet der indisch-britische Autor Salman Rushdie einen 2022 auf ihn verübten Messerangriff. Rushdie nimmt die Leserinnen und Leser in seinem autobiografischen Werk mit in seine Gedanken und Gefühle gegenüber seiner Frau, seiner Lebenseinstellung und seinem Attentäter. 

Claudia Knauer fand das Buch im Regal der Neuerscheinungen in der Deutschen Bibliothek und lieh es sich direkt aus. „Das Buch war so fesselnd, dass ich es innerhalb eines Wochenendes durchgelesen habe“, erinnert sie sich.

Knauer überschlägt sich mit Komplimenten, als sie versucht, die Besonderheit von „Knife. Gedanken nach einem Mordversuch“ in Worte zu fassen. Ihr ist ins Gesicht geschrieben, wie sehr das Buch sie fasziniert, und sie schwärmt: „Ich habe einige Bücher dieses Jahr gelesen, doch dieses hat sich durch die schöne Sprache, den persönlichen Zugang und den zutiefst menschlichen Inhalt deutlich von den anderen abgehoben.“ 

„Knife“ im Bücherregal der deutschen Bibliothek

Rushdie macht Mut 

Ein weiterer Grund, warum die Büchereidirektorin dieses Buch zu ihrem Lieblingsbuch des Jahres gekürt hat, ist die Botschaft, die „Knife“ vermittelt: Rushdie zeige charmant und humorvoll, wie er ein traumatisches Erlebnis verarbeitet hat. Mit seiner Geschichte, nach einem Mordversuch wieder aufzustehen und weiterzuschreiben, gebe er anderen Menschen die Kraft, traumatische Erlebnisse ebenfalls zu bewältigen, sagt sie.

Salman Rushdie weise nachdenklich darauf hin, dass sein Erleben kein Einzelfall war. Für Knauer ist es eine Zeit, in der „Menschen Menschen verletzen und sich verschiedene Glauben bekriegen“. Umso wichtiger sei es, dass Glaubens- und Meinungsfreiheit weiter bestehen muss, vermittelt der indisch-britische Autor in seinem Buch. 

Claudia Knauer liest ihre Bücher am liebsten im Bett, ersatzweise geht es auch auf dem Sofa der deutschen Bücherei.

2023 wurde Rushdie mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt. Die Begründung der Jury war seine „Unbeugsamkeit, seine Lebensbejahung und dass er mit seiner Erzählfreude die Welt bereichert“. 

Der Hintergrund des Attentats

1988 veröffentlichte Salman Rushdie sein Buch „Die Satanischen Verse“, das auf viel Hass und Ablehnung in radikal-islamischen Kreisen stieß. Daraufhin erließ der iranische Führer Ruhollah Chomeini eine Fatwa, einen Mordaufruf, gegen Salman Rushdie. Das Attentat ereignete sich 2022 in New York bei einer Podiumsdiskussion. Der Angreifer stach mehrmals auf Rushdie ein, der dadurch sein rechtes Auge verlor.  

Zum Buch

Titel: Knife. Gedanken nach einem Mordversuch

Autor: Salman Rushdie 

Veröffentlichung: 16. April 2024 

Übersetzung: Aus dem Englischen von Bernhard Robben 

Verlag: Penguin